Mönchengladbach: Bund will JHQ an Stadt verkaufen

Mönchengladbach : Bund will JHQ an Stadt verkaufen

Das Verhältnis zwischen Stadt und Bundesanstalt wird zunehmend frostig: Die Verwaltung hat kurzfristig den B-Plan für die Niederrheinkaserne gestoppt.

Das JHQ und die Niederrheinkaserne sind zwei ganz unterschiedliche Brachen, bei denen sich aber dieselben Verhandlungspartner gegenüberstehen - und im Moment nicht miteinander weiterkommen. Die Stadt möchte Konzertveranstalter Marek Lieberberg eine neue Heimat für sein "Rock am Ring"-Festival im JHQ bieten. Dafür müsste die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), der das Gelände gehört, dieses an Lieberberg verpachten. Die Bima hat stattdessen nach RP-Informationen vorgeschlagen, dass die Stadt das ganze Areal kauft und selbst an Lieberberg vermietet. "Das können die nicht wirklich ernst meinen", ist noch die freundlichste Umschreibung, die man dazu in der Stadtverwaltung hören kann.

Zwar ist ein Kauf durch die Stadt generell eine Option. Bloß hat der eine Reihe von Risiken, die sich prinzipiell auch kalkulieren lassen, nur eben nicht von jetzt auf gleich. Und wenn Lieberberg eines nicht hat, dann ist es Zeit. Er hat die ursprünglich für Mitte August avisierte Entscheidung, wo sein Festival künftig sein wird, auf Anfang September verschoben. So schnell lassen sich nicht seriös alle notwendigen Daten für einen Kauf zusammentragen. Rund 40 Millionen Euro soll alleine der Abriss der Gebäude kosten, die noch auf dem 420 Hektar großen Areal steent. Welche weiteren Kosten kämen zum Beispiel auf die Stadt zu, um das Gelände vor Vandalismus zu schützen? Welche Nutzungen erlaubt die Bezirksregierung verlässlich? So etwas zu ermitteln und dann in Verhandlungen über einen Kaufpreis einzutreten, dauert Monate. Die Bima hatte sich in einem Kooperationsvertrag verpflichtet, gemeinsam mit der Stadt die Zukunft des JHQ zu gestalten. Im Moment haben viele Verantwortliche in Mönchengladbachnicht den Eindruck, dass sich die Bima an diese Vereinbarung hält.

Und es gibt noch mehr Streitpunkte mit der Bima, unter anderem die Engländer-Häuser an der Lilienthalstraße. Die frühere Niederrheinkaserne an der Kaldenkirchener Straße versucht der Bund seit fast zehn Jahren vergeblich zu verkaufen. Die Stadt hat potenzielle Interessenten besorgt - zum Beispiel ein Abschlepp-Unternehmen aus der Region - und einen Bebauungsplan auf den Weg gebracht. Verabschiedet wird der Aufstellungsbeschluss aber nicht. Das stoppte nach Informationen der RP Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners persönlich. Eigentlich stand dieser Plan gestern auf der Tagesordnung in der Bezirksvertretung Nord. In dieser angespannten Gesamtlage will die Stadt der Bima offenbar nicht das Feld bestellen.

(RP)
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