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Meerbusch: Lanker kämpfen um Prozession

Meerbusch : Lanker kämpfen um Prozession

Die Fronleichnamsprozession in Lank-Latum findet nur noch in ungeraden Jahren statt. Dabei sind die Menschen seit der Abwehr eines Überfalls evangelischer Söldner aus Moers vor 400 Jahren besonders stolz auf ihre Tradition.

Anfang des 17. Jahrhunderts haben Söldner des evangelischen Grafen von Moers versucht, die Fronleichnamsprozession in Lank-Latum zu stören und zu unterbinden. Das ist ihnen trotz des Einsatzes von Waffen und Fäusten nicht gelungen. Dass der Bischof von Aachen gleichsam mit einem Federstrich gut 400 Jahre später den Grund dafür liefern sollte, dass diese Tradition in Meerbuschs Norden ausgedünnt werden sollte, wagte in der Vergangenheit niemand zu denken. Der Bischof verfügte den Zusammenschluss zu einer Gemeinschaft der Gemeinden — der neuen Pfarre St. Hildegundis von Meer.

Als Folge der Fusion ist es jetzt soweit: Die Fronleichnamsprozessionen in Lank-Latum finden nur noch in ungeraden Jahren statt, in denen die St. Sebastianus-Bruderschaft im Ort ihr Schützenfest feiert. Das hat der Pfarrgemeinderat jetzt mit großer Stimmenmehrheit beschlossen. In den geraden Jahren soll Osterath oder eine kleine Gemeinde die Fronleichnamsprozession ausrichten.

Die Katholiken und die Brauchtumsfreunde in Lank-Latum können sich mit der Neuerung noch nicht so recht anfreunden. Die Marine-Kompanie zum Beispiel kündigte im Internet auf ihrer Seite gestern noch eine Prozession in Lank-Latum an. Und der Auftritt der Kirchengemeinde St. Stephanus Lank-Latum im weltweiten Netz weist ausdrücklich darauf hin, dass es im Ort in diesem Jahr "keine Fronleichnamsprozession" gebe.

Warum liegt den Lank-Latumern so sehr daran, dass die Zukunft dieses Hochfestes im Kirchenjahr der katholischen Kirche, an dem sie die leibliche Gegenwart Jesu Christi im Sakrament der Eucharistie feiern, gesichert wird? Etwa im Jahr 1608, zu einer Zeit als in Lank-Latum fast ausschließlich Katholiken lebten, begleiteten Schützen die Fronleichnamsprozession vorbei an üppig geschmückten Blütenteppichen und Hausaltären. Etwa 20 berittene Söldner aus Moers überfielen die Gläubigen. Doch sie hatten die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Die Schützen setzten sich zur Wehr, drehten den Spieß um, schlugen die Söldner in die Flucht, verfolgten sie und kamen mit dm Hauptmann als Gefangenen nach Lank-Latum zurück. Die hünenhaften Brüder Kreuels aus Bösinghoven taten sich dabei besonders hervor.

Nachdem der Hauptmann sein Versprechen gegeben haben soll, die Prozession in Zukunft unbehelligt zu lassen und keinen Schritt mehr in den Ort zu machen, durfte er zurück nach Moers ziehen. Bis heute symbolisiert die Brennnesselschlacht am Kaldenberg zum Schützenfest diese historische Begebenheit.

Als Dank an die Brüder Kreuels durften die Bösinghovener St. Pankratius-Schützen seit dem Überfall noch vor den Lank-Latumern die Prozession anführen — was sie mindestens bis ins Jahr 1970 auch taten. Heimatforscher Theo Haefs entdeckte im Juni 2009 entsprechende Belege, die das beweisen.

Mit dem Kompromiss des Pfarrgemeinderats lasse sich noch leben, äußern die Schützen hinter vorgehaltener Hand — zufrieden sind sie mit der Entscheidung nicht.

(RP/rl)