Leichlingen: Bierkisten-Lauf: Augenzeugin spricht von einem "Saufgelage"

Leichlingen: Bierkisten-Lauf: Augenzeugin spricht von einem "Saufgelage"

Die Situation hätte gefährlich enden können: Als am frühen Montagabend rund 50 Leichlinger Abiturienten am Hasensprung ihren Bierkisten-Lauf absolvierten und aufgrund dessen ein Großalarm ausgelöst wurde, war eine Leichlinger Seniorin gerade auf der Straße aus Richtung Roderbirken kommend unterwegs.

"Da war kurz vor den jungen Leuten nur ein kleines Warndreieck aufgestellt, das man hätte leicht übersehen können. Ich dachte noch, das hat wohl jemand vergessen, als ich plötzlich die Jugendlichen sah und voll in die Bremsen gehen musste", berichtet sie im RP-Gespräch.

"Die standen nicht, die torkelten über die Straße. Das war wirklich ein Saufgelage." Wäre ihr nicht zufällig das Warndreieck aufgefallen, hätte es leicht zu einem Unfall kommen können, merkt die Leichlingerin an, "auf der Straße gilt leider nicht Tempo 30, sondern Tempo 50".

Die Rentnerin berichtet weiter, nach ihren Informationen sei es bei dem Bierkisten-Lauf darum gegangen, dass immer zwei Mann eine Kiste über einen Parcours tragen, "einer muss auf dem Weg die 20 Flaschen auszutrinken schaffen. Wenn das kein Komasaufen ist, dann weiß ich es auch nicht. Das als Tradition hinzustellen, finde ich geschmacklos", moniert die Seniorin auch in Richtung Stadt, dort hatte es gestern geheißen, es habe sich nicht um Komasaufen gehandelt.

Die Seniorin hielt am Montag an, kam kurz mit den Jugendlichen ins Gespräch. "Die haben gelallt und hatten reichlich konsumiert. Daneben stand ein wahnsinniger Berg von Bierkisten."

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Was die Leichlingerin besonders ärgert: "Jedes kleine Fest muss man bei der Stadt anmelden, aber wenn sich die Jugendlichen zur Freiluftparty auf der Durchgangsstraße treffen, dann gelten keine Auflagen, und es wird von der Stadt kleingeredet." In manchen Schulen seien derlei Abi-Späße verboten beziehungsweise ihnen klare Grenzen gesetzt, um Auswüchse zu vermeiden, verweist die Leichlingerin etwa auf Schulen in Essen.

"Warum guckt hier niemand darauf? Man hat doch eine erzieherische Pflicht", betont sie. Dass Polizei und Schule am Dienstag mit den Abiturienten des Doppeljahrgangs ein Gespräch geführt haben, lobt die Rentnerin ausdrücklich.

Die Schulleitung des Gymnasiums war für eine Stellungnahme gestern nicht zu erreichen.

(RP/rl)
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