Hells Angels: Festnahmen wegen Drogenhandels

Kevelaer : Polizei verhaftet Hells Angels aus Goch

Die Rocker haben seit Oktober offiziell eine Niederlassung in Goch. Während die Polizei von Anfang an informiert war, wusste die Stadt nichts von der Gruppierung. Jetzt gab es Festnahmen wegen Drogenhandels.

Zugriff in Heidesheim am Rhein: Der 11.000-Menschen-Ort in der Nähe von Bingen in Hessen ist am Sonntag Schauplatz eines Polizeieinsatzes geworden, bei dem vier Rocker aus dem Großraum Goch festgenommen wurden. Monatelang hatten die Ermittler des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen (LKA NRW) im Auftrag der Staatsanwaltschaft Kleve im Milieu der Rockerbande Hells Angels ermittelt, jetzt schnappte die Falle zu.

Insgesamt fünf Männer wurden festgenommen, vier von ihnen stammen vom Niederrhein, wie Oberstaatsanwalt Günter Neifer gestern bestätigte. "Ihnen wird vorgeworfen, ein gutes halbes Jahr große Mengen Drogen aus den Niederlanden eingeführt und an verschiedene Abnehmer im Bundesgebiet weiterverkauft zu haben", sagt Neifer. Beim Zugriff in Hessen stellten die Ermittler Rauschgift im zweistelligen Kilogramm-Bereich und eine nicht näher genannte Summe Drogengeld sicher. Informationen des Landeskriminalamts zufolge soll einer der Männer bei der Festnahme unter Kreislaufschwäche gelitten haben. Er musste von einem Notarzt behandelt werden.

Bei den Festgenommenen handelt es sich um einen 43-jährigen niederländischen Betäubungsmittellieferanten, einen 50-jährigen und einen 48-jährigen Drogenkurier sowie um einen 39-jährigen marokkanischen und einen 22-jährigen Abnehmer der Drogen. Durchsuchungen der Fahrzeuge, Wohnungen und Firmensitze der Tatbeteiligten - auch im Großraum Kleve - dauerten den gesamten Montag über an. Wie Staatsanwaltschaft und Polizei mitteilten, haben die Hells Angels seit dem 1. Oktober offiziell ein Charter in Goch. "Das Kriminalkommissariat der Polizei wusste von Anfang an darüber Bescheid", sagt Sprecherin Manuela Schmickler. Man habe die Entwicklung durchgängig beobachtet - der jetzige Zugriff sei nicht zuletzt ein Resultat der guten Arbeit vor Ort.

Deutlich weniger über die kriminellen Rocker in der Weberstadt wusste anscheinend die Stadtverwaltung. "Wir haben keine Kenntnisse von Rockern, die sich in Goch niedergelassen haben. Alles andere ist Sache der Strafverfolgung", sagt Stadtsprecher Torsten Matenaers.

Bei den Rockern handele es sich um Personen, die im Umfeld der Hells Angels zu suchen seien und die mit der Gruppierung sympathisieren, heißt es seitens der Polizei. "Ein eigenes Clubhaus gibt es in Goch aber noch nicht", betont Manuela Schmickler. Die Polizei trete entschlossen gegen die Ausbreitung von Banden wie Hells Angels und Satudarah im Kreis Kleve auf. "Die Polizei tut alles, um illegale Aktivitäten wie Drogenhandel und jegliche Form von Machtdemonstration zu verhindern."

Anfang 2013 hatte der niederländische Motorradclub Satudarah die Gründung eines Chapters in Kleve bekanntgegeben. Der Club ist laut Polizei vor allem im Drogenhandel, in der Prostitution und im Waffengeschäft aktiv. Die Gründung wurde als Kampfansage gegen die Hells Angels in Duisburg verstanden.

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(RP)
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