Mönchengladbach: Knigge für ungeübte Kirchgänger

Mönchengladbach : Knigge für ungeübte Kirchgänger

Die Kirchen sind an Heiligabend voll, aber etliche Besucher fühlen sich unsicher, weil sie die Abläufe im Gottesdienst nicht wirklich kennen. Wir geben Tipps, wie man sich verhalten sollte. Das Wichtigste aber ist, zur Ruhe zu kommen.

Der Kirchgang gehört in vielen Familien zu Heiligabend wie der Weihnachtsbaum und die Bescherung. Für einige ist der Gottesdienst am 24. Dezember allerdings der einzige im Jahr, den sie besuchen. Da macht sich schnell Unsicherheit breit: Wann muss man aufstehen, wann sitzen bleiben, wie sieht das mit der Kollekte aus und wann ist der Gottesdienst wirklich beendet? Hier nun die Antworten auf viele Fragen unter Berücksichtigung der feinen Unterschiede zwischen Katholiken und Protestanten.

Erstens: Wann steht die Gemeinde auf? Regionaldekan Ulrich Clancett erklärt, was es mit unterschiedlichen Körperhaltungen im Gottesdienst überhaupt auf sich hat: "Die ursprüngliche christliche Gebetshaltung ist das Stehen. In frühchristlichen Kirchen gab es gar keine Bänke, so wie heute noch in den orthodoxen Kirchen. Das Stehen ist eine empfangende Haltung." Deshalb steht die Gemeinde im katholischen Gottesdienst zum Beispiel bei zentralen Inhalten wie der Lesung der Weihnachtsgeschichte auf. In evangelischen Gottesdiensten erhebt sich die Gemeinde im Allgemeinen beim Glaubensbekenntnis, beim Vaterunser und beim Segen. In den Gottesdiensten an Heiligabend wird auf das Glaubensbekenntnis meist verzichtet.

Foto: Raupold, Isabella (ikr)

Zweitens: Die Kollekte. In katholischen Gottesdiensten gehört die Kollekte zur Gabenbereitung. "Brot und Wein werden durch die Opfergabe ergänzt", erklärt Pfarrer Clancett. Das Geld ist für Adveniat, das katholische Hilfswerk für Lateinamerika, bestimmt. In den evangelischen Kirchen wird an Heiligabend meist an der Tür eine Kollekte für "Brot für die Welt" eingesammelt.

Foto: Raupold, Isabella (ikr)

Drittens: Ist eine gewisse Unruhe akzeptabel? Die Nachmittagsgottesdienste, an denen viele Kinder teilnehmen, sind naturgemäß etwas lauter und unruhiger. "Da herrscht oft eine Stimmung wie in einer fröhlichen Theaterpause", sagt Ulrich Clancett. Er wünscht sich, dass die Kirche als Ort der Stille und Ruhe erlebt werden kann.

Sein evangelischer Kollege Wolfgang Hess, Pfarrer der Christuskirchengemeinde in Alt-Gladbach, kennt die Unruhe beim Nachmittagsgottesdienst ebenfalls, sieht das aber gelassen. "Das ist eben die Aufregung", meint er. Ansonsten laufe in der Regel alles sehr geordnet, diszipliniert und andächtig ab. Die Gottesdienste am 24. Dezember seien für ihn immer besondere Ereignisse. "Sie berühren, wenn sie auf Bereitschaft und Offenheit stoßen", sagt der evangelische Pfarrer. Seine Bitte an die Besucher der Gottesdienste ist deshalb auch nur, dass sie versuchen, sich wirklich einzulassen auf das, was geschieht.

Ulrich Clancetts Wunsch klingt ganz ähnlich wie der seines Kollegen: "Ich wünsche mir, dass die Menschen zur Ruhe kommen und sich auf das gottesdienstliche Geschehen konzentrieren können", meint er. Dazu gehöre auch, die Kirche nicht direkt nach dem Segen zu verlassen, sondern sich nochmals zu setzen und das Orgelnachspiel zu genießen. Zusammengefasst ist eigentlich alles ganz einfach: hingehen, zur Ruhe kommen und es Weihnachten werden lassen.

(arie)
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