Krefeld: BZV Nord: Gräben naturnah entwickeln

Krefeld : BZV Nord: Gräben naturnah entwickeln

In der BZV Nord ist am Donnerstagnachmittag das "Konzept zur naturnahen Entwicklung von Fließgewässern" vorgestellt worden. Die Frage dahinter: Was geschieht, wenn die Pumpen der LEG 2020 abgeschaltet werden?

Diskussionen um stetig steigendes Grundwasser führen die Politiker der Bezirksvertretung Nord seit Jahren. Hintergrund ist die drohende Abschaltung der Pumpen, die spätestens 2020 erfolgen soll. Zurzeit pumpt die Landesentwicklungsgesellschaft, kurz LEG, jährlich rund 1,5 Millionen Kubikmeter Grundwasser ab und leitet es in die Niepkuhlen. Anwohner des Gebietes rund um Rislerdyk, Bönnersdyk und Wallenburgdyk befürchten, dass ihre Keller absaufen, sollte das Wasser nicht mehr abgepumpt werden (die RP berichtete). In der jüngsten Sitzung der Bezirksvertretung Nord stellte der Fachbereich Umwelt nun ein Konzept zur naturnahen Entwicklung von Fließgewässern vor.

Geograf Ingo Nienhaus schilderte die Gewässerentwicklung des "Niepkuhlenvorflutsystems" im Hülser- und Kliedbruch. Ziel des Konzeptes, das mit KNEF abgekürzt wird, sei es, geeignete Maßnahmen aufzuzeigen, um durch gezielte "Wasserzuführung, Rückhalt in der Fläche und Wiedervernässung von Waldbereichen sowohl den wasserwirtschaftlichen Belangen als auch dem Naturschutz" im Hülser Bruch gerecht zu werden. Die untersuchten Gräben haben derzeit in vielen Bereichen schlechte Bodeneigenschaften und eine unbefriedigende bis schlechte Anzahl an dort lebenden Tieren.

Im Einzugsgebiet des Sankertgrabens 22 befindet sich das Gewässersystem Hülser Bruch/ Kliedbruch mit einer Gesamtlänge von 20,74 Kilometern. Das KNEF stellt auch Abflusshindernisse dar, die geeignet sind, Einfluss auf den Wasserabfluss zu nehmen. So stellten die Wissenschaftler fest, dass der Kliedbruchgraben in weiten Teilen "vollständig verändert" ist, der Seitengraben vom Hülser Bruch, der Disteldykgraben, der Seitengraben am Namenlosen Dyk, der Sankertgraben, der Graben am Hökendyk und der Blumenholzgraben in weiten Teilen "sehr stark verändert" sind und der Graben am Mohrendyk in einem Abschnitt sogar "vollständig verändert" ist.

Mit Hilfe einer Drohne erfassten die Wissenschaftler das zu untersuchende Gebiet auch aus der Luft. In der aus den erhobenen Daten erfolgten Defizitanalyse stellten sie unter anderem fest, dass das Wasser in den Gräben nicht durchgängig fließen kann, dass Bewuchs fehlt und es kaum naturnahe Strukturen und Randstreifen gibt, dass die Wasserführung unzureichend ist und dass Maßnahmen fehlen, um eine Überflutung zu verhindern.

Was also tun? Die Experten raten dazu, naturnahe Gefälleverhältnisse wiederherzustellen, Durchlässe zu entfernen oder naturnah umzugestalten, Gräben auszuweiten und Ufer abzuflachen. Außerdem soll ein gewundener Verlauf angelegt und bodenständige Gehölze gefördert werden.

Eine Umsetzung des Konzeptes, das es in ähnlicher Form bundesweit für zahlreiche Gräben gibt, würde die Stadt zwischen sechs und sieben Millionen Euro kosten. Allerdings können, so die Auskunft der Verwaltung, EU-Fördermittel für diese Maßnahme beantragt werden.

Die Bezirksvertreter reagierten sehr unterschiedlich auf den Vortrag des Experten. Während Grüne und SPD die Idee, natürliche Gegebenheiten zu nutzen, um das Grundwasserproblem in den Griff zu bekommen, begrüßten, sah die CDU diese Variante eher kritisch. Walter Fasbender erinnerte an die Angst der Anwohner vor Wasser im Keller und betonte, dass zuerst den Menschen geholfen werden müsse und der Naturaspekt eher im Hintergrund stehe. Grüne und SPD hingegen sind der Ansicht, dass das, was für die Natur gut sei, für den Menschen nicht schlecht sein könne.

(bk)
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