Mönchengladbach: Schulen ermitteln ihre besten Fußballer

Fußball-Stadttitel : Waisenhausstraße hat tolle Ogata-Kicker

Beim 10. Ogata-Cup gewinnen die Rheydter gegen Beckrath. Den Fairness-Preis bekommt die Vitusschule.

Er legt sich den neongelben Ball auf den Punkt, zieht noch einmal die Stutzen hoch und nimmt in beinahe schon zeremonieller Art und Weise einige Schritte Anlauf. Ein letztes Durchatmen, während der Torhüter der OGS Holt zwischen den Aluminium-Pfosten immer größer zu werden scheint. Der Ball muss rein ins Tor: Das weiß der junge Schütze aus Beckrath auf dem Feld ebenso wie seine Fans auf der Tribüne. Stille in der gesamten Jahnhalle. Der Junge nimmt Anlauf – und trifft.

Jubelnd rennen die Mannschaftskollegen zum Sieg-Schützen und feiern. Aber nicht etwa den Sieg des Finales. Das ungeplante Sieben-Meter-Schießen war der Höhepunkt der packenden Vorrunde in Gruppe B, weshalb sich viele Zuschauer auf den Tribünen die Frage stellten, wie die Final-Spiele des zehnten Ogata-Cups des Bildungsnetzwerks Mönchengladbach noch spannender werden sollen.

Zwölf Mannschaften, verteilt auf zwei Gruppen, stehen an diesem Morgen auf dem Spielplan. Die Teams kommen aus offenen Ganztagsschulen aus dem gesamten Stadtgebiet. Gespielt wird in der Jahnhalle jeweils sieben Minuten lang auf Handball-Tore. Eine Startvoraussetzung neben einem Kuchen als Startgeld: Es muss mindestens ein Mädchen in der Mannschaft sein und regelmäßig zum Einsatz kommen. Vorbildlich regelt das die Vitusschule, die dafür später auch den Fairness-Pokal mit nach Hause nimmt. Gleich die Hälfte der Mannschaft besteht aus jungen Spielerinnen, die zumeist in der Abwehr eingesetzt werden. Überhaupt sind in der Vorrunde schnell unterschiedliche Qualitäten und Spielweisen zu erkennen. Egal, ob lange Bälle nach vorne, versuchte Ballstafetten oder den einen oder anderen technisch starken Dribbler: Hauptsache, das Ergebnis stimmt beim Abpfiff. Schnell kristallisieren sich auch erste Titelanwärter heraus.

Auf der Tribüne feuern mitgereiste Betreuer und Familien die kleinen Fußballstars an. Insbesondere zur Zeit der Fußball-WM werden hier schnell einige vermeintliche Parallelen zu den echten Profis gezogen: Es gibt isländische Einwürfe, hohe schwedische Bälle oder Aktionen à la Neymar. Die Stimmung auf und abseits des Feldes ist grundsätzlich gut und sportlich. Hart umkämpfte 1:0-Spiele sind genauso zu sehen wie Kantersiege mit 5:0 Toren.

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In den Halbfinals treffen dann die Ogata-Teams von der Pahlkestraße auf die Beckrather sowie die Kicker aus Ohler auf die der Waisenhausstraße. Gäbe es bei diesem Turnier einen Pokal für die besten Fans, so würde dieser mit ziemlicher Gewissheit nach Beckrath gehen. Leidenschaftlich und lautstark feuern sie ihre Jungs und Mädels an, zelebrieren jeden Ballgewinn  und jede Parade des eigenen Torhüters. Getragen von den Anfeuerungen zeigen die Beckrather eine gute Anfangs-Offensive. Harte Zweikämpfe kennzeichnen den weiteren Spielverlauf. Am Ende zieht Beckrath verdient als erstes Team in das Endspiel ein. Im zweiten Halbfinale setzt sich danach die Waisenhausstraße in einem zähen Spiel gegen Ohler durch.

Nachdem sich die Spieler aus Ohler im Sieben-Meter-Schießen Platz drei sicherten, steht das Finale an. Die lautstarken Beckrath-Rufe aus dem Fan-Lager zeigen allerdings weniger Wirkung: Der erste richtige Angriff der jungen Rheydter Kicker über die rechte Seite führt früh zum ersten Tor für die Waisenhausstraße. Beckrath tut sich in dieser Partie sichtlich schwer, während der Gegner seine Effektivität unter Beweis stellt und mit dem zweiten vorgetragenen Konter auch auf 2:0 erhöht. Aber die Beckrather geben nicht auf: Eine Ecke nach einer Großchance bringt nach einer Flipper-Sequenz im Strafraum den Anschlusstreffer – das Spiel scheint zu kippen. Die Minuten verrinnen. Schließlich können die Spieler der Waisenhausstraße dem Druck aber standhalten und küren sich mit einer guten Leistung zum Ogata-Cup-Meister 2018.

Bei der Siegerehrung überreicht dann Borussia-Maskottchen Jünter die Ehrungen. Es gibt Pokale für die besten vier Mannschaften, Urkunden für die Plätze fünf bis zwölf. Dazu bekommt jeder Teilnehmer von einem unbekannten Sponsor offizielle Tassen der Deutschen Nationalmannschaft und jede Menge Süßigkeiten, damit keiner mit leeren Händen nach Hause geht. Als abschließenden Höhepunkt bekommt jede Ogata-Fußballmannschaft noch ein Team-Foto mit Maskottchen Jünter.