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Köln: 27-Jähriger soll Ex-Frau erschossen haben

Mann soll Ex-Frau erschossen haben : „Er hat sie als sein Eigentum betrachtet“

Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen ist am Landgericht Köln der Mordprozess gegen einen 27-Jährigen gestartet, der seine Ex-Frau regelrecht hingerichtet haben soll. Die Familie der Getöteten soll mit Rache gedroht haben.

Justizbeamte und Polizisten sichern am Dienstagmorgen den Eingang zu Saal 210 im Kölner Landgericht. Sämtliche Prozessbeteiligten müssen durch eine Sicherheitsschleuse und werden abgetastet – derart strenge Kontrollen gab es zuletzt bei großen Rocker-Prozessen. Sogar Schöffen und der psychiatrische Gutachter müssen ihre Schuhe ausziehen und werden durchsucht. Vor Gericht steht Dilgasch K., 27 Jahre alt. Er soll seine Ex-Frau Ende Oktober 2018 in Pulheim bei Köln mit zwei Kopfschüssen getötet haben. „Wir haben Hinweise darauf, dass die Familie der Getöteten sich für die Tat rächen will“, sagt ein Gerichtssprecher. Wegen der Personenkontrollen beginnt der Prozess mit einiger Verspätung.

Der Angeklagte kann an diesem ersten Prozesstag seine Tränen nur schwer unter Kontrolle bringen. Immer wieder schluchzt er und lässt seinen Kopf auf die verschränkten Arme sinken. „Ich möchte so lange inhaftiert bleiben, bis ich sterbe“, sagt er nach Verlesung der Anklage. Die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt, dass Dilgasch K. seine 24 Jahre alte Ex-Frau mit einer halbautomatischen Waffe getötet hat, weil er die Trennung nicht akzeptieren wollte. Er soll sie während der Ehe geschlagen haben, im vergangenen Frühjahr hatte sie sich laut Anklage von ihm getrennt und war zu ihrer Familie von Bielefeld nach Köln gezogen.

Sie ging aus Schein auf seine Forderungen ein

Am Morgen des 30. Oktober 2018 hat Dilgasch K. nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft an der Wohnung ihrer Schwester in Köln geklingelt, im Wissen, dass seine Ex-Frau dort war. Den Türspion klebte er mit Kaugummi ab, die 24-Jährige öffnete und Dilgasch K. hielt ihr die Waffe an den Kopf und zwang sie, mit ihm zu kommen – davon ist die Staatsanwaltschaft überzeugt. Danach soll Folgendes passiert sein: Bei einem sehr emotionalen Gespräch an einem Baggersee in der Nähe der Wohnung ging die Frau zum Schein und aus Todesangst darauf ein, wieder zu ihrem Ex-Mann zurückzukehren. Sie konnte ihn davon überzeugen, ohne sie nach Bielefeld in die ehemals gemeinsame Wohnung zu fahren, sie selbst würde sich von ihrer Familie verabschieden, ihre Sachen holen und am Abend nachkommen.

Sie erzählte alles ihrer Schwester, die sie zu den Eltern nach Pulheim brachte. Die 24-Jährige wollte die Polizei nicht einschalten. „Der Angeklagte hat sie als sein Eigentum betrachtet“, sagt die Staatsanwältin. Und als er vergeblich auf sie wartete, fasste er offenbar endgültig den Entschluss, sie zu töten. Er fuhr am nächsten Morgen zur Wohnung seiner ehemaligen Schwiegereltern, schoss in die Tür und öffnete sie laut Anklage gewaltsam. Die 24-Jährige war mit ihrer Mutter in der Wohnung. Beide wollten über eine Terrasse ins Freie flüchten, vier Schüsse verletzten die junge Frau schwer – zwei trafen ihren Kopf, sie war sofort tot.

Der Angeklagte ist 2011 aus dem Irak geflüchtet, vier Jahre später wurde er als Flüchtling anerkannt, verdiente Geld als Spüler, Reinigungskraft und in der Küche eines Burger-Restaurants. Seine Ex-Frau und er hatten sich schon als Kinder gekannt, sie stammten aus Großfamilien zweier benachbarter Dörfer. Er nannte sie „kleine Blume“, sie kam 2015 nach Deutschland, er habe sie aus Liebe geheiratet, wie er sagt.

Dilgasch K. habe nach der Trennung immer davon geträumt, dass sie zu ihm zurückkomme. „Bei der Scheidung ist mein Herz mit ihr gegangen“, sagte er im Gespräch mit dem psychiatrischen Gutachter.

Der Angeklagte will sich im Laufe des Verfahrens zum Tatvorwurf äußern, am ersten Prozesstag war er nach Angabe seiner Verteidigerin nicht dazu in der Lage. „Es gab keine Probleme zwischen uns“, sagt er zur Vorsitzenden Richterin über die Ehe. Er gibt seinen ehemaligen Schwiegereltern die Schuld daran, dass es überhaupt zur Trennung kam. Dem Psychiater sagte er, sein Leben sei seit der Trennung bedeutungslos. „Man soll mich verurteilen und hinrichten“, sagt der Angeklagte im Prozess. „Also dazu wird es nicht kommen“, entgegnet die Vorsitzende Richterin.

Mitte Mai soll ein Urteil fallen.