Mettmann: Hamlet mit modern arrangierter Musik

Mettmann: Hamlet mit modern arrangierter Musik

Bei der Generalprobe der Projekt-Theatergruppe war erst die Anspannung und dann die Leistung groß. Schirmherr ist der Landrat.

Es ist vollbracht! Die Arbeit an einem Theaterstück, besonders an einem ambitionierten wie der Mettmanner "Hamlet"-Produktion, bedeutet stets, einen kleinen Kreuzweg zu gehen. Es heißt für die Aufführung zu leiden, und die anderen schauen einem dabei noch zu.

Zur großen Überraschung kanalisiert Regisseur Orlando Schenk die quälende Anspannung vor der Generalprobe in britisch inspirierte Lässigkeit. Selbst als der vereinbarte Startzeitpunkt bereits verstrichen ist, zeigt er sich gegenüber den Verzögerungen ausgesprochen nachsichtig.

Als alle endgültig auf Position sind, gibt Dirigent und Komponist Tobias van de Locht den Auftakt zur Ouvertüre. Auch er gibt sich entspannt, steht in weißen Leinenschuhen vor dem NRW Brass-Ensemble und macht damit klar, dass die Welt heute lässig zugrunde gehen soll.

Die musikalische Einleitung erinnert an die aus "Jesus Christ Superstar" bekannten Signalgebungen. Wie die Fanfaren von Jericho wabern die Blechklänge zum Triumph auf und lassen Fatales erahnen. Dazu passt, dass van de Lochts Hand mit dem Dirigentenstab immer wieder aus dem tiefen Orchestergraben auftaucht, wie die Fackel einer im Hudson River versinkenden Freiheitsstatue. Die Musik ist nicht revolutionär, aber modern arrangiert und vor allen Dingen unaufdringlich, so dass das Schauspiel im Vordergrund bleibt.

  • Vielfältige Theaterformen waren bei den Marxloher
    Marxloher Theatertage : Hamlet im Duisburger Norden

Nur beim Auftritt des Geistes des ermordeten Königs fährt ein Trompetenstoß in Mark und Bein. Dargestellt von Daniel Wandelt, verdichtet sich in dieser Gestalt die gesamte Inszenierung prägende Mischung aus ernsthafter Urgewalt und ins humorige reichender Überzeichnung. Typisch für diese Tragödie ist der Auftritt einer Garde von antichambrierenden Intriganten wie Kanzler Polonius und Hamlets Scheinfreunde Güldenstein und Rosenkranz. Ihr Treiben wird jäh unterbrochen durch einen wild entschlossenen Mettmanner Hamlet, der mit hurrikanstarker Geschwindigkeit im Radikalenchic samt Fallschirmspringerstiefeln über die Bühne fegt. Man wird sich einig sein, der Auftritt von Marc-Oliver Teschke krönt die Aufführung und wird sich ins Gedächtnis der Zuschauer brennen.

In seiner Dynamik unterstützt wird der zynische Wirbelwind durch die mobilen Elemente des Bühnenbauteams Sabine Brock und Michael Dekker.

Zwar wirken die Podeste wie improvisierte Skaterrampen im Bauhaus-Stil, und zwar Obi und nicht Dessau, und die spitzen Stellen wie aus javanesischen Fischerbooten gesägte Wohnzimmervitrinen. Aber das skulpturale Etwas im Hintergrund ersetzt innovativ den klassischen Totenschädel, indem es auf die Struktur eines gigantischen Tierskeletts verweist.

Zu bestaunen gibt es bei der Aufführung auch tolle Frauen. Melissa Pohlmann wird als Ophelia arg malträtiert und trägt mit Sicherheit blaue Flecken davon. Dabei hatte sie doch versprochen, brav zu sein: "Ich werde gehorchen, Vater." So muss sie sirenenhaft ihren schönen Liebestod sterben.

(lard)