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Mönchengladbach: Beamtenbäume, alte Buchen und Douglasien bei Hephata

Alte Bäume auf dem Hephata-Gelände : Beamtenbaum kommt spät, geht früh

Auf dem Gelände der Hephata-Stiftung wachsen uralte Buchen, riesige Douglasien und so manche ungewöhnliche Baumperle. Landschaftsarchitekt Matthias Nickel kennt sie alle.

Kühl ist es im Schatten der hohen Buchen. Die Luft ist etwas feuchter und duftet nach Wald und Leben. Diese Bäume sind alt, älter als die Stiftung Hephata, auf deren Gelände sie stehen. Hephata feiert in diesem Jahr sein 160-jähriges Bestehen, die Buchen aber sind mindestens 200 Jahre alt. Und damit haben sie gerade mal die Hälfte ihrer möglichen Lebensdauer erreicht. „Sie sind gerade aus der Pubertät heraus“, sagt Matthias Nickel und lacht.

Der Landschaftsarchitekt leitet den Hephata-Gartenshop und ist für den Park mit dem alten Baumbestand auf dem Zentralgelände der Stiftung Hephata zwischen Rheydter Straße und Dahler Kirchweg verantwortlich. Dass er die Bäume nicht nur pflichtgemäß betreut, sondern kennt und liebt, spürt man bei jedem Wort. „Buchen unterstützen sich gegenseitig, wenn sie in Gruppen zusammen stehen“, erklärt er und zeigt auf einen scheinbar toten Baum. „Dieser hier hat seit mindestens zehn Jahren keine Blätter mehr, aber er wird von den anderen mit versorgt.“ Die alten Buchen stehen neben der Fläche, auf der sich einst die Anstaltskirche befand und die heute Platz des Gedenkens an die Opfer der Euthanasie ist. Daneben wächst eine wunderbare Atlas-Zeder. Sie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von Gärtnermeister Josef Potocnik gepflanzt, dem es zu verdanken ist, dass sich das Hephata-Gelände zunehmend in einen Park verwandelte. „Ich glaube, dass er an die Zedern dachte, aus denen Salomon den Tempel gebaut hat“, sagt Nickel. Rund um den Parkplatz stehen Bäume, die er lachend „Beamtenbäume“ nennt. „Sie kommen spät und gehen früh“, sagt er. Das heißt, sie werden erst im Mai grün und verlieren ihre Blätter bereits im Oktober. Eigentlich heißen sie Zigarrenbäume, kommen aus Japan und blühen gerade in weißer Pracht.

In der Nähe wächst auch der Blauglockenbaum. Ausladend und ehrwürdig sieht er aus, aber allzu alt ist er wahrscheinlich noch gar nicht. „Ich glaube, auch er wurde erst nach dem Krieg gepflanzt“, sagt Nickel. Um sich dem Riesenmammutbaum zu nähern, muss man auf einem kleinen Pfad dicht an einem Gebäude vorbei. Und dann steht man vor dem gewaltigen Stamm des Vaters der Bäume. Aber auch hier täuscht der Umfang: Er wurde erst 1974 gepflanzt. Die Buchen sind bedeutend älter. Man sieht Bäumen ihr Alter nicht unbedingt an. Die Lindenallee, die sich über das Gelände Richtung Viktoriastraße zieht, wirkt zart, ist aber wahrscheinlich so alt wie die Stiftung Hephata. „Wir schneiden sie jedes Jahr vollständig zurück“, sagt der Experte. Sie schlagen dann mit jungen Trieben frisch aus. Bei näherem Hinblicken sieht man aber Spalten und Höhlen in den Stämmen, die auf ein hohes Alter hinweisen.

Viele ungewöhnliche Baumperlen finden sich auf dem Hephata-Gelände: Den Tulpenbaum erkennt man am besten während der Blütezeit im April und Mai, wenn becherartige Blüten auf den Zweigen stehen. Auch die riesige japanische Zierkirsche hat im Frühling ihren großen Auftritt, wenn sie über und über rosa blüht und nicht nur Japaner in Verzückung versetzt. Der Amberbaum dagegen leuchtet im Herbst, wenn sich seine Blätter verfärben, in wunderbarem Rot. Ganz am Ende des Hephata-Areals, schon fast am Gartenshop, erhebt sich eine riesige Douglasie. Sie war einige Jahre lang der größte Weihnachtsbaum Mönchengladbachs, wenn sie zum Wintermarkt geschmückt und beleuchtet wurde.