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Monheim: Offener Ganztag gratis: Alle wollen einen Platz

Monheim : Offener Ganztag gratis: Alle wollen einen Platz

Ab Januar sind Kitas, Tagespflege und Offener Ganztag gebührenfrei. Was als Entlastung für junge Familien gedacht ist, könnte zu einer Überlastung der Schulen werden. Die Kapazitäten reichen oft nicht.

Alle Fraktionen im Stadtrat sind sich einig, dass die Beitragsfreiheit für die Betreuung in Kitas, Tagespflege und Offenem Ganztag richtig ist. Das Votum im Stadtrat am Mittwochabend war einstimmig. Rund 1,8 Millionen lässt sich die Stadt den Wegfall der Gebühren kosten — pro Jahr. Parteiübergreifend wird der Wegfall der Gebühren als Meilenstein auf dem Weg zur "Hauptstadt für Kinder" gefeiert. Das ist aus finanzieller und logistischer Sicht ein mutiger Schritt. Kaum war die Änderung beschlossen, meldete sich Barbara Kamphausen im Ratssaal zu Wort. Die 49-Jährige nutzte die Fragestunde für Einwohner, um ihre Bedenken zu äußern.

"Es ist super, dass die Gebühren jetzt abgeschafft werden", sagt die Baumbergerin, "aber es müssen auch die dafür nötigen Plätze geschaffen werden." Bereits jetzt sei der Offene Ganztag an der Winrich-von-Kniprode längst an die Grenzen seiner Kapazität gelangt. "Vieles deutet darauf hin, dass es deutlich mehr Anmeldungen geben wird", meint die Mutter. Ihr Sohn Maximilian besucht die dritte Klasse der Schule. Sie sagt, dass sie im Namen vieler betroffener Eltern an der Schule spricht. "Die Platzverhältnisse vor Ort sind jetzt schon extrem eng — vor allem in der Mensa."

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Dass die Anmeldezahlen hochschnellen, kann Christoph Schröder, Leiter der Grundschule, bisher bestätigen. "Wir stellen eine verstärkte Nachfrage fest", berichtet der 36-Jährige. "Ob das unbedingt mit dem Wegfall der Gebühren zusammenhängt, ist nicht sicher. Ich denke, dass auch unabhängig davon der Bedarf steigt." Darauf deutet auch die bisherige Entwicklung hin. In den vergangenen Jahren ist der Offene Ganztag der Schule stetig gewachsen. Inzwischen gibt es fünf Gruppen mit jeweils 25 Kindern. 2014 könnte eine sechste Gruppe hinzu kommen.

Schröder sieht die Situation indes nicht so problematisch wie Barbara Kamphausen. "Die Platzsituation ist seit Jahren schwierig", sagt der Schulleiter, "aber wir haben bisher immer Möglichkeiten gefunden, die Situation zu entspannen." Bis 2016 soll die Grundschule am bisherigen Standort für rund 2,6 Millionen Euro aus- und umgebaut werden. "Auch dieser Zeitraum kann überbrückt werden", ist sich Schröder sicher. Durch die Nutzung von bisher ungenutzten Nebenräumen sei es beispielsweise möglich, Mensa und Küche zu erweitern.

Derzeit laufen Abstimmungen zwischen Schulen, Stadt und Trägern. "Wir prüfen, ob und wie eine sechste Gruppe an der Kniprode-Schule möglich ist", sagt Peter Heimann, Bereichsleiter für Schulen und Sport im Rathaus. Den Trend steigender Anmeldungen bestätigt er zum Teil: "Das ist zwar je nach Standort unterschiedlich, aber wir schätzen, dass rund 70 Prozent der Eltern Interesse am Ganztagsangebot haben."

(dora)