Kevelaer: "Work First": Neuer Job statt Hartz IV

Kevelaer: "Work First": Neuer Job statt Hartz IV

Die Stadt Kevelaer hat mit Unterstützung des Kreises Kleve spezielle Coaches eingestellt. Sie sollen Langzeitarbeitslosen möglichst schnell zurück in den Beruf helfen. Wer sich gegen das straffe Programm wehrt, riskiert sein Geld.

Wer von Hartz IV lebt, hat es nicht üppig. Aber die Summe, die ihm zur Verfügung steht, bringen die Steuerzahler auf. Der Staat muss sich also darum kümmern, dass so wenig Bürger wie möglich diese Unterstützung bekommen. Und stattet deshalb seine Jobcenter mit Personal aus, das auch Langzeitarbeitslose wieder möglichst schnell in Arbeit bringen soll. Relativ neu ist das Konzept "Work First", das in den Niederlanden und in anderen Regionen schon bekannt ist und jetzt in Kevelaer ausprobiert wird. Inzwischen liegen Erfahrungen aus dem ersten Durchlauf vor.

Irmgard Bergmann arbeitet im Jobcenter Kevelaer. Sie hat sich mit ihren Kollegen ausgetauscht und stellt für die Rheinische Post zusammenfassend fest, dass schon nach wenigen Monaten vier von neun teilnehmenden Männern und Frauen eine berufliche Perspektive gefunden haben. "Das Programm wendet sich an Neukunden im Alter zwischen 25 und 50 Jahren, die in einer überschaubaren Zeitspanne von acht bis zehn Wochen fit gemacht werden sollen für das Berufsleben." Dazu hat Kevelaer mit Geld vom Kreis Coaches eingestellt. Die Teilnahme an "Work First" ist freiwillig. Um auszutesten, wer infrage kommt, finden einstündige Vorab-Gespräche statt. "Wer sich entscheidet, mitzumachen, muss einen Eingliederungsvertrag unterzeichnen", erklärt Bergmann. Nimmt ein Arbeitsloser nicht regelmäßig teil oder macht seine ,Hausaufgaben' nicht, hat er mit Leistungskürzungen zu rechnen. "Das ist aber bisher nicht vorgekommen", sagt die Fachfrau.

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Sozialdezernent Marc Buchholz hatte gegenüber der RP im Frühjahr berichtet, es gebe in Kevelaer 800 arbeitsfähige Menschen, die von Hartz IV lebten. "Die kommen aber nicht alle für ,Work First' infrage. Für alleinerziehende Mütter, deren Kinder ja betreut sein müssen, haben wir andere Angebote und eine extra für sie zuständige Mitarbeiterin", sagt Bergmann. Bleiben aber genügend Hilfeempfänger, denen die "angeleitete Selbsthilfegruppe" (Zitat Buchholz) auf die Sprünge helfen soll. Dreimal in der Woche drei Stunden stehen auf dem Plan - verbindlich.

"Die Coaches haben in einem ersten Durchgang mit neun Männern und Frauen deren Unterlagen gesichtet, Bewerbungen schreiben geübt oder angemessenes Auftreten beim Vorstellungsgespräch", zählt Irmgard Bergmann auf. Die Teilnehmer hätten sich schon bald auch untereinander geholfen und sich angespornt. "Wer bessere EDV-Kenntnisse hatte, hat die anderen unterstützt oder Tipps gegeben." Für vier der Teilnehmer hat sich der Einsatz sofort gelohnt: "Drei von ihnen haben eine zumindest geringfügige Beschäftigung als Maurer, Mechatroniker und Verpackerin gefunden mit der Option, mehr daraus zu machen, ein vierter macht ein vorbereitendes Praktikum." Sie sind dem Ziel, Hartz IV hinter sich zu lassen, deutlich näher gekommen. "Sie haben den Mehrwert von Arbeit erkannt", stellt Buchholz fest.

(RP)
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