1. NRW
  2. Städte
  3. Jüchen

Jüchen: Protest gegen Gebühren

Jüchen : Protest gegen Gebühren

In Hochneukirch formiert sich Widerstand gegen Gebühren für die Erschließung des Neubaugebietes Langjaaß. Anwohner der Holzer Straße sollen bis zu 13 000 Euro zahlen, obwohl sie keinen Anschluss an die Langjaaß haben.

Der Gartenzaun der Kelzenbergs markiert eine klare Grenze. Hier die alteingesessenen Hochneukircher der Holzer Straße, dort das Neubaugebiet Langjaaß. Rund 6200 Euro sollen die Kelzenbergs nun dafür bezahlen, dass ihr Grundstück an die neue Nachbarschaft grenzt. Die Gemeinde will sie an der Erschließung der neuen Straße beteiligen. "Dabei haben wir überhaupt keinen Zugang zur Langjaaß, können höchstens über den Gartenzaun auf die Straße gucken. Ich bin 83, ich werde mir jetzt auch keine Zufahrt mehr bauen", sagt Johann Kelzenberg. So wie ihm geht es weiteren Anwohner der Holzer Straße. Sie wollen die Gebühren nicht akzeptieren.

Baurechtlich ist die Sache aus Sicht der Gemeinde eindeutig. Da die Langjaaß theoretisch den Bewohnern der Holzer Straße die Möglichkeit bietet, über die rückwärtigen Grundstücke einen zweiten Zugang zu bauen, können sie an den Kosten beteiligt werden. In der Stellungnahme der Gemeinde heißt es: "Entscheidend ist, ob die jeweils hinzugekommene Erschließung in dem Sinne vollwertig ist, dass sie alleine ausreicht, die bauliche Nutzbarkeit des Grundstücks sicherzustellen." Die Verwaltung bezieht sich auf ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts, schließt einen Kompromiss aus.

Dabei wären die Anwohner der Holzer Straße durchaus bereit, Geld für die Erschließung der Langjaaß zu bezahlen. "Unsere Grundstücke sind in zwei Parzellen aufgeteilt. Für den rückwärtigen Teil wären wir bereit zu zahlen", sagt Hermann Josef Wirtz. Er soll 13 000 Euro aufbringen. "Ich frage mich, wovon? Ich bin Rentner, habe monatlich 900 Euro", sagt der ehemalige Besitzer der angrenzenden Polsterei. Wirtz hat sich Rechtsbeistand geholt, auch die Kelzenbergs lassen rechtliche Schritte prüfen.

Sohn Hansi Kelzenberg setzt noch auf eine einvernehmliche Lösung mit der Gemeinde: "Der Bürgermeister will mit uns sprechen. Aus dem Rathaus haben wir bereits den Hinweis bekommen, dass ein Grünstreifen zwischen den Grundstücken und der Lagjaaß eine neue Situation schaffen würde. Den Grünstreifen würden meine Eltern und die Nachbarschaft bezahlen."

Dieser Hinweis sei nie erfolgt, teilt Gemeindesprecher Nobert Wolf mit: "Ein Grünstreifen ist nicht vorgesehen und würde an der rechtlichen Situation nichts ändern." Bisher sind nur die Vorbescheide ergangen, am 13. März will sich der Bürgermeister mit den Anwohnern zusammensetzen. Sollte der endgültige Bescheid ergehen, müssten die betroffenen Eigentümer binnen eines Monats zahlen.

(RP)