Jüchen: Schröder: Helfer der Hilflosen

Jüchen : Schröder: Helfer der Hilflosen

Nicht einmal die Hälfte der berechtigten Jüchener Kinder nehmen Hilfen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket in Anspruch. Ein neuer Sozialarbeiter soll das jetzt ändern. Doch seine Arbeit wird erschwert – von Amts wegen.

Jörg Schröder ist überzeugt: Alle Kinder und Jugendlichen sollen die gleichen Chancen haben. Haben sie aber nicht. Das soll das Bildungs- und Teilhabepaket ändern. Kinder und Jugendliche bekommen Bildungsgutscheine, Unterstützung für Nachhilfe, Kostenübernahme für Schulausflüge, Klassenfahrten und mehr. Doch in Jüchen nimmt das noch längst nicht jede Familie, die leistungsberechtigt ist, in Anspruch. Gut 400 Kinder in Jüchen könnten vom Bildungs- und Teilhabepaket profitieren. Das sind Kinder aus Familien, die Hilfen nach dem Sozialgesetzbuch II (Hartz IV), Wohngeld oder Asyl beziehen. "Aber weit über die Hälfte wird den Antrag noch stellen müssen", sagt Schröder. Die Angaben der Gemeinde sind ähnlich.

Foto: Raupold, Isabella

"Viele trauen sich nicht"

Das zu ändern ist Schröders Auftrag. Seit Januar ist er als Diplom-Sozialarbeiter des Technologie-Zentrums Glehn beim Jüchener Schulamt stationiert und soll Familien ausfindig machen, denen die Unterstützung zusteht – die aber davon womöglich gar nichts wissen. Oder nichts wissen wollen. Damit kommt der Rhein-Kreis Neuss seinem gesetzlich auferlegten Hinwirkungsgebot nach. 29 dieser Sozialarbeiter hat der Kreis in seinem gesamten Gebiet eingesetzt.

Schröders Büro in der Hauptschule Hochneukirch ist noch karg eingerichtet. Laptop, Handy, ein Schrank, ein Schreibtisch, eine Schulbank, ein paar Bilder an den Wänden – mehr braucht er nicht. Schröder muss viel unterwegs sein. Denn von alleine meldet sich keine Familie bei ihm. "Viele trauen sich nicht oder verzichten auf die Hilfe aus falsch verstandenem Stolz", sagt Schröder. "Oder sie sind einfach hilflos und überfordert." Das Problem: Er hat auch keine Liste mit Namen, die er abarbeiten kann. Aus Datenschutzgründen darf er nicht wissen, welche Familien er erreichen muss. Er soll Familien von Amts wegen aufklären, darf aber von Amts wegen nicht wissen, wen. "Ich muss über Öffentlichkeitsarbeit herausfinden, welche Familien infrage kommen", sagt Schröder.

Deshalb stellte er sich in Schulen vor, er ist viel in Vereinen unterwegs, in Kindertagesstätten. Er bietet sich an, hilft auch dabei, die Formulare auszufüllen, Unterlagen zusammenzutragen. Schröder ist sozusagen ein Werbeagent für öffentliche Unterstützung Benachteiligter. "Das ist ein Teil meiner Arbeit, der mich alleine aber nicht ausfüllen würde", sagt der Düsseldorfer.

Denn der Pädagoge ist auch Spezialist dafür, Jugendliche für den Arbeitsmarkt zu trainieren. Er hat in der Jugendberufsvorbereitung gearbeitet, weiß, wie Bewerbungstrainings und Assessment-Center funktionieren: "Ich will Menschen auf die richtige Schiene bringen." Dafür hat er Case Management studiert. Sein Credo: Nicht gucken, was Kinder nicht können, sondern was sie können. "Wenn man weiß, was möglich ist, dann hat jeder seinen Platz", ist der Pädagoge überzeugt. "Das ist Integration."

(RP)
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