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Kreis Mettmann: Reparaturcafés trotzen Wegwerf-Trend

Reparaturcafés trotzen dem Wegwerf-Trend : Zweites Leben für alte Haushaltsgeräte

In Reparaturcafés bringen ehrenamtliche Helfer defekte Geräte wieder in Ordnung und retten sie so vor dem Schrotthaufen.

Oft sind es die kleinen Dinge im Leben, die Menschen besondere Freunde machen. Und bei denen es umso schmerzlicher ist, wenn sie mal nicht mehr funktionieren. So zum Beispiel der alte Milchtopf, den ein Besucher des Hildener Reparaturcafés neulich aus seiner Tüte kramt. Das emaillierte Kochgefäß, das seiner Mutter gehört, leidet an akuter Grifflosigkeit. Der Kunststoffstiel, einzige Haltemöglichkeit für den Topf, hat sich gelöst, weil eine Schraube durchgerostet ist. Nun hätte der Mann seiner Mutter einfach einen neuen Topf kaufen können. Doch das wäre für ihn nur die zweitbeste Lösung gewesen. „Meine Mutter hängt daran, weil er einen so praktischen, spitz zulaufenden Ausguss hat. Heutige Milchtöpfe haben so etwas nicht mehr“, erklärt der Kunde, der seinen Namen nicht preisgeben möchte.

Auch und besonders für solche Fälle haben sich vor einigen Jahren die ersten Reparaturcafés gegründet. Ehrenamtliche Helfer, meist handwerklich versierte Senioren, bieten in der Regel ein- oder zweimal im Monat zu festen Öffnungszeiten an bestimmten Orten ihre Dienste an und bringen defekte Haushaltsgeräte oder andere Gegenstände wieder in Ordnung, die ihren Geist aufgegeben haben und für die eine professionelle Reparatur nicht lohnt oder gar nicht erst angeboten wird. Im Kreis Mettmann gibt es fast in jeder Stadt – außer in Heiligenhaus, Velbert und Monheim – mindestens ein Reparaturcafé (siehe Infokasten)

In Hilden gibt es gleich zwei Standorte, im Jugendhaus und in der Netzwerkstatt. Die Netzwerkstatt am Martin-Luther-Weg 1 liegt zwar etwas versteckt im Untergeschoss eines großen Mehrfamilienhauses, ist dafür aber umfangreich ausgestattet speziell für Holz- und Mechanikreparaturen. Beste Voraussetzungen für den kaputten Milchtopf. Die Helfer Dirk Zschammer, Dieter Lindner und Helmut Albinger, die an diesem Tag „Dienst“ haben, machen sich sogleich an die Arbeit. Einer entfernt die alte Schraube und noch vorhandene Roststellen. Ein anderer sucht aus dem großen Fundus eine neue Schraube mit dazu passender Mutter. Der Zusammenbau ist etwas frickelig, weil die Helfer mit ihrem Werkzeug kaum an die entsprechenden Stellen kommen.

In Langenfeld gibt es das Reparaturcafé seit knapp drei Jahren. Über 1300 Reparaturen wurden dort bisher von den rund 30 Ehrenamtlern durchgeführt, vor allem Radios, Fahrräder und CD-Abspieler. Elektrogroßgeräte werden nicht repariert, auch kommen die Helfer nicht ins Haus – obwohl es jede Woche Anfragen dazu gibt, erzählt Mitgründer Frank Klarmann. Er hat, so wie viele seiner Mitstreiter anderer Reparaturcafés auch, die Erfahrung gemacht, dass sich ältere Geräte leichter reparieren lassen, also neuere. Zum einen waren früher die Schaltplatinen noch nicht so integriert, so dass man auch einmal einen Transistor oder einen einzelnen Widerstand ersetzen konnte. Zum anderen legen die Gerätehersteller den Werkstätten offenbar auch bewusst Steine in den Weg. Klarmann erzählt: „Bei einer Kaffeemaschine mussten wir aufgeben, weil sie keinerlei Verschraubungen zum Öffnen hatte, sondern nur Plastikclips, deren Positionen von außen nicht zu erkennen waren. Es scheint beabsichtigt zu sein, durch ‚Spezial-Schrauben’ oder ‚Plastiknieten’ Reparaturen zu erschweren oder gar unmöglich zu machen.“

Das Repair-Café im Mettmanner Johanneshaus existiert seit einem Jahr. Die dort tätigen fünf Ehrenamtler bekommen meist DVD- und Kassettenrecorder, Lampen und Kaffeemaschinen gebracht. Fahrräder werden dort nicht repariert. „An einem Tag kamen einmal gleich vier Leute mit je einer kaputten Nähmaschine“, berichtet Annette Droste vom Johanneshaus.

In Haan sind 18 Helfer im Einsatz: zehn Reparateure, vier für die Verpflegung der Kunden und vier für die Administration. In dem im März 2016 gestarteten Café musste auch schon einmal ein Spielzeugkarussell repariert werden, eine besonders große Herausforderung. Noch ganz jung ist das Café im Haus der Begegnung in Mettmann. Es wurde erst vor fünf Monaten gegründet, nach zwei Jahren der Vorbereitung.

Für den Milchtopf gibt es ein Happy End. Er kann dem Sohn der Besitzerin wieder in einem Stück übergeben werden. „Da wird sich meine Mutter aber sehr freuen“, sagt der Kunde, während er eine Spende in die Kaffeekasse auf der Werkbank steckt und dankend das Hildener Reparaturcafé verlässt.