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Meerbusch: Berliner Mauer schwebt ein

Meerbusch : Berliner Mauer schwebt ein

Meerbusch hat jetzt auch ein Mauer-Mahnmal: Zwei Stücke der einstigen DDR-Grenzbefestigung aus der Nähe des Potsdamer Platzes wurden gestern auf dem Schulhof des Meerbusch-Gymnasiums aufgestellt.

STRÜMP Betonstaub weht über den Schulhof, als der Kran die tonnenschweren Mauersegmente zentimetergenau in Position manövriert. Unter den Augen von mehreren hundert Schülern brachte eine Spezialfirma gestern zwei Originalstücke der Berliner Mauer aufs Gelände des Meerbusch-Gymnasiums. Die historischen Relikte aus der Nähe des Potsdamer Platzes sind ein Geschenk des Düsseldorfer Augenarztes Dr. Joachim Zeitz.

Der Mediziner war gestern dabei und sichtlich bewegt, als nach erfolgreichem Abstellen des zweiten Mauerteils um 11.40 Uhr spontaner Applaus der Schüler und Lehrer aufbrandete. "Ein tolles Gefühl", sagt Zeitz. "Meine beiden Söhne waren so alt wie viele der Kinder hier, als die Mauer fiel". Als er 1992 in der Zeitung las, dass Stücke der Berliner Mauer zum Verkauf stehen, fuhr er – auch auf Drängen seiner Söhne – direkt nach Berlin und erstand die Betonsegmente der einstigen Zonengrenze. Sie sind übrigens von dem bekannten Mauerkünstler Thierry Noir bemalt worden. Jahrelang standen sie auf dem Parkplatz eines Heerdter Firmengeländes. Nachdem Dr. Zeitz der Stadt Meerbusch die Segmente als Geschenk angeboten hatte, bewarb sich Schulleiter Ulrich Keusen mit dem Strümper Gymnasium als Standort. Der Kulturausschuss stimmte zu.

"Die Schüler hier waren noch nicht geboren, als die Mauer fiel. Die damaligen Ereignisse kennen sie nur vom Hörensagen und aus dem Fernsehen. Wer von ihnen weiß wohl, was Mauerspechte waren?", fragt Zeitz. Er hofft, dass die Gymnasiasten durch sein Geschenk in Zukunft ganz anschaulich an die Zeit der Deutschen Teilung und ihre Überwindung durch die friedliche Revolution 1989 in der DDR erinnert werden.

Eine Tafel am Fuß der Mauerstücke soll den historischen Hintergrund erläutern. An der Formulierung wollen Schule und Politik gemeinsam feilen.

Schulleiter Keusen unterstreicht, dass der Standort am Rand des Schulhofs nicht nur für die Gymnasiasten sichtbar sein soll. Auch von der künftigen Kreisstraße 9n, die südlich des Gymnasiums verlaufen soll, wäre das Mahnmal gut zu sehen (allerdings "nur" die unbemalte Rückseite).

Um seinen Schülern die Teilnahme an der etwa halbstündigen Aufstellung zu ermöglichen, hatte Keusen extra den Pausengong abstellen lassen. Die offizielle Einweihung der Mauerteile soll nun am 23. Mai erfolgen.

(RP)