Luda Liebe und Pfarrer Andreas Pasquay eröffnen den Kunstraum Kirche

Langenfeld : Wortsammlung wird zum Kirchen-Kunstwerk

„Zwischen Himmel und Erde steht das Wort“. So lautet der Titel einer Ausstellung,  die am Sonntag  in der Erlöserkirche eröffnet wird.

88 Worte – alphabetisch sortiert von Abenteuer bis Zunge – stehen in diesem Jahr während der Passionszeit in der evangelischen Erlöserkirche im Mittelpunkt des „Kunstraums Kirche“. Die Monheimer Künstlerin und Limbiotik-Trainerin Luda Liebe hat 20 Teilnehmern zwischen 25 und 70 Jahren Alltagsbegriffe vorgegeben und ließ sie dazu jeweils bis zu drei Assoziationen aufschreiben. Die Antworten hat Liebe dann ebenfalls von A bis Z sortiert, die Doppelungen herausgenommen und alles in Fließtext gesetzt. So haben alle gemeinsam einen faszinierenden Austausch zwischen Kunst und Theologie geschaffen. „Zwischen Himmel und Erde steht das Wort“ lautet der Titel. Pfarrer Andreas Pasquay findet es „spannend, wie die Gedanken sortiert wurden“.

Den Text legte die Künstlerin dann jeweils über die Bilder, die ihr die Teilnehmer zugesandt haben. „Es sind Fotos, die sie so zeigen, wie sie sich selber sehen und von dem sie sagen: ,Das bin ich’“, erklärt Liebe. Dabei sei es unerheblich, ob es sich um ein Schwarz-Weiß-Bild oder ein Farb-Foto handelt. Es musste auch keine aktuelle Aufnahme sein. Eine Teilnehmerin hat beispielsweise ein Bild aus Kindertagen ausgewählt. Es zeigt sie als kleines Mädchen auf einem Motorrad. Text und Foto vereinte Luda Liebe auf 126 mal 80 Zentimeter großen Vinylplanen. „Die werden im Altarraum und auf dem Fries im Innenraum der Kirche aufgehängt“, sagt der Pfarrer. „Dazu gibt es ein Textheft.“ Am Sonntag, 10. März, 12 Uhr, wird die Ausstellung in der Erlöserkirche, Hardt 23, eröffnet. „Die Messe um 11 Uhr ist bereits mit der Predigt ein Teil des Themas“, kündigt Pasquay an. Zu sehen sind die großformatigen Werke bis Samstag, 27. April.

Das Interesse, an der Aktion teilzunehmen, sei sehr groß gewesen, berichtet er. „Zwischen 30 und 40 kunstinteressierte Menschen, die sich der ästhetischen Arbeit der Kirche verbunden fühlen, wollten mitmachen. Wir haben schließlich 20 ausgewählt.“ Herausgekommen sei eine „Sammlung von Impulsen“, sagt er. Die Assoziationen seien individuell und doch neutral. Falle dem Einen zum Wort Abenteuer vielleicht „Antarktis“ oder „Himalaya“ ein, sage ein Zweiter dazu möglicherweise: „Das brauche ich nicht“. Über die Assoziationen gelinge ein direkter Kontakt zu den Persönlichkeiten. Die Künstlerin ergänzt: „Ich kann die Menschen anders abholen, wenn ich ihre Worte lese“. Und: „Jeder Leser oder Besucher interpretiert die Texte wieder anders.“ Pasquay bescheinigt den 20 individuellen Porträts eine tiefe theologische Aussage. „Wenn ich beispielsweise das Wort Gott nehme, ist das für jeden unterschiedlich, aber nie beliebig.“ Pasquay und Liebe haben gerne zusammengearbeitet und sich während der Vorbereitung gegenseitig unterstützt. Kennengelernt hatten sich die Beiden übrigens zufällig vor einem Jahr bei einer Vernissage in der Erlöserkirche. Liebe, die schon damals ihre auffällige grüne Brille trug und Pfarrer Pasquay, der ein ebensolches Pendant in Gelb auf der Nase hatte, waren sich gleich sympathisch – und so entwickelte sich die künstlerische Zusammenarbeit. Grundlage von Liebe ist die Limbiotik, ein von ihr selber entwickeltes Persönlichkeitstraining für Teams oder Einzelpersonen. Die von der Natur inspirierte mentale Methode nutzt Liebe als Trainerin für Kommunikation, Organisation und Führung seit über zwölf Jahren (www.führungslust.de). Damit werden Informationen gesammelt, angeschaut und interpretiert, sagt die Monheimerin. Kerngedanke sei es, dass jeder Mensch die Dinge individuell und subjektiv wahrnehme.

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