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Jörg Bergmeister und der Traum vom WM-Titel

Motorsport : Jörg Bergmeister und der Traum vom WM-Titel

Der Porsche-Werksfahrer führt in der Langstrecken-Weltmeisterschaft. In Sebring beginnt der letzte Teil der „Super Season“.

Etwas ist anders. Einerseits macht Jörg Bergmeister gerade den Eindruck, dass er in sich selbst ruht. In seiner langen und erfolgreichen Karriere als Motorsportler hat er schließlich auch so viel erlebt, dass ihn fast nichts mehr aus der Bahn werfen oder aus der Ruhe bringen kann. Ein Rennen in Florida? Normal. Die Strecke kennt er ja aus zahlreichen früheren Auftritten in den USA ganz gut. Natürlich hat er da auch schon gewonnen. Jetzt ist Bergmeister schon wieder auf dem Weg nach drüben, um traditionell nichts dem Zufall zu überlassen. Das Motorsport-Jahr 2019 legt schließlich von null auf hundert los – denn mit dem 1000-Meilen-Rennen in Sebring beginnt am 15. März der Endspurt in der „Super-Season“ der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC). Werksfahrer Jörg Bergmeister (43) ist seit einiger Zeit ein Teil des Porsche-Kundenteams Project 1 aus Lohne (Niedersachsen), das seine Premieren-Saison in der WEC bestreitet. Das Besondere am Unternehmen für den Klassen-Neuling: Der Porsche 911 RSR mit der Startnummer 56 führt die Gesamtwertung an. Bergmeister kann im Herbst seiner Fahrer-Karriere Weltmeister werden.

Der Langenfelder ist bei Project 1 nicht nur der Top-Fahrer, sondern zusätzlich Antreiber, Entwickler, Förderer und Forderer in vielen Bereichen. Und er betätigt sich permanent als Mahner: „Sicher, wir haben 20 Punkte Vorsprung. Aber wir haben bisher nichts erreicht. Es sind noch unheimlich viele Punkte zu vergeben und die Meisterschaft ist noch lange nicht entschieden.“ Die Statistik führt das Fahrer-Trio aus dem US-Amerikaner Patrick Lindsey, dem Norweger Egidio Perfetti und Bergmeister mit 84 Zählern auf dem ersten Platz in der Klasse GTE Am. Es folgen Aston Martin (64) und TF Sport (58/ebenfalls Aston Martin). Selbst zwei Ferrari-Teams auf den Rängen vier (57) und fünf (55) sind möglicherweise zu beachten. Einfache Rechnung, falls der Project-Porsche ausfallen sollte und die ersten Verfolger zugleich gewinnen: Dann ist die Führung weg. Für Erfolge bei Sechs-Stunden- Veranstaltungen gibt es 25 Zähler, die längeren Rennen wie Sebring oder Le Mans bringen sogar mehr ein.

Eine Dreierbande: Patrick Lindsey, Jörg Bergmeister und Egidio Perfetti (von links) wechseln sich bei Project 1 am Steuer des Porsche 911 RSR ab. Foto: Projcet 1

Grundsätzlich sieht Jörg Bergmeister das Abenteuer Project 1 in der WEC auf dem richtigen Weg. „Wir haben sicher im Vergleich zum Anfang eine Steigerung erzielt. Wir haben uns in allen Bereichen verbessert. Und wir sind mittlerweile auf einem Niveau angekommen, dass wir gleichwertig zu den anderen sind“, findet der Motorsportler aus Leidenschaft. Er hat in seinem Beruf eine Berufung gefunden und gilt darüber hinaus als Perfektionist sowie im Interesse der gemeinsamen Sache durchaus als Freund klarer Worte. Die Mischung kommt offensichtlich an – bei Porsche, das Jörg Bergmeister allgemein ohnehin als Idealbesetzung in der Zusammenarbeit mit Kundenteams sieht, und speziell bei den Verantwortlichen von Project 1. Bergmeister fasst es so zusammen: „Das macht mir viel Spaß.“

Der rund sechs Kilometer lange Kurs von Sebring, der auf einem ehemaligen Flugplatzgelände liegt, beansprucht die Dienstfahrzeuge der Piloten extrem. „Das ist herausfordernd“, sagt Bergmeister, der sich gleichzeitig an die Anfangsjahre seiner Karriere und die Rennen mit zahlreichen Bodenwellen erinnert: „Das war damals noch schwieriger. Die heutigen Autos sind viel, viel besser.“ Weitere Tests am kommenden Samstag und Sonntag sollen helfen, das richtige Set-Up fürs Rennen zu erarbeiten – auf einer Strecke, die neben Bergmeister auch Patrick Lindsey und Egidio Perfetti kennen. Alle drei wollen in Florida wieder alles geben, um die vielleicht einmalige Chance auf den WM-Titel zu nutzen. Weniger Risiko, weniger Tempo angesichts des Vorsprungs? Kommt für Jörg Bergmeister nicht in Frage: „Du musst schon immer noch am Anschlag fahren.“ Es gibt eben doch Dinge, die sich nie ändern.