Mönchengladbach: Unser chaotischstes Weihnachtsfest

Mönchengladbach : Unser chaotischstes Weihnachtsfest

Friede, Freude, Festtagsschmaus - das ist die Erwartungshaltung vor jedem Fest. Doch nicht immer geht alles glatt. Die Redakteure der Lokalredaktion haben ihre amüsantesten Weihnachts-Pannen zusammengetragen.

Was hätte das für ein gemütliches Beisammensein werden können! Die Eltern waren gerade frisch in die neue Eigentumswohnung gezogen, der Bruder kam mit der Ehefrau vorbei - und dann das: keine Musik. Kein Fernsehen. Kein Internet. Und als Konsequenz daraus die Erfahrung, dass drei volle Tage im Kreise der lieben Familie recht lang werden können, wenn man so gar keine Ablenkung voneinander hat. Denn dann werden die Gesprächsthemen mit jeder Mahlzeit rarer, die Gesellschaftsspiele fader, die Blicke aus dem Fenster länger. Doch Not macht erfinderisch, und so behalfen wir uns wie folgt: Jeder generierte mit seinem Handy reihum einen mobilen Hotspot und wir hörten Internetradio, bis die jeweilige Datenmenge verbraucht war. Wir schauten die einzige DVD im Haus, und hörten die einzige CD: das Best of von Bon Jovi. Immer und immer wieder, bis selbst meine Mutter genug hatte. Eines der Lieder darauf: "Who Says You Can't Go Home?"

Ich erinnere mich eigentlich nur an lauter wunderbare Weihnachten. Der ewiggleiche Ablauf des Heiligabends garantiert, dass es keine Pannen gibt. Eine Unwägbarkeit gibt es allerdings immer und das sind die Geschenke. Einmal nämlich passierte die Katastrophe. Mein Vater hatte meiner Mutter ein Handy zu Weihnachten gekauft, als Mobiltelefone für Jedermann noch eine Neuheit waren. Meine Mutter hat einen sechsten Sinn zum Aufspüren und Erraten von Geschenkideen entwickelt. Sie weiß fast immer schon vorher, was wir ihr schenken wollen. Und so sagte sie schon beim Auspacken: "Hoffentlich ist es nicht das, was ich denke." Und als sie das neue Handy in den Händen hielt, beschwerte sie sich. Denn ein Handy wollte sie nicht haben. Damit war die Stimmung auch für meinen Vater und uns Kinder im Eimer. Seither gibt es keine Überraschungen mehr, meine Mutter sucht sich ihr Geschenke selbst aus.

Die Koffer waren gepackt, die Reste aus dem Kühlschrank aufgegessen, der Müll rausgebracht. Am nächsten Morgen sollte es zur Verwandtschaft nach Norddeutschland gehen. Mit der war vereinbart worden, dass wir den Rotkohl zum Braten mitbringen, um die Tante beim Kochen zu entlasten. Doch dann kam der Schnee. Und Glatteis. Der Vater als Fahrer der gesamten Sippe beschloss: Bei dem Wetter können wir nicht fahren. Bis zum Nachmittag warteten wir noch hoffnungsvoll auf Tauwetter, dann gaben wir es auf. So saßen wir traurig um einen riesigen Topf Rotkohl herum. Während die Verwandtschaft sich zumindest an Gänsebraten und Klößen laben konnte, hatten wir definitiv den schlechteren Part erwischt. Und nicht nur das: In der Kenntnis, das wir ja verreisen würden, hatten wir auch keinen Weihnachtsbaum gekauft. Was für ein trostloses Weihnachten! Das dachten wir zunächst. Dann machten wir einfach das Beste draus: Der Rotkohl wanderte als Beilage für ein anderes Essen in die Kühltruhe, stattdessen gab es Fertigpizza. Und die Geschenke waren auch ohne Tannenbaum schön.

Am Heiligabend gab es Käsefondue - Schweizer Art. Der erste Happen wanderte in den Mund. Die Reaktion war eindeutig. Beide Töchter und ich verzogen angewidert das Gesicht. Die Käsepampe wanderte in den Müll. Es gab stattdessen Rühreier mit Schinken. Am ersten Weihnachtstag gab es Muscheln - rheinische Art. Der leckere Sud war mit viel Gemüse und Weißwein abgeschmeckt. Die Muscheln wanderten hinein - und keine einzige öffnete sich. Ab in den Müll. Es gab Rühreier ohne Schinken. Dafür aber mit Schwarzbrot und Butter. Für den zweiten Weihnachtstag stand ein Lammbraten auf dem Speiseplan. Daraus wurde nichts. Nach den schlechten Erfahrungen der beiden Tage zuvor, ließ ich den Braten im Eisfach und aß mit den Töchtern in einem Schnellrestaurant. Das ging nicht schief. Im Jahr darauf kam es noch schlimmer. Die älteste Tochter hatte vor Inbetriebnahme des Raclette-Grills diesen ausführlich und mit viel Wasser gesäubert. Der Tisch war eingedeckt, lauter kleine Schälchen mit diversen Leckerein warteten darauf, zu Pellkartoffeln und Käse verputzt zu werden. Stecker rein - der Raclette-Grill sprühte Funken. Sicherung raus. Feierabend.

(RP)
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