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Meerbusch: "Dunkelheit nein danke"

Meerbusch : "Dunkelheit nein danke"

RP-Leser diskutierten im voll besetzten Buch- und Kunstkabinett Konrad Mönter über die Frage "Wie sicher ist Meerbusch?". Viele haben für nachts ausgeschaltete Straßenbeleuchtung kein Verständnis.

Nur wenige Sekunden benötigte der Mann mit seinem kräftigen Schraubenzieher, um das stabil wirkende Fenster mit Gewalt zu öffnen. Die Besucher der RP-Moment-Mal-Aktion "Wie sicher ist Meerbusch?" im voll besetzten Buch- und Kunstkabinett Konrad Mönter in Osterath staunten nicht schlecht. Wer solch eine Demonstration noch nicht gesehen hat, kann sich kaum vorstellen, wie leicht es Einbrechern fällt, nicht ausreichend gesicherte Türen und Fenster bei ihren kriminellen Streifzügen aufzubrechen.

Polizeidirektor Hans-Werner Winkelmann bestätigte, dass Meerbusch für Einbrecher die höchste Attraktivität im gesamten Rhein-Kreis Neuss besitze. Allerdings scheinen die Meerbuscher daraus schon ihre ganz persönlichen Konsequenzen gezogen zu haben. In vielen Wohnungen und Häuser sei es für Kriminelle nicht mehr möglich, schnell zum Erfolg zu kommen. In 112 Fällen von 268 Einbrüchen im Jahr 2010 blieb es beim Versuch. Die Täter suchten das Weite. "Zeit ist für sie ein wichtiger Faktor. Wer in maximal drei Minuten nicht in die Wohnung eindringen kann, sucht sich ein anderes Ziel", beschreibt Winkelmann die Vorgehensweise der Einbrecher.

Einige Besucher mochten sich mit solchen Relativierungen nicht anfreunden. Ein älterer Herr aus Strümp empfindet auch 15 Jahre nach einem Einbruch in sein Haus noch Angst, wenn er nach einer Abwesenheit seine Räume betritt. Das sei durchaus typisch, hakte Günter Ilsen vom Weißen Ring Opferschutz ein. Der inzwischen pensionierte Polizeibeamte kritisierte offen die Haltung der Stadt Meerbusch, die offenbar keine Rücksicht auf das "subjektive Sicherheitsempfinden" ihrer Bürger nehme. Dass die Kommune aus finanziellen Gründen werktags in der Zeit von 1.30 bis 4 Uhr die Straßenbeleuchtung ausstelle, rette den Haushalt nicht wirklich.

Mit dem Ausschalten der Straßenlaternen war ein wunder Punkt der Meerbuscher getroffen. Bürgermeister Dieter Spindler mühte sich, einen Zusammenhang zwischen vermehrter Kriminalität wie Brandstiftungs- und Einbruchsserie und ausgeschalteten Straßenlampen zu verneinen. "Die Brandstiftungen waren stets am Wochenende und dann sind die Straßen beleuchtet", sagt er. Ferner habe sich die Zahl der Einbrüche tagsüber vervierfacht und die für des nachts nur verdoppelt.

Peter Feldbrügge von der Deutschen Polizeigewerkschaft entgegnete trocken, dass ein Zivilbeamter, der nachts in seinem Auto sitze und eine Straße observiere, im Dunkeln auch keinen potenziellen Täter oder ein verdächtiges Vorgehen erkennen könne.

Der Lank-Latumer Dr. Erich Braun ist sich sicher, dass es außerhalb des Stadtrates keinen Menschen in Meerbusch gebe, der das Ausschalten der Straßenbeleuchtung gut finde.

Christian Staudinger-Napp von der Unabhängigen Wählergemeinschaft kündigte an, dass seine Fraktion einen Antrag stellen werde, den aus dem Jahr 2005 stammenden Beschluss, das Licht auszuschalten, aufzuheben.

Hier geht es zur Bilderstrecke: 16.4.2011: Brandserie in Meerbusch am frühen Samstagmorgen

(RP)