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Meerbusch: Verbotene Liebe im Dritten Reich

Meerbusch : Verbotene Liebe im Dritten Reich

Das Puppentheater Seifenblasen zeigt eine traurige Liebeskomödie für Erwachsene und Jugendliche. Die Premiere des Stücks über eine homosexuelle Beziehung im Dritten Reich findet morgen im Forum Wasserturm statt.

Ein deutscher Junge müsse lernen, sich einzufügen und eigene Bedürfnisse zurückzustellen. Mit dieser Geisteshaltung seines Vaters wuchs der kleine Hannes zur Zeit des Nationalsozialismus auf. Der zarte Junge ist die Hauptfigur einer traurigen Liebeskomödie für Erwachsene und Jugendliche, die morgen ab 20 Uhr im Forum Wasserturm in Lank-Latum an der Rheinstraße 10 Premiere feiert.

Die Idee für das Stück hatte Elke Schmidt aus Lank-Latum. Mehr als ein Jahr lang hat die Puppenspielerin an der Parallelgeschichte gearbeitet – zwei Handlungsstränge, eine Aufführung. Die Geschichte beginnt in einer Bombennacht 1943. Frau Schumann (Elke Schmidt) erinnert sich an ihren Sohn Hannes, der nur 16 Jahre alt geworden war. In der Schule hatte er an den Vorbereitungen und der Aufführung des Stücks Pyramus und Thisbe mitgewirkt. Motive der Geschichte wurden von William Shakespeare in seinem Theaterstück "Romeo und Julia" als Tragödie, in "Ein Sommernachtstraum" als Parodie verarbeitet.

Hannes spielte Pyramus und sein Freund Paul die Thisbe. Und plötzlich begannen Leben und Spiel sich miteinander zu verflechten. Aus Spaß wurde Ernst, aus Freundschaft wurde Liebe zwischen Jugendlichen in der Zeit des braunen Terrors.

"Das Thema ist auch heute bei aller vordergründiger Toleranz noch sehr aktuell", sagt Elke Schmidt, die außer der Rolle der Mutter mit Klappmaul-, Tisch- und Handfiguren auch die übrigen Charaktere verkörpert. Zwei Tests in Meerbusch und Pulheim sind bereits gelaufen, die Feinabstimmung erfolgte bei einem Aufenthalt zu Ostern in der Eifel. Jetzt sei alles auf den Punkt gebracht, sagt der Lank-Latumer Christian Schweiger vom Puppentheater Seifenblasen.

Barbara Bredelin und Ulli Wetter vom Verein Wasserturm kennen die Handlung, waren bei den Tests dabei und sind begeistert. Während sich die jungen Zuschauer stark mit dem Inhalt Homosexualität auseinandersetzen, konzentrieren sich die älteren Semester sehr auf das historische Ambiente. "Ja, so war das damals", habe sie mehrfach gehört, berichtet Barbara Bredelin. Und noch eins: Das Publikum applaudiere nicht einfach, stehe auf und gehe, sondern bleibe sitzen und unterhalte sich, schildert Ulli Wetter seine Beobachtungen.

Der Meerbuscher Musiker Peter Dirkmann schafft mit seinen Toncollagen aus Wochenschaubeiträgen und authentischen Klangkulissen marschierenden Jungvolks eine unter die Haut gehende Atmosphäre. "Das Stück ist aber nicht die ganze Zeit düster und finster", verspricht Elke Schmidt. Sie habe "Hannes und Paul" nicht ohne Grund mit der Bezeichnung "traurige Liebeskomödie" versehen.

Für die Premiere in Meerbusch sind Veranstalter aus dem gesamten Bundesgebiet eingeladen. Zahlreiche Tourneeorte stehen bereits fest. Kirchen, Museen, Keller und Theater eigneten sich als Spielstätten für die mit spärlicher Kulisse auskommende Geschichte, erklärt Schweiger. Von Meerbusch geht die Reise zunächst nach Köln und Fulda.

(RP)