Leverkusen: Schwedt war DDR-Ort des Schreckens

Leverkusen: Schwedt war DDR-Ort des Schreckens

Waffen- und Wehrdienstverweigerer und sogenannte Staatsfeinde wurden vom DDR-Regime hart "erzogen". Eine Ausstellung in der Villa Römer informiert bis zum 6. Mai über den "Armeeknast Schwedt als Ort der Repression".

Für Leverkusener Bürger ist Schwedt seit dem Herbst 1989 die Partnerstadt in der Uckermark. Für Menschen im Osten war es ein Synonym für den Armeeknast der DDR. Bis 1982 befand sich in der Stadt an der Oder das berüchtigte Militärgefängnis, anschließend bis 1990 die "Disziplinareinheit der Nationalen Volksarmee". Ein Ort des Schreckens für viele junge Soldaten, wie jetzt die Wander-Ausstellung "Der Armeeknast Schwedt als Ort der Repression" im Erdgeschoss der Villa Römer zeigt.

Vor allem sind es die Einzelschicksale von Zeitzeugen, die unmittelbar betroffen machen. An einer Hörstation können Besucher auf Knopfdruck mehrere dieser Geschichten abrufen. Außerdem gibt ein Film Einblick in das straff geführte Militärgefängnis, wo sich die Bediensteten als Erzieher in NVA-Uniform verstanden. Auf 20 Text- und Bildtafeln ist die Dokumentation nachzulesen. Dazu gibt es reale Ausstellungsstücke aus dieser Zeit, wie eine originale Gefängnistür, ein Gitter oder den Hocker, auf dem die Gefangenen ihre Mahlzeiten einnahmen und abends ihre Wäsche akkurat auf Kante zu falten hatten. Diese mahnenden Erinnerungsstücke haben geschichtsbewusste Schwedter beim Abriss des Gebäudes gerettet.

Lange Zeit schien niemand an der Aufarbeitung dieses Kapitels der DDR-Geschichte interessiert. Als Rüdiger Scholz (Vorsitzender des Arbeitskreises Literatur) diese Ausstellung über den Ort der Repression in Schwedt entdeckte, suchte er nach einer Möglichkeit, sie in Leverkusen zu zeigen. In Verbindung mit der Stadtgeschichtlichen Vereinigung ließ es sich dort realisieren, wo eine solche historische Dokumentation hingehört, in der Villa Römer. Walter Montkowski organisierte den Transport und die Präsentation. Bis zur Finissage am 6. Mai können sich Bürger und Schulklassen dort über das dunkle Kapitel der Schwedter Geschichte informieren.

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"Aus Geschichte muss man lernen", forderte Oberbürgermeister Uwe Richrath bei der Eröffnung am Sonntag. Da gab es ausnahmsweise keinen Sekt. Das schien ihr in dieser Situation doch unpassend, betonte Gabriele Pelzer, Vorsitzende der Stadtgeschichtlichen Vereinigung. Auch "weil Disziplinierung in Diktaturen leider nicht der Vergangenheit angehören". Dem Thema angemessen war auch der musikalische Rahmen, den das Cello-Ensemble der Musikschule in der Besetzung von sechs Celli und Kontrabass mit ruhigen und tiefen Streicherklängen setzte.

Das System Schwedt bestand aus Schleifen und Schuften, Bespitzelung und Rotlichtbestrahlung. Aus politischen Gründen waren "Staatsfeinde", Waffen und Wehrdienstverweigerer eingesperrt. Und wer von dort zur Truppe zurückkehrte, der schwieg - aus Angst vor erneuten Repressalien.

(mkl)