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Britta Oellers (CDU) aus Krefeld-Fischeln vertritt auch Tönisvorst im Landtag

Britta Oellers : „Ohne Tönisvorst wäre ich nicht im Landtag“

Bei der Landtagswahl am 14. Mai 2017 gab es mit Tönisvorst und Krefeld-Süd einen neu zugeschnittenen Wahlkreis. Erstmals hat ihn ganz knapp Britta Oellers aus Fischeln gewonnen, vor allem dank der Stimmen aus Tönisvorst.

Im Wahlkampf des Jahres 2017 hat sie in Tönisvorst oftmals den Einwand hören müssen: „Nö, eine Krefelderin wollen wir nicht.“ Inzwischen, so glaubt sie, hat sich das gelegt. Sie kommt häufig und gern nach Tönisvorst und hat bis heute viele Kontakte geknüpft. Viele Tönisvorster hegten die Befürchtung, im neuen Wahlkreis nur Anhängsel der viel größeren Nachbarstadt zu sein. Manche befürchteten sogar, das werde der Anfang vom Ende der kommunalen Selbstständigkeit sein, Tönisvorst, zumindest St. Tönis werde ein neuer Stadtteil von Krefeld. Das wollte niemand, nicht einmal die Krefelder, und steht auch gar nicht an.

Die 45-jährige CDU-Frau hat Tönisvorst viel zu verdanken. In der Wahlnacht musste sie lange zittern, ob sie den Wahlkreis gewonnen hat. Sie hatte – und das denkbar knapp. Und dabei hat sie den Tönisvorster Wählern viel zu verdanken. In Vorst holte sie 41 Prozent der Erststimmen, in St. Tönis 40 Prozent. In ihrer Heimat Krefeld-Fischeln waren es sogar 45 Prozent. Zusammen mit Fischeln war Tönisvorst mit ausschlaggebend für ihren Sieg. In Tönisvorst gebe es auch eine höhere Wahlbeteiligung. „Ohne Tönisvorst wäre ich nicht im Landtag.“ Im alten Zuschnitt hätte die SPD den Wahlkreis gezogen.

 Dass sie in Tönisvorst ankommt, liegt auch an ihrer Verwurzelung in Fischeln. Mit 26.000 Einwohnern ist der südliche Krefelder Stadtteil annähernd so groß wie Tönisvorst mit seinen knapp 30.000. So versteht sie eher,.wie die Tönisvorster ticken. Britta Oellers findet, dass der Wahlkreis gut zusammenpasst, sich gut ergänzt. Auch Tönisvorst profitiere davon. So stellt sich die Landtagsabgeordnete immer als zuständig für Krefeld-Süd und Tönisvorst vor. Vorher ging Tönisvorst mehr oder weniger im Wahlkreis Kreis Viersen auf – oder sollte man besser „unter“ sagen?

Aber auch bei der unterschiedlichen Größe hätten beide Städte viel miteinander zu tun. Und dabei meint sie gar nicht den „Schluff“, der von St. Tönis zum Hülser Berg fährt, oder die Straßenbahnlinie 041, die ganz im Sinne von Britta Oellers Krefeld-Fischeln mit St. Tönis verbindet. Auf dem Wohnungsmarkt hat schon immer eine starke Wechselbeziehung zwischen Krefeld und St. Tönis bestanden. Viele Krefelder fanden in St. Tönis ein bezahlbares Haus, oder ältere Tönisvorster ziehen nach Krefeld, weil sie dort bezahlbare Wohnungen finden, wenn sie sich nach der Familienphase wieder verkleinern wollen. Eine große Zahl von Tönisvorstern arbeitet in der Nachbarstadt und pendelt jeden Tag. Mit dem Theater und den Museen ist Krefeld kulturell sowieso das Oberzentrum, das viele Besucher jenseits der Stadtgrenzen anlockt.

Früher besuchten viele Tönisvorster weiterführende Schulen in Krefeld. Früher hat das Arndt-Gymnasium in der Innenstadt von Tönisvorster Schülern „gelebt“. Seit 1986 wurde in St. Tönis das Michael-Ende-Gymnasium eröffnet. Seitdem gehen die Tönisvorster Schüler überwiegend in ihrer Stadt und nicht mehr in Krefeld aufs Gymnasium. St. Tönis hat jetzt auch eine eigene Gesamtschule. Vor der Umwandlung habe die Stadt Krefeld eine positive Stellungnahme abgegeben. Inzwischen sind die beiden Innenstadt-Gymnasien Arndt und Fichte zusammengelegt – natürlich nicht allein, weil jetzt die Schüler aus der Nachbarstadt fehlen.

Bei den Altersheimen sieht Britta Oellers Tönisvorst gut aufgestellt. Alte Menschen blieben gerne dort, wo man seit langem lebe. Mit dem Plan, am Schwimmbad Wohnungen für Senioren mit Service zu bauen, sei Tönisvorst einen guten Schritt in die richtige Richtung gegangen. Natürlich fehlten überall seniorengerechte und bezahlbare Wohnungen.

Sie persönlich hat durch den Wahlkreis mit zwei Kommunen gelernt. Britta Oellers, die in diesem Jahr 20 Jahre im Krefelder Stadtrat vertreten ist, weiß, wie man in den Städtischen Gremien immer diesen „Tunnelblick“ auf die eigene Stadt hat, wie wichtig es aber wäre, die Nachbarn mit in den Blick zu nehmen. Ganz konkret pflegt Britta Oellers in der Partei den Austausch zwischen den Städten, konkret zwischen der CDU Krefeld-West und der CDU Tönisvorst.

Und wenn man schon einmal hin und her über die Stadtgrenze schaut, gibt es eine Vielzahl von Themen, die man gemeinsam besser lösen kann – wobei manche gesetzliche Regelung das noch verhindert. Thema Freiwillige Feuerwehr: Die Tönisvorster suchen dringend Nachwuchs für die Feuerwehr. Aber die Kandidaten müssen vor Ort wohnen – was ja auch durch den Anfahrweg zur Wache grundsätzlich Sinn macht. Aber ein Forstwalder wohnt von der Wache Fischeln weiter entfernt als von der Wache St. Tönis. Bisher können nur Neubauten jüngere Leute in den Ort locken – nach Vorst-Nord ist aber nichts weiteres in Sicht.

Ein ähnliches Beispiel ist die KiTa-Frage. Je nachdem, wo man wohnt, liegt für manchen Tönisvorster die nächste KiTa in Krefeld. Doch in der aktuellen Situation, in der Krefeld Probleme hat, den Bedarf für die eigenen Kinder zu decken,.ist es illusorisch, Kinder aus der Nachbarstadt aufzunehmen. Ohne direkt eine Lösung anbieten zu können, meint Britta Oellers, in solchen Fragen müsse man in Zukunft neue Lösungen suchen, die mehr Möglichkeiten im nachbarschaftlichen Miteinander schaffen.

Im Wahlkreis für zwei Städte zu arbeiten, sei eine Herausforderung, und manchmal würde man sich am besten „klonen“. Welche Veranstaltung am Volkstrauertag besucht man, wenn sie an mehreren Orten gleichzeitig am Sonntagmorgen um 11 Uhr stattfinden? Im Karneval könne man den Tulpensonntag in St. Tönis feiern und den Rosenmontag in Krefeld. Zwei Kommunen bedeute aber auch zwei Stadträte und zwei Verwaltungen, mit denen man zu tun habe.

Sie selber empfindet aber trotzdem die Arbeit für zwei Kommunen als Bereicherung. Das eher ländliche Tönisvorst habe ihr neue Themen beschert. So sei sie in Krefeld noch nie auf das Thema Gülle angesprocjhen worden. In Tönisvorst sei die Landwirtschaft, und da auch die Viehhaltung, viel stärker präsent als in Krefeld.

Im Mai wird im Landtag Halbzeit sein. Britta Oellers hat sich gut eingelebt. In ihrer Fraktion mit 72 Sitzen waren über 40 wie sie neu. Und das Regieren mit nur einer Stimme Mehrheit erfordere eine starke Präsenz im Plenum. Dass sie jetzt im Landtag sitzt, sei nicht von langer Hand vorbereitet gewesen. Ihr Engagement in der Pfarrjugend, bei den Messdienern, bei der Jungen Union und jetzt 20 Jahre im Krefelder Stadtrat hätten zu ihrer Kandidatur geführt. Und heute ist es ihr ein besonderes Anliegen, gerade junge Menschen für Politik zu begeistern. Nach ihrem Verständnis sind Politiker keine besonderen Menschen. Jeder könne und solle sich in der Politik engagieren.