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Meerbusch: Büdericher Reiter feiern 90-Jähriges

Meerbusch : Büdericher Reiter feiern 90-Jähriges

Zum Schützenfest hat die Jubiläumskompanie den berittenen Fanfarenzug aus Freckenhorst eingeladen. Im August feiern die Brauchtumsfreunde den runden Geburtstag mit einer großen Party auf Haus Schackum.

Das Pferd schnauft, Sebastian Sattelberger (29) gibt das Zeichen und hebt die Lanze. Im Galopp geht es nach vorne, das Ziel hat der Reiter anvisiert. Nur wenige Meter – und der Ring ist auf dem Reiterspieß. Doch dann bremst das Pferd ab – ungültig. Zu langsam. "Beim Wettkampf müssen die Start- und die Ziellinie im Galopp durchritten werden", erklärt Horst Diel. Der 64-Jährige muss es wissen. Schon seit 30 Jahren geben die Mitglieder des Reitervereins Büderich der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft Regeln, Tipps und Tricks für das "Ringstechen" an ihren Nachwuchs weiter. Einmal im Jahr treten die Schützen im Reiter-Wettkampf gegeneinander an. Denn Pferde gehören zu ihnen wie Sebastianus als Patron zur Bruderschaft.

90 Jahre gibt es die berittene Kompanie nun schon in Büderich. Mit ihren Auftritten bei Umzügen und Paraden sind sie ein Highlight des gesamten Regiments. "Seit einigen Jahrzehnten sind unsere Mitglieder verpflichtet, das Reiten zu üben", sagt Rittmeister Diel. Dabei war das nicht immer so. "In den Anfangsjahren waren die meisten von uns Landwirte", erklärt Jochen Wierichs (74). Das Pferd gehörte als "Gebrauchsgegenstand" zu jedem Hof dazu. Reiten war wie Radfahren – jeder konnte es. Näherte sich allerdings das Schützenfest, da wurde aus der Hilfe fürs Feld das edle Ross eines stolzen Schützen.

Heute besitzen die 22 aktiven Mitglieder keine eigenen Pferde mehr, die starken Vierbeiner werden beim Oppumer Reitstall Schmitz bestellt. "Und da üben wir auch", sagt Sebastian Sattelberger. Erinnerungen an die Reitkünste vergangener Zeiten gibt es allerdings genug. "Sie trafen sich und machten Dressur- und Sprungwettkämpfe", erinnert sich Wierichs. Auch die Historie ist nicht vergessen: Die Vorbilder des Reitervereins kämpften in einem Freikorps unter Ferdinand von Schill bis 1809 gegen die Franzosen. Mit der Gründung des Reitervereins 1922 wollten die Gründungsmitglieder der Vergangenheit gedenken. Dass die damals jugendliche Truppe auch für ihre Späße bekannt war, kann Wierichs berichten. "Sie ritten auch schon mal mit dem Pferd in die Wirtschaft", erzählt er. "Das war wahrscheinlich eine Wette."

Ernster ging es dann aber beim Schützenfest zu. Gleich fünf Kameraden qualifizierten sich als König: Jakob Bender (1930), Josef Schumacher (1932), Christian Niesen (1934), Heinrich Hagemus (1949) und Horst Diel (1986). Zum Jubiläum wird der Reiterverein am Sonntag, 19. August, von 11 Uhr bis 18 Uhr eine große Party auf Haus Schackum feiern. Doch schon zu Pfingsten werden Besucher vom Jubiläum einiges mitbekommen. "Wir sponsern das Feuerwerk", sagt Diel. "Und beim Umzug wird der berittene Fanfarenzug Freckenhorst zu sehen sein."

(RP)