Leverkusen: "Anders eben" - Tanztheater mit Tiefgang

Leverkusen: "Anders eben" - Tanztheater mit Tiefgang

Tänzerinnen der Jugendkunstgruppen begeisterten jetzt mit einem Stück zu gesellschaftlicher Diskriminierung.

Mit einem gesellschaftskritischen Stück zum Thema Diskriminierung feierte das Tanztheater der Jugendkunstgruppen von Monika Piechowicz am Samstag mit "Anders eben" Premiere auf der Studiobühne des Forums.

Fünf Mädchen, junge Frauen, allesamt verschieden, mit unterschiedlichen Interessen und Darstellungsformen. Die Eine ist eine bekennende Christin mit Bibel und Kreuz in der Hand. In feiner Bluse und mit zurückgekämmten Haaren. Die Andere, offensichtlich ein Nerd, die sich hinter dem Bildschirm ihres Laptops in die virtuelle Welt flüchtet. Ein anderes Mädchen sitzt auf einem Kasten Bier und sieht ziemlich zerzaust aus, während eine weitere junge Frau ihre Weiblichkeit unter weiter Kleidung und einer Schirmmütze versteckt. Die Fünfte ist ein blondes Mädchen, das sich offensichtlich gerne kämmt und auf ihr Äußeres achtet. Mit jeder von ihnen koppelt der Zuschauer unbewusste Assoziationen, positive und negative. Bis sie mit ihrer Oberbekleidung ihre Schale ablegen und in schwarzen Leggins und Shirts dieselben Bewegungen ausführen. Versetzt, nicht zeitgleich, in andere Richtungen schauend, aber letztlich sind es dieselben Bewegungen. Mit ihrem wortlosen Auftreten scheinen sie eine Frage in den Köpfen der Zuschauer zu provozieren: "Was unterscheidet uns?" Und die Antwort, wenn sie nicht längst schon klar war, wird im Laufe des Stückes immer deutlicher: der Blick der Gesellschaft, das Schubladendenken, unsere Vorurteile gegenüber diesen und jenen.

In diesem fesselnden Stück hat Kursleiterin Monika Piechowicz mit ihrem jungen Ensemble aus 14- bis 20-jährigen Tänzerinnen Fragen zur Diskriminierung aufgearbeitet. "Was ist Diskriminierung? Wer wird diskriminiert und was hat der, der diskriminiert, davon?" Neben der tänzerischen Darstellung wurden auch Videosequenzen eingeblendet, in denen die Mädchen in ihren Rollen von ihrer Situation erzählen. Jeder wird irgendwann diskriminiert. Einige mehr, andere weniger. Und das passiert heute, trotz klarerer Gesetze, immer noch, teilweise sogar gesellschaftlich anerkannt, in unserer Wortwahl, unseren Gesten und unserem Verhalten anderen gegenüber: Darauf aufmerksam zu machen, war das Ziel der Jugendkunstgruppen, die am Ende mit John Lennons "Imagine" ein friedvolles Miteinander, ohne Schubladendenken, forderten.

Nach der 90-minütigen Aufführung hatten sie es zudem geschafft, die anfängliche Zurückhaltung der Zuschauer zu brechen. Mit stehend gegebenem Applaus wurden Monika Piechowicz und ihr Ensemble völlig zurecht gefeiert.

(sebu)