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Meerbusch: Entscheidender Ortstermin im Hallenbad

Meerbusch : Entscheidender Ortstermin im Hallenbad

In wenigen Monaten werden die Politiker über die Sanierung des Hallenbades oder einen Neubau entscheiden. Dazu wollen sie sich neue und sanierte Bäder anschauen. Der Tour-Auftakt führte zum unsanierten Bad nach Büderich

Meerbuschs Politiker haben sich gestern vor Ort von den sanierungsbedürftigen Stellen des Büdericher Hallenbades überzeugt – aber auch die Vorteile des 1966 gebauten Schwimmbades in Augenschein genommen. Seit rund drei Jahren ringt die Politik mit sich, ob das Schwimmbad mit seiner veralteten Technik saniert wird oder durch einen Neubau abgelöst werden soll. Zuletzt im September sollte im Sportausschuss die Entscheidung fallen – die Politiker vertagten sie jedoch, wollten sich zuvor so genannte Smartbäder in der Umgebung anschauen. Auch ein saniertes Hallenbad in Essen soll begutachtet werden.

Verrostete Technik: Die Schrauben der Umwälzpumpe bedürfen dringend der Erneuerung. Foto: Dackweiler, Ulli (ud)

Heute wird die Tour zu Bädern nach Erkelenz, Kerpen und Simmerath führen. Gestern besichtigten die Volksvertreter bereits das Stadtbad in Fischeln, schauten sich zuvor im Büdericher Hallenbad um. Fachbereichsleiter Claus Klein zeigte den Politikern die Schwachstellen: "Hier im Heizungskeller haben wir drei Heizkessel, die allerdings weder mit der Lüftungsanlage noch mit der Wasseraufbereitung kommunizieren. Die Anlage arbeitet völlig ineffizient." Die Warmwasseraufbereitung berge Legionellengefahr – "trotz UV-Strahlern lässt sich das nicht hundertprozentig ausschließen". Nur eine Verlegung des Leitungsnetzes würde tatsächlich Abhilfe schaffen.

Alte Technik: In heutigen Bädern reicht die Wasseroberkante bis an den Boden; das erleichtert die Umwälzung. Foto: Dackweiler, Ulli (ud)

Problematisch sei auch die Lüftungsanlage für die große Schwimmhalle. "Die ist gerade wieder dabei, auszufallen." Und verfügt nicht über eine Anlage zur Wärmerückgewinnung. Immer wieder undicht ist der so genannte Schwallwasserbehälter im Keller. Er nimmt das 28 Grad warme Wasser auf, das aus dem Becken überläuft. Weil er nicht abgedeckt ist, vergeudet auch er Energie.

Bis unters undichte Dach – einmal drang Wasser in die Elektroverteilung, ein anderes Mal fand sich Wasser in der Zentrale der Sicherheitsbeleuchtung – kommen die Politiker bei ihrem knapp einstündigen Rundgang nicht. "Die Sanierungsarbeiten werden jetzt gerade ausgeschrieben, sollen im Frühjahr beginnen", sagt Klein. Und auch eine Brandmeldeanlage für den Keller soll jetzt zügig eingebaut werden; dass sie nicht vorhanden ist, wurde bereits vor Jahren in einem Gutachten kritisiert.

Freilich: Es ist nicht alles schlecht. "Die Substanz des Gebäudes selbst ist gesund", betont Klein. Sportdezernentin Angelika Mielke-Westerlage zeigt pfiffige Details: So ist die Loge des Bademeisters so angeordnet, dass er zugleich das Warmwasserbecken und das Sportbecken im Blick hat – das spart Personalkosten. An ihren Besuch im Hallenbad schließen die Politiker auch eine Begehung der Physiotherapiepraxis Holterbosch an, die sich ebenfalls im Schwimmbad befindet. "Wir profitieren von dem Standort", sagt der Firmenchef – und bittet die Politiker vor allem um eins: "Dass möglichst bald für uns eine verlässliche Entscheidung steht."

In der Diskussion bisher hatte sich eine Mehrheit für einen Neubau abgezeichnet. Sowohl SPD als auch Grüne und FDP fanden diese Variante überdenkenswert: Das Hallenbad in Büderich wird abgerissen (voraussichtliche Kosten: 0,3 Millionen Euro), das Gelände als Bauland verkauft (erwartete Einnahmen: 3,3 Millionen Euro), in Strümp wird das neue Smartbad gebaut (Kosten: 4 bis 5 Millionen Euro) und möglicherweise von den Wirtschaftsbetrieben WBM betrieben. Das hätte steuerliche Vorteile. Kosten unterm Strich: 2 Millionen Euro.

Allerdings: Grundstückskosten in Strümp sind in dieser Rechnung nicht drin. Und: In einem Schwimmbad für fünf Millionen Euro wird es gewiss kein Warmwasserbecken und keinen Fünf-Meter-Sprungturm mehr geben. Gerade das Warmwasserbecken mit seinen Massagedüsen aber sei wichtig und bei vielen Senioren betont Andreas Heumann (CDU).

Eine Kernsanierung des Hallenbades würde 5,5 Millionen Euro kosten. Dadurch könnten jährlich 50 000 Euro Betriebskosten eingespart werden. Das Bad müsste dann allerdings etwa 14 Monate lang geschlossen werden.

(RP)