Leser sprechen mit der Chefredaktion

Aktion in Mettmann : Leser sprechen mit der Chefredaktion

Verkehr, Klimaschutz, Radfahren und mehr bio – das waren Themen der Leser am RP-Stand auf dem Blotschenmarkt.

Eigentlich ist Otto Grochtdreis ja nur auf Stippvisite in Mettmann. Denn es scheint, dass der Aktivist mittlerweile viel häufiger in Düsseldorf ist, als in seiner Heimatstadt. Vor dem Landtag hält er regelmäßig Mahnwachen ab, um gegen die Straßenausbaubeiträge zu protestieren. Dort steht er so oft, dass die Menschen, die in dem Gebäude aus- und eingehen, ihn wieder erkennen und schon gefragt haben, „ob ich nicht ein Appartement beziehen möchte“, erzählt er schmunzelnd. Sieben Mahnwachen hat er schon gegen die Gebühren abgehalten, die bei Bürgern eingezogen werden, wenn Kommunen Straßen vor ihrer Haustüre sanieren oder ausbauen. Am 13. Dezember steht die nächste an. Grochtdreis weiß selbst, dass er dabei wohl auf verlorenem Posten steht: „Ich gehe davon aus, dass die Landesregierung die Gesetzesnovellierung durchpeitschen wird.“ Und das heißt: Die Straßenausbaubeiträge werden reduziert, aber nicht abgeschafft.

Die Zwangsgebühren waren nur ein Thema, das bei der Mobilen Chefredaktion besprochen wurde, zu der die Rheinische Post für Freitagabend eingeladen hatte. Einige Passanten schauten sich die Buden an, andere steuerten gezielt den Stand der RP mit der Nummer „12“ an, um ihr Anliegen vortragen zu können. Wie zum Beispiel Ekkehard Wagner. Er fordert, dass die Stadtverwaltung den Beschluss, die Johannes-Flintrop-Straße wieder als „verkehrsberuhigten Geschäftsbereich“ zu öffnen, endlich umsetzt. „Dafür sollten Schilder bestellt werden, doch warum dauert das so lange, das sind doch Standard-Schilder?“, fragt er. Er selbst hat ausgerechnet, dass er aufgrund der Verkehrsberuhigung (Netztrennung) der Innenstadt nun 85 Liter mehr Benzin im Jahr verbrauche. Das mache einen erhöhten Kohlendioxid-Ausstoß von 300 Kilo aus. „Und das nennt sich Umweltschutz?“, fragt er.

Für die Gäste gab’s Popcorn mit Zimtgeschmack vom gelben Nikolaus. Foto: Köhlen, Stephan (teph)

Sein Fahrrad habe er mittlerweile abgeschafft, „weil ich mir nicht einen Platz auf dem Friedhof reservieren wollte“, sagt Wagner – zu gefährlich sei es in Mettmann, per pedes unterwegs zu sein. Das sieht ein Ehepaar anders, das am alkoholfreien Punsch nippt, der von der RP ausgeschenkt wird: „Uns gefällt das sehr gut, dass sie die Durchfahrt am Jubiläumsplatz abgeriegelt haben. Wir sind Radfahrer und wollen das so lassen. Aber die Stadt sollte mal den Jubiläumsplatz verschönern“, sagen sie. „Mehr Grün“ wünschen sie sich dafür.

Alexandra Rüttgen, Verantwortliche Redakteurin, freute sich über die vielen Ideen, die für eine weitere Berichterstattung von den Bürgern kamen. Foto: Köhlen, Stephan (teph)

„Was wünschen Sie sich für das Jahr 2020?“ hatte die RP gefragt, und viele hatten sehr konkrete Vorstellungen. Mehr Transparenz und Kommunikation von der Stadt wünscht sich Monika van der Knaap. Sie findet, dass in Mettmann seit Jahren über die gleichen Anliegen gesprochen wird, sich aber kaum etwas tut. „Die vielen Probleme aus den letzten Jahren wurden immer noch nicht gelöst.“

RP-Mitarbeiterin Danina Esau im Gespräch mit CDU-Fraktionschef Dr. Richard Bley. Foto: Köhlen, Stephan (teph)

Bianca Schmitz würde sich freuen, wenn es in der Stadt mehr Kulturangebote für junge Menschen gäbe. Besonders die After-Work-Parties im „Café del Pastore“ genießt die 23-Jährige sehr, ansonsten sei in Mettmann „eher tote Hose“.

Für die beiden Schülerinnen Charlotte Sonneson und Birte Neumann ist klar: Mehr Angebote für junge Leute wären toll, aber oberste Priorität hat der Klimaschutz. Sie wollen ein umweltfreundlicheres Mettmann, in dem mehr Fahrräder als Autos die Straßen befahren. Außerdem würden sie sich über einen Bio-Supermarkt, einen Second-Hand-Shop und einen Unverpackt-Laden freuen. „Hier gibt es zu viele Billigläden. Man könnte den Platz viel besser nutzen“, sagt die 17-jährige Charlotte.