Krefeld: Weihnachtskrippe in der Schutzengelkirche kritisiert Amtskirche

Weihnachtskrippe der anderen Art: Krippe als Kritik an der Amtskirche

Die Krippe in der Schutzengelkirche Oppum wählt seit Jahren kontroverse Themen.  Diesmal steht die Amtskirche im Fokus, deren Vertreter in der Darstellung nicht das Jesuskind, sondern Paragraphen und Gesetze anbeten.

Die Uhr über der Krippe ist nicht nur ein Anachronismus, sie zeigt überdies fünf nach zwölf. Im Stroh gebettet ist kein Jesuskind, sondern ein Buch. Doch es ist nicht die Bibel, sondern Kirchengesetz, Katechismus oder ein Buch über Moraltheologie. Über der Krippe schweben keine Engel, sondern geflügelte Paragraphen. Als wäre das nicht genug der Kritik, stehen um die Krippe Bischöfe und Kardinäle. Statt ihres Heilands, der in üblichen Darstellungen in der Krippe liegt, beten sie die Gesetze und Regeln der Amtskirche an und kreisen mithin um sich selbst.

Nur ein einziger Kardinal steht nicht bei ihnen. Ihn zieht das Jesuskind am Zingulum, seiner leuchtend roten Schärpe, zu den Menschen. Auch hier wartet eine Provokation, denn unter den Personen, auf die der Heiland die Aufmerksamkeit der Kirchenoberen zu lenken versucht, ist auch ein lesbisches Paar mit Regenbogenfahne. Ein Mensch ist an Aids erkrankt, es sind ein Flüchtling und ein Blinder darunter. Bei ihnen zu finden sind nicht nur der Stern von Bethlehem und die Bibel, sondern auch ein Globus. Um dessen Fuß geschwungen sind die Symbole aller großen Weltreligionen.

„Wir wollen damit zeigen, dass die Amtskirche um sich selbst kreist und ihre Paragraphen anbetet, dabei aber die Menschen immer mehr aus dem Blick verliert“, sagt Udo Degen aus dem Aufbauteam der Krippe. Dabei zeigt allein schon seine Teilhabe die liberale Richtung, die die Schutzengelkirche mit ihrer Krippe seit mehreren Jahren verfolgt. Denn er selbst ist evangelisch und Mitglied des Ökumeneteams. Eigentlich ist die protestantische Auferstehungskirche seine Gemeinde. Gemeinsam mit dem Krippenteam um Birgitta Gebauer half er unter anderem bei der Konzeption und Umsetzung.

Die Idee stammt dabei von Gebauer. „Bei unserem ersten Treffen kurz nach den Sommerferien machte sie diesen Vorschlag. Wir haben uns dann noch einmal getroffen und alles besprochen. Insgesamt sind acht bis zehn Personen an der Idee und der Umsetzung beteiligt“, erzählt Degen. Die praktische Umsetzung machten dann alle gemeinsam. „Die Gewänder hat eine Schneiderin hier aus Oppum für uns gemacht. Wir alle haben dann noch Details und Ideen beigetragen. Der Globus oder die Uhr wurden zum Beispiel eigentlich erst während des Aufbaus zum Konzept hinzugefügt“, fährt er fort.

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Dieser Aufbau erfolgte nach der Messe am vierten Advent. Die Gläubigen bekamen das durchaus provokante Krippenbild zur Messe an Heiligabend erstmals zu sehen.

„Die Kirche war komplett gefüllt. Wir hatten insgesamt gut 600 Menschen hier“, erzählt Franz-Josef von der Hocht. Negative Rückmeldung gab es keine. „Zumindest ist mir davon nichts bekannt. Es ist ja nicht unser erstes kontroverses Krippenbild. Vielleicht sind die Leute in Oppum auch einfach daran gewöhnt“, sagt Degen schmunzelnd. Der Rückhalt in der Gemeinde sei aber generell groß. „Vor drei Jahren hatten wir mal eine Krippenszene, die ich als deutlich provokanter einstufen würde. Damals gab es schon Kritik. Aber zumeist mögen die Menschen unsere Krippe“, ergänzt er weiter.

Geöffnet ist die Kirche am Montag von 8.30 bis 12 Uhr, Dienstag bis Donnerstag von 8.30 bis 17 Uhr und Freitag von 8.30 bis19.30 Uhr. Am Samstag ist am Vormittag (9-12 Uhr), am Sonntag nur während der Gottesdienste geöffnet. Genug Zeit also für Gläubige oder Interessierte, das kritische Krippenbild selbst in Augenschein zu nehmen. Ob noch Kritik kommen wird? Von der Hocht zuckt die Achseln. „Das weiß ich nicht. Aber fürchten tun wir sie nicht. Wir setzen uns dann ordentlich damit auseinander.“ Am Ende bleibt die Botschaft „Es ist uns ein Kind geboren. Der Welt ist das Heil geschenkt“. Und dieses Kind wurde, so befinden die Krippenbauer, allen Menschen und der ganzen Welt geboren.

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