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Meerbusch: Beratungsstelle in Gefahr

Meerbusch : Beratungsstelle in Gefahr

Die Stadt will den Zuschuss für die einzige Schwangerschaftsberatungsstelle in Meerbusch komplett streichen. In der Umgebung gebe es mehr als genug Angebote, heißt es. Entscheidung fällt im September.

Büderich Pfarrer Wilfried Pahlke und Psychologe Jan Wolf haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Der Geistliche aus Meerbusch kämpft seit Februar gegen die Schließung der einzigen Stelle für Schwangerschaftsberatung in Meerbusch — und die einzige mit evangelischem Hintergrund im gesamten Rhein-Kreis Neuss. Eine Entscheidung soll nun erst in der Sitzung des Sozialausschusses der Stadt am Mittwoch, 19. September, fallen. Bis dahin läuft die Gnadenfrist.

Die Stadtverwaltung will zum Ende des Jahres die Förderung der Diakonieeinrichtung in Büderich mit etwa 7700 Euro pro Jahr stoppen. Auch der Verein "Frauen beraten/donum vitae" in Neuss muss dann auf rund 2300 Euro verzichten. Grund sei nicht etwa die Höhe der finanziellen Aufwendung, sondern vielmehr ein komfortables Angebot an Beratungsstellen in akzeptabler Entfernung von Meerbusch.

Im Radius von zehn Kilometern existierten acht Beratungsstellen, im Kreis von 20 Kilometern sogar 28, informierte Peter Annacker die Kommunalpolitiker. Nach Meinung von Sozialdezernentin Angelika Mielke-Westerlage spiele der Wunsch, anonym eine Beratungsstelle aufsuchen zu können, eine immer größer werdende Rolle. Insofern falle es aus Sicht Meerbuscher Betroffener kaum negativ ins Gewicht, wenn es vor Ort kein Angebot mehr gebe.

Politisch zeichnet sich für diese Haltung eine Mehrheit ab. Vor allem Pahlke als beratendes Mitglied und Jörg Wartchow (CDU) haben ihre Bedenken. In einem Schreiben formulierte Diplom-Psychologe Jan Wolf, Leiter der Beratungsstellen der Diakonie Krefeld Viersen, als Träger der Einrichtung in Büderich seine Bedenken und Konsequenzen.

Ohne den städtischen Zuschuss sei das Angebot der Diakonie in Meerbusch nicht aufrecht zu erhalten. Die öffentliche Sprechstunde dienstags von 10.30 bis 12.30 Uhr sei im vergangenen Jahr von 42 Ratsuchenden genutzt worden. Für Meerbuscherinnen konnten die Mitarbeiter 14 Beihilfen (etwa für die Baby-Erstausstattung) vermittelt werden.

Annacker relativiert und erklärt, bei durchschnittlich rund 450 Geburten im Jahr sei der Anteil recht gering. Die tatsächliche Konfliktberatung finde nach seinen Informationen in der Regel bei der Einrichtung des Kreisgesundheitsamts des Rhein-Kreises Neuss statt. Und den sieht Annacker auch in der Pflicht, wenn es um die Frage geht, ob in Meerbusch ein Angebot eröffnet werden solle.

(RP)