Leverkusen: Anti-Jugendwahn für den guten Zweck

Leverkusen: Anti-Jugendwahn für den guten Zweck

Alle Frauen sind im Schönheitswahn. Nur Monika Blankenberg nicht. Die Kölnerin ignoriert Runzeln und Falten und boykottiert alles, was Frauen hübscher, straffer oder jünger erscheinen lassen könnte. Sie rudert dagegen. Aus eigener Betroffenheit weiß sie: "Altern ist nichts für Feiglinge."

Es geschah vor einigen Jahren, als sie hörte, wie sich ein Mann wunderte. "Dass so alte Frauen überhaupt noch auf die Bühne dürfen", sagte er laut. Erst regte sie sich auf, dann machte sie aus der Not eine Tugend. Und kreierte ein erfolgreiches "Programm für alte Junge und jung gebliebene Alte, gegen Jugendwahn und Altersstarrsinn, gegen hängende Mundwinkel und für mehr Lachfalten", wie sie am Samstag im Scala-Club verkündete.

Dort stand sie bei der regelmäßigen Benefizgala auf der Bühne, die von der Frauenberatungsstelle Leverkusen veranstaltet wird, um Finanzierungslücken zu schließen. Insgesamt 16.000 Euro fehlen aktuell in der Kasse. Angesichts des vollen Hauses dürfte sich dieser Betrag etwas verringert haben. Annette Witoßek vom Vorstand und ihre Kolleginnen waren jedenfalls sehr zufrieden. "Auf die Frauenberatungsstelle können wir in Leverkusen nicht verzichten", betonte Sabine Rusch-Witthohn, Frauenbeauftragte der Stadt, eingangs. Sie trat vor dem Programm als "Schirmfrau" mit rosafarbenem Schirm auf das Podest des Saales, den Scala-Betreiber Fabian Stiens bereits zum vierten Mal kostenfrei zur Verfügung stellte.

  • Kommentar : Übergeordnete Zwecke

Obwohl das Thema eher für Frauen konzipiert war, saßen Männer ebenfalls in der Vorstellung. "Männer altern auch, sie merken es nur später." Zack. Der verbale Seitenhieb saß. In der Art ging es lustig weiter. Die blonde Frau, bekleidet mit rotem Glitzershirt und Jeans, teilte die Menschen wie Früchte in Reifegrade von frühreif, reif, überreif, wurmstichig bis Fallobst ein. Mit Augenzwinkern und Humor nahm sie den Begriff "Altern" unter die Lupe und das Wort "Zeit" auseinander oder spottete über die Behauptung: "Frauen dürfen alles - bloß nicht älter werden."

Monika Blankenberg ist der Meinung, der Alterungsprozess sei hinterhältig. Man merke erst einmal nichts. Dann schaue man in den Spiegel und frage sich, was mit diesem Gesicht passiert sei. Und vor allem wann? Leben und Altern passiere zur selben Zeit. Aber: "Während Sie altern, sollten Sie so gut wie möglich leben", empfahl Kabarettistin Blankenberg den Zuhörern des Benefizabends im Scala ganz dringend.

(gkf)