Karnevalisten in Mönchengladbach zeichnen Sparkassen-Chef Hartmut Wnuck aus

Verleihung der Goldenen Narrenpritsche : Karnevalisten zeichnen „ne eschte Koschebroker“ aus

Die Goldene Pritsche ist die höchste Auszeichnung der Mönchengladbacher Karnevalisten. Sie dient der Verteidigung – vor allem des Humors. Die Reihe der prominenten Pritschenträger ist lang. Jetzt kam ein weiterer hinzu.

Dass der Chef der Mönchengladbacher Stadtsparkasse zwei komplett unterschiedliche Seiten hat, weiß jeder, der im Karneval unterwegs ist: So adrett, sachlich und seriös Hartmut Wnuck tagsüber in seinem Beruf auftritt, so wunderbar selbstironisch und auch – das darf an dieser Stelle erlaubt sein – bekloppt macht er sich, wenn er in der prominent besetzten Riege der Pulvermeister beim Generalappell der Gladbacher Prinzengarde auf der Bühne steht. Ob Nana Mouskouri, Vicky Leandros oder Kapitän Kork aus dem „(T)Raumschiff surprise“ – Wnuck füllt jede Rolle in Perfektion und vor allem unglaublich witzig.

Den Karneval trägt er quasi von Geburt an tief in seinem Herzen, hat sogar, wie man hört mit einem gewissen Erfolg, versucht, diese besondere Form des rheinischen Frohsinns in seinem mehrere Jahre dauernden westfälischen Exil zu implementieren. Zu Recht wurde er jetzt im Rathaus Abtei mit der höchsten Auszeichnung des Mönchengladbacher Karnevalsverbands (MKV) ausgezeichnet: der Goldenen Narrenpritsche.

SPD-Chefin Gülistan Yüksel mit dem Unternehmer Heinz Schmidt. Foto: Denisa Richters

Laudator war der Unternehmer und Clean-up-MG-Gründer Eugen Viehof, Wnucks Vorgänger in der langen Reihe prominenter Pritschenträger. Und das war ein Glück für die geladenen Gäste, denn Viehof, wie der Sparkassenchef „ne eschte Koschebroker“ (Korschenbroicher), skizzierte den Geehrten nicht nur auf kurzweilige, witzige und sympathische Art, sondern verriet auch manches, was noch kaum jemand wusste: Dass er dem kleinen Bruder nachts die Decke wegzog oder schwarze Schneebälle an weiße Hausfassaden warf. Das Publikum staunte. Zumindest Letzteres dürfte zum Glück verjährt sein.

Beigeordnete Dörte Schall, Borussia-Präsident Rolf Königs und Bürgermeister Michael Schroeren (r.). Foto: Denisa Richters

Doch Viehof hatte gut recherchiert und noch mehr Anekdoten auf Lager: Wnuck sei „Mitglied der Korschenbroicher Kreidler-Gang“ gewesen, einer Art Hells Angels, Treffpunkt nahe der Eisbar. Betrunken sei man in jungen Jahren schon mal in die Triet gefallen, „einen reißenden Fluss“, der tatsächlich ein Bächlein ist. „Wir haben überlebt, es hat uns gestählt“, so Viehof schmunzelnd. Zur Brautschau sei Wnuck zunächst nach Ohler „ins feindliche Gladbach“ gegangen, seine große Liebe habe er schließlich aber viel näher gefunden: Auf der Kirmes zu Unges Pengste, „vermutlich auf der Raupe“ habe Wnuck jenes „Herrenshoffer Mädchen“ namens Margret getroffen, mit dem er nun seit 50 Jahren zusammen ist. Viehof skizzierte Wnucks Karriere, seine Rolle als Exportweltmeister rheinischen Humors, seine Leidenschaft für quadratische Schokolade, italienische Schuhe und den Blick in den „extragroßen Spiegel“.

RP-Karikaturist Nik Ebert mit seiner Frau Halina (links), der früheren OB Monika Bartsch und SPD-Fraktionschef Felix Heinrichs. Foto: Denisa Richters

Der Geehrte freute sich über den Ritt durch „die wilden Jahre in Korschenbroich“ und wusste gut zu kontern: „Da gibt man sich in Europa so viel Mühe mit der Datenschutzverordnung – und dann diese höchstpersönlichen Daten.“ In Viehof stecke ein Karnevalstalent, räumte Wnuck ein und zollte den Helfern im Hintergrund des Brauchtums höchsten Respekt.

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