Kr Wie Krefeld: Warum jetzt? Vermeulens Theaterplatz-Ruf

Kr Wie Krefeld : Warum jetzt? Vermeulens Theaterplatz-Ruf

Der Vorstoß von Peter Vermeulen zum Theaterplatz führt die Debatte in die nächste Runde. Es geht nun nicht mehr nur um den Theaterplatz.

Die Debatte um den Theaterplatz hat eine neue Phase erreicht: Es geht nicht mehr darum, dass der Unternehmer Gerald Wagener mit seinen Hotel-Kongress-Plänen vielleicht doch noch zum Zuge kommt - er hat unmissverständlich seinen Rückzug erklärt. Es geht darum, ob die Verwaltung die Politik fair über ihre Optionen informiert - oder mit Nicht-Informationen selbst Politik gemacht hat.

Die Frage ist doch, wie die Debatte verlaufen wäre, wenn es aus dem Rathaus klipp und klar die Botschaft an den Rat gegeben hätte: Ja, es geht, mit Wagener ins Geschäft zu kommen, und zwar ohne europaweite Ausschreibung. Diese Frage aber ist weiter strittig, und es ist FDP-Chef Heitmann zuzustimmen, wenn er beklagt, dass das eigentlich nicht geht.

Wohlgemerkt: Das wäre keine Vorentscheidung pro Wagener gewesen. Es gab auch Kritik an seinem Entwurf. Vor allem die Mächtigkeit des Komplexes in Relation zur Umgebung wurde in den Diskussionsveranstaltungen hinterfragt. Aus gutem Grund: Im Stadtarchiv ist nachzulesen, dass viele Krefelder bei der Eröffnung des Seidenweberhauses entsetzt waren, wie wuchtig und abweisend doch das Gebäude wirkte. Verspielt und leicht erscheint dieses Haus eben nur auf Luftaufnahmen - am Boden entfaltet es bedrückende Schwere. Diese böse Überraschung sollte man in Krefeld kein zweites Mal erleben müssen.

Zudem war nicht nur von Planungsdezernent Linne die Forderung nach Alternativen zu hören. Insofern spricht sogar einiges dafür, dass der Rat sich mehrheitlich nicht für den schnellen Deal mit Wagener ausgesprochen hätte. Nur: Nun ist ein Angebot ausgeschlagen worden, von dem die Entscheider nicht klar wussten, ob sie es hätten annehmen können - das ist das Ärgerliche. Das Misstrauen in Linnes Objektivität ist damit eher gewachsen. Der Verdacht steht im Raum, dass die Verwaltung auf kaltem Wege eine missliebige Option abgeräumt hat. Genau das wäre aber Hoheitsaufgabe des Rates gewesen.

Ein ganz andere Facette dieser Debatte ist die Person Vermeulens. Er hat sich mit der Autorität des erfahrenen Planungsdezernenten, der in Mülheim fachlich über alle Parteigrenzen hinweg geschätzt wird, erneut ins Spiel gebracht. Warum jetzt? Warum nicht vor Wochen, als man für die Option Wagener noch hätte kämpfen können? Unwillkürlich stellt man sich die Frage, ob die CDU ihn erneut als Spitzenkandidaten für die nächste Oberbürgermeister-Wahl aufbauen möchte. Plausibel wäre es: Vermeulen ist in der CDU geschätzt. Er ist präsent (zuletzt beim Politischen Aschermittwoch der Partei). Er steht profiliert für den Wirtschaftsflügel der Union. Er wäre der erste nicht, der einen zweiten Anlauf wagt und aus den Fehlern der ersten Runde lernt. Und schließlich gilt: Außer ihm ist bislang kein Kandidat der Christdemokraten in Sicht. Zeit wäre es, wie der Blick nach links lehrt: Die SPD hat Frank Meyer über Jahre systematisch aufgebaut. vo

(RP)
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