Mönchengladbach: Die Stadtmauer von 1366 ist restauriert

Mönchengladbach : Die Stadtmauer von 1366 ist restauriert

Sie führte viele Jahre lang ein Mauerblümchen-Dasein: Doch seit einiger Zeit besinnen sich viele Gladbacher darauf, dass die Altstadt von einer Stadtmauer umgeben war, die zwischen 1366 und 1414 gebaut wurde. Ein Teil ist jetzt restauriert.

Rüdiger Pongs hat ein großes Hobby: Der gelernte Druckformenhersteller hat sich mehrere Jahre lang mit der von 1366 bis 1414 gebauten Gladbacher Stadtmauer beschäftigt. Und zwar so intensiv, dass am Ende ein Buch entstanden ist. Gemeinsam mit Stadtarchiv-Leiter Dr. Christian Wolfsberger hat Pongs über die Stadtbefestigung geforscht und sie erstmals lückenlos auf 400 Seiten beschrieben. Wenn er in diesen Tagen am Geroweiher spazierengeht, wird ihm besonders gut gefallen, was hier in den vergangenen Monaten passiert ist: Die Stadt hat für 150.000 Euro Reststücke der Stadtmauer aufwendig restaurieren lassen. "Hier wird die Historie der Stadt erlebbar", sagt der Technische Beigeordnete Andreas Wurff.

Rüdiger Pongs (r.) und Dr. Christian Wolfsberger mit ihren Buch über die Stadtbefestigung. Foto: Ilgner

Es ist ein historisches Kleinod, das sich dem Betrachter präsentiert. Und es war keine Kleinigkeit, die Stadtmauer wieder in eine ansprechende Verfassung zu bringen. Die Beton-Abdeckung auf der Mauerkrone ist jetzt verschwunden, Fugen wurden ausgearbeitet, das Mauerwerk ist neu verfugt. Besonders knifflig war es, die originalen, hellorange-farbenen Backsteine zu erhalten, da sie zum spätmittelalterlichen Bestand gehören. Weil diese Steine besonders weich sind und verwittert waren, musste mit allergrößter Sorgfalt gearbeitet werden.

Die Denkmal-Experten haben die Original-Steine aus dem Spätmittelalter sorgsam restauriert. Das war eine knifflige Angelegenheit, weil die Steine besonders weich sind und verwittert waren. Das Mauerwerk wurde mit einem Spezialverfahren unter anderem mit Heißdampf gereinigt und anschließend neu verfugt. Foto: Nein

Die Spezialisten bürsteten das Mauerwerk ab, reinigten teilweise auch mit Heißdampf. Die Graffiti wurden mit einer speziellen Niederdruck-Wirbelstrahltechnik deutlich reduziert. Auch aus statischen Gründen wurde einiges getan, damit nicht weitere Steine herausbrechen können. Teilweise wurden neue Steine eingesetzt. Ein grün schimmerndes Netz kündigte viele Wochen von den Arbeiten, die an der Stadtmauer erfolgten.

Viele Jahre lang führte die Stadtmauer - besser: die Reste, die noch vorhanden sind - ein Mauerblümchen-Dasein: Weil große Teile von ihr seit den 1850er Jahre systematisch beseitigt wurden, interessierte sich kaum jemand richtig dafür. Mitglieder des Bürgerverein Mönchengladbach erinnerten an sie, ließen ein Schild gestalten, auf der ihr Verlauf eingraviert ist. Diese Tafel hängt heute am Dicken Turm. Pongs und Wolfsberger haben sich in ihrem Buch besonders mit den ehemaligen Stadttürmen beschäftigt. Und sie fanden heraus, dass die Mauer einen Turm mehr hatte - er war in Vergessenheit geraten.

(RP)
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