Mettmanner hält Mahnwache vor Landtag

Mettmann : Mettmanner hält Mahnwache vor Landtag

Otto Grochtdreis protestiert mit seiner Aktion gegen Straßenausbaubeiträge. Am 7. Juni ist im Landtag Anhörung.

 Für den Rentner Otto Grochtdreis läuft diese Woche fast wieder wie der ganz normale Arbeitsalltag. Von Montag an bis einschließlich Donnerstag hat er einen Nine-to-five-Job: Von 9 bis 17 Uhr will er Mahnwache vor dem Düsseldorfer Landtag halten. Grochtdreis, der zugleich Mitglied der Initiative „Mettmann gegen Straßenausbaubeiträge“ ist, will damit auf die Landespolitiker Druck machen. „Die nächste Wahl gewinnt, der gegen Beiträge stimmt“, lautet die Aufschrift auf einem seiner selbst gestalteten Plakate, die er mit Zeichenpappe und Dachlatten aus dem Baumarkt angefertigt hat. Eine andere lautet „Alle fahren! Anlieger zahlen? Nicht mit uns!“ Wechselnde Botschaften hat sich Grochtdreis ausgedacht und mit Edding auf die Zeichenpappe aufgeschrieben, schließlich soll sein Protest nicht eintönig werden.

Der 72-Jährige, ehemals Reha-Berater bei einer Berufsgenossenschaft, ist Anwohner des Düsselrings und damit selbst Betroffener. Zur Erinnerung: Die Stadt Mettmann will den sanierungsbedürftigen Düsselring modernisieren.

Auf einige Anwohner kommen dank der Straßenausbaubeiträge, die eine Kommune in NRW noch verlangen kann, bis zu fünfstellige Zahlungen zu.

Grochtdreis wäre für seine rund acht Frontmeter mit etwa 7000 Euro dabei, hat er ausgerechnet. Allerdings hat die Stadt Mettmann das Verfahren so lange ausgesetzt, bis auf Landesebene über die Zukunft der Straßenausbaubeiträge entschieden ist.

Dass die Bürger für die Finanzierung des Ausbaus von Straßen herangezogen werden, obwohl sie bereits Steuern zahlen, hält der Mettmanner wie viele Tausende anderer für ungerecht: Bei einer Sammlung des Bundes der Steuerzahler, die ihren Ausgang in Mettmann nahm, sind landesweit 457.000 Unterschriften zusammengekommen. Allein in Mettmann waren es 1990, 980 in Erkrath und 690 in Wülfrath. Das berichtet Sprecherin Andrea Defeld. „In NRW brodelt ist. Die Bürger sind einfach nicht mehr bereit, die Zeche zu zahlen“, sagt Grochtdreis.

Für Freitag, 7. Juni, ist nun im Bau- und Verkehrsausschuss des Landtags eine Expertenanhörung zu diesem Thema geplant. Ihre Meinung äußern dann Vertreter kommunaler Spitzenverbände, Bürgermeister und Wissenschaftler. Es ist ein Termin, bei dem jeder Interessierte zuhören darf – und zu dem auch Betroffene aus dem Kreis Mettmann anreisen wollen, weiß Grochtdreis. Allein aus Mettmann rechnet er mit 40 bis 50 Teilnehmern. „Ich habe auch schon von Bürgerinitiativen aus Ostwestfalen gehört, die wollen sich Busse mieten“, erzählt er.

Mit seinen Mahnwachen vor der Anhörung will er den Druck erhöhen. „Ich möchte das Thema in die Bevölkerung reintragen, dass es den Bürgern bewusster wird“, sagt er. „Ich glaube, das ist ein ganz gutes Mittel, auf die Situation aufmerksam zu machen.“ Ehefrau Karina unterstützt ihn dabei. Butterbrote für den Tag muss sie ihm nicht schmieren, denn Grochtdreis ist gut vorbereitet. Er hat schon Kontakt mit dem Landtag aufgenommen und sich angemeldet. „Die sind da sehr kulant“, erzählt er – er darf kostenlos in der Tiefgarage parken und die Kantine nutzen. Mit seinen Plakaten wird er direkt neben dem Eingang stehen, der ist überdacht und bietet Schutz vor Regen. Er will versuchen, mit den Politikern ins Gespräch zu kommen. „Und wir sind guter Hoffnung, noch etwas bewegen zu können“, sagt er mit Blick auf die Mitglieder der Bürgerinitiative, die ihn bei seiner Aktion unterstützen. Grochtdreis selbst ist schon gespannt auf die Reaktionen: „Ich habe gehört, ich muss damit rechnen, mehrmals kontrolliert zu werden von der Polizei. Aber bitte“, sagt er und zuckt mit den Schultern.

Seinen Kampfgeist jedenfalls wird das nicht schmälern: „Ich bin ein 68er, politisch eingestellt war ich schon immer“, sagt er schmunzelnd.

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