Mönchengladbach: Angebliches Bargeld war Kokain

15 Kilogramm Kokain: Nervosität verriet ihn: Sechs Jahre Haft für Drogenschmuggler

Wegen einer Drogenkurierfahrt musste sich seit letzter Woche ein 29-Jähriger vor der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts verantworten. Ardit. K., ein gebürtiger Albaner mit Wohnsitz in Italien, wird vorgeworfen, im März knapp 15 Kilogramm Kokain aus den Niederlanden nach Deutschland gebracht zu haben.

Bundespolizisten hatten ihn an der A 61 in Höhe der Anschlussstelle Rheydt kontrolliert. „Der Angeklagte wirkte äußerst nervös, schwitzte trotz der kühlen Temperaturen an diesem Abend stark und wirkte wie in Stockstarre verfallen“, erinnerte sich der Beamte. Ein Drogenwischtest habe positiv auf Kokain reagiert.

Gleichzeitig fiel den Polizisten auf, dass der Auspuffschacht des Autos versetzt und Veränderungen am Unterboden vorgenommen worden waren. In der Mittelkonsole fanden sie schließlich den Zugang zu einem Versteck, das 16 Pakete Kokain sowie vier Blackberrys enthielt. Eine spätere Untersuchung ergab, dass es sich um Kokain mit einem hohen Wirkstoffgehalt von über 90 Prozent handelte. Die Menge hätte für über 414.000 Konsumeinheiten ausgereicht.

Der Aussage des Bundespolizisten sowie der Inaugenscheinnahme des bei der Untersuchung des Autos entstanden Bildmaterials hatte der Verteidiger zuvor widersprochen. Seiner Meinung sei diese rechtswidrig und grob willkürlich erfolgt. Der Angeklagte sei mit der Durchsuchung nicht einverstanden gewesen, damit hätten die Polizisten einen richterlichen Durchsuchungsbefehl abwarten müssen.

  • Gericht : Prozess wegen Drogenschmuggels: Angeklagter mit Kokain gestoppt

Ardit K. lebe seit über einem Jahr in Florenz bei Schwester und Schwager und habe als Tagelöhner gearbeitet. Irgendwann sei er in einer Bar in Florenz gefragt worden, ob er ein Auto besitze und damit als Kurier eine größere Bargeldmenge in den Niederlanden abholen und nach Italien bringen könne. Zunächst habe sein Mandant das Angebot ablehnen wollen, es aber schließlich doch angenommen, da er zu diesem Zeitpunkt arbeitslos gewesen sei. Dieser Person, von der der Angeklagte nur den Vornamen „Zlatko“ kenne, habe er in Utrecht sein Auto übergeben, um es für die Tour vorbereiten zu lassen. Vor der Fahrt habe er das Auto abgegeben und drei Stunden gewartet, angeblich, weil das Geld besorgt und in dem vorab eingebauten Versteck verstaut werden sollte. Dann habe er dieses nach Florenz bringen sollen, wobei ihm die Zieladresse erst kurz nach dem Eintreffen in der Stadt übermittelt werden sollte- Dafür erhielt er ein Prepaid-Handy. Für die Kurierfahrt habe er 1500 Euro erhalten sollen.

In ihrem Plädoyer forderte die Staatsanwältin sechs Jahre sechs Monate Haft sowie die Einziehung des Autos. Die dokumentierte sehr starke Stresssituation des Angeklagten bei der Polizeikontrolle sei nicht mit dem Transport von Schwarzgeld in Einklang zu bringen. Dazu kämen die extremen Vorsichtsmaßnahmen rund um die Fahrt. Dies alles hätte ihm darüber Aufschluss geben müssen, dass er andere Dinge transportiere. Der Verteidiger forderte wegen der daraus folgenden Nicht-Verwertbarkeit der sichergestellten Beweismittel Freispruch für seinen Mandanten.

Die Kammer verhängte eine sechsjährige Haftstrafe sowie die Einziehung des Autos. Sie sah keinen Grund, den Drogenfund durch eine ohne richterlichen Beschluss erfolgte Auto-Untersuchung nicht zu verwerten. Ein wichtiges Indiz für die Verurteilung sei zudem der Ankauf des Autos zu einem Ankaufpreis von 8000 Euro zwei Monate vor der Kurierfahrt. Dieser sei, gemessen an der wirtschaftlichen Situation der Familie, sehr hoch. Es dränge sich der Verdacht auf, dieser Wagen sei ihm für diese – und möglicherweise weitere – Kurierfahrten gekauft und auf seinen Namen zugelassen oder zumindest durch die Organisation, für die er die Fahrt durchführen sollte, „deutlich gesponsert“ worden.

Mehr von RP ONLINE