Langenfeld: Widerstand gegen Hubschrauber-Platz nimmt zu

Langenfeld: Widerstand gegen Hubschrauber-Platz nimmt zu

In Reusrath formiert sich eine Bürgerinitiative. Bürgermeister Schneider weist Spekulationen um ein Schreiben zurück.

Der Widerstand gegen den nahe der Dückeburg geplanten Hubschrauber-Landeplatz nimmt zu. In Reusrath formiert sich gerade eine Bürgerinitiative um Günter Striewe, die das Vorhaben von Gerhard Witte ablehnt. Wie die RP berichtete, hatte der seit drei Jahren auf der historischen Hofanlage inmitten der Reusrather Felder wohnende Chef des Langenfelder Unternehmens Control Expert bei der Bezirksregierung einen Sonderflugplatz für Hubschrauber beantragt.

Seit dieser Woche liegen die Unterlagen im Rathaus zur Einsicht aus. In dem mit Gutachten gefüllten Aktenordner spürte Striewe den Hinweis Wittes auf ein Schreiben von Bürgermeister Frank Schneider vom 12. Juli 2012 an die Bezirksregierung in dieser Sache auf. Weil dieses nicht abgeheftet ist, forderte der Zugeständnisse vermutende Striewe den Bürgermeister auf, den Inhalt mitzuteilen.

"Es gibt ein Schreiben an Witte", bestätigte Schneider gestern auf Anfrage der RP. Doch das habe am 12. Juli 2012 nicht er selber aufgesetzt, sondern der damalige Fachbereichsleiter Hans-Otto Weber, der mittlerweile im Ruhestand ist. "Er hat in diesem Antwortschreiben an Witte nur die Auskunft erteilt, dass aus planungsrechtlicher Sicht nichts gegen Außenstarts und -landungen an der Dückeburg spricht. Das heißt aber nicht, dass dort ständig Hubschrauber aufsteigen und landen dürfen." Schneider verneinte die Frage, ob er selber unterschrieben habe.

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Und warum war das Vorhaben seinerzeit nicht Thema im Stadtrat? Schneider: "Es ging ja nur um eine planungsrechtliche Auskunft. Damit wird kein Rat beschäftigt." Zu Recht habe, so der Bürgermeister weiter, die Bezirksregierung dieses damalige Schreiben dem jetzt ausliegenden Aktenordner nicht beigefügt. "Es ist nicht antragsrelevant, weil es nunmehr ja um einen festen Landeplatz geht – und nicht mehr um eine Ausnahmegenehmigung." Ob die Stadt in ihrer Stellungnahme an die Bezirksregierung das Projekt befürworten wird oder nicht, ließ Schneider offen. "Die beteiligten Fachreferate werden das in den nächsten Tagen und Wochen miteinander besprechen."

Nach den Planunterlagen soll der Landeplatz mit einer kleinen Hubschrauber-Halle außerhalb der Hofanlage entstehen; direkt neben dem Reitplatz. Antragsteller Witte bezeichnet das Vorhaben als dringend notwendig für den Verbleib seines Unternehmens in Langenfeld. Mit mehr als 250 Festangestellten gehört die auf elektronische Auftragsdaten-Verarbeitung von großen Konzernen spezialisierte Firma an der Hans-Böckler-Straße zu den größten Arbeitgebern der Stadt. "Im Fall des Falles müssen wir vertragsgemäß ganz schnell bei unseren Kunden sein." Witte möchte sich bis zu 200 Starts oder Landungen pro Jahr und bis zu vier pro Tag genehmigen lassen. Zwischen 22 und 6 Uhr werde an der Dückeburg kein Helikopter fliegen. Von ihm beauftragte Gutachter des TÜV Nord bescheinigen, dass "schalltechnische Orientierungswerte tagsüber eingehalten" und "erhebliche Belästigungen demnach vermieden" würden.

Die Bürgerinitiative sieht das anders und bekommt Unterstützung von der BGL-Ratsfraktion. Deren Sprecher Gerold Wenzens lässt Wittes Argumente nicht gelten. "Eine für die Firma überlebensnotwendige Betriebserweiterung würden wir nach Kräften unterstützen. Aber ein Hubschrauberplatz am Wohnstandort des Chefs gehört für uns jedenfalls dann nicht zur Wirtschaftsförderung, wenn derart viel öffentliches Interesse dagegen steht."

(RP/rl)