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Meerbusch: Ex-Eigentümerin bedauert Fährhaus-Aus

Meerbusch : Ex-Eigentümerin bedauert Fährhaus-Aus

16 Jahre lang betrieben Ingrid Kleb und ihr Ehemann Heinrich das Ausflugsziel direkt am Rhein. Sie bauten die Gaststätte sogar um, so dass sie gleich darüber wohnen konnten. Was nun mit dem Gebäude passiert, sei eine Schande, sagt sie

Ingrid Kleb wollte an diesem Morgen nicht glauben, was sie in der Zeitung las. Das "Langster Fährhaus" vor dem Aus? "Wie kann das möglich sein?", fragte sich die 70-Jährige, warum das Lokal seit dem 1. Januar geschlossen ist. "Ich war verblüfft, wie es so weit kommen konnte." Sie weiß es noch immer nicht. "Ich verstehe nicht, warum ein Eigentümer nicht in dieses Gebäude investiert", meint sie. Und sie weiß, wovon sie spricht.

Im März 1966 übernahmen sie und Heinrich Kleb das "Fährhaus". Ihr Mann arbeitete schon in den Jahren zuvor in der Gaststätte, nun taten sie es als Eigentümer gemeinsam. "Wir haben die Küche und das Buffet geschmissen, die Gäste am Tresen und an den Tischen bedient."

Das Geschäft lief gut. "Zum ,Fährhaus' kam jeder: Familien mit Kindern, Wandervereine, Radfahrer, Ruderer und Paddler", erinnert sie sich. Es gab Kaffee und Kuchen, deftiges Rührei, Bier. "Jeder konnte sich das leisten, was wir angeboten haben", sagt Ingrid Kleb.

Dass die Menschen in Scharen zum Ausflugsziel am Rhein strömten, war schon in den Jahrzehnten zuvor völlig normal. Im Volksmund hieß die Gaststätte "Haseberta" oder "Hasenhütte" — benannt nach Berta de Haas und Hermann Hütten, die das Lokal lange führten. "Vor und nach dem Ersten Weltkrieg war die Wirtin eine bekannte Persönlichkeit für viele Besucher entlang des Rheinstroms", berichtet Franz-Josef Radmacher vom Heimatkreis Lank in der Zeitschrift "Dä Bott". Berta war die Tochter des Fährmanns Friedrich de Haas, der bis 1889 Pächter der Fähre war.

Dass es heute Probleme mit dem Zustand des Gebäudes gibt, glaubt Ingrid Kleb gerne. "Architekten und Statiker haben für uns damals schon das Haus untersucht. Sie sagten, dass das Holz des alten Fachwerkhauses nicht mehr in Ordnung sei. Es war wohl einsturzgefährdet." Daraufhin entschieden sie sich, das Haus binnen drei Monaten im Herbst 1968 neu zu bauen. Nur der höchste Part des Komplexes blieb erhalten. Über der neuen Gaststätte mit Platz für 60 Personen richteten die Klebs im ersten Geschoss ihre Wohnung mit Blick auf den Fluss ein. "Das Panorama auf der anderen Rheinseite war fantastisch, die Lage wunderbar", schwärmt sie. "Wir haben investiert, weil wir wussten, dass wir das Geld durch die Massen an Besuchern zwischen April und Oktober reinbekommen."

Während sie erzählt, blättert sie in den Fotos, die ihr aus der Zeit geblieben sind. Zwischen der Gaststätte und dem Rhein stehen die Zelte der Camper. Im Kaffeegarten spielt eine Blaskapelle beim sonntäglichen Frühschoppen. Pärchen sitzen auf der Terrasse und schauen auf den Rhein. 1982 verkauften die Klebs das Lokal, da Heinrich Kleb gesundheitlich angeschlagen war.

"Im vergangenen Jahr habe ich dort meinen Geburtstag gefeiert", sagt sie. "Ich bin froh, dass ich mit meiner Familie da war." Denn sie weiß nicht, ob sie noch einmal die Chance bekommen wird, Gast im "Fährhaus" zu sein. "Das Haus hat einen guten Namen, Menschen aus Düsseldorf, Krefeld, Neuss und der weiteren Region verbinden Langst-Kierst mit dieser Gaststätte", meint Ingrid Kleb. "Es wäre eine Schande, wenn sie nie wieder öffnen würde."

(RP/ila)