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Jüchen: Selbsthilfe für Schmerzpatienten

Neue Selbsthilfegruppe : Jüchener hilft anderen Schmerzpatienten

Reinhard Blankertz aus Gierath hat eine Selbsthilfegruppe für Menschen gegründet, die an chronischen Schmerzen leiden. Er selbst hat 16 Operationen und elf Rehas hinter sich und lebt seit 35 Jahren mit seinen Schmerzen.

Mit Schmerzen kennt sich Reinhard Blankertz aus: Seit seinem 26. Lebensjahr hat der heute 61-jährige Gierather immer wieder Bandscheibenvorfälle erlitten. Er wurde 16 Mal operiert, hat elf Rehas mit mehr oder minder großem Erfolg hinter sich gebracht: „Eine Heilung ist nicht möglich, ich bin austherapiert“, sagt er selbst. Schmerzen sind sein ständiger Begleiter – seit 35 Jahren. Doch er hat gelernt, mit dem Schmerz zu leben, sich nicht aufzugeben, „die Regie über sein Leben nicht den Schmerzen zu überlassen“, wie Reinhard Blankertz sagt, der eine Selbsthilfegruppe für Schmerzpatienten gegründet hat.

„In einer meiner vielen Rehas kam mir die Idee, eine Selbsthilfegruppe aufzubauen“, erinnert er sich. Seit vier Jahren gibt es nun diese Gruppe. Doch er habe den Eindruck, dass immer noch zu wenige Menschen in Jüchen und im Umkreis wüssten, dass solch eine Anlaufstelle existiert: „Wer chronische Schmerzen hat, der fühlt sich zumeist auch alleine gelassen und unverstanden. Denn auch die Familien können nur begrenzt Verständnis für die Situation eines Schmerzpatienten aufbringen“, weiß er aus leidvoller eigener Erfahrung. Das sei in einer Selbsthilfegruppe mit gleichermaßen Betroffenen anders: „Da weiß jeder, wovon der andere spricht“, sagt er. Auch wenn die Teilnehmer unterschiedliche Ausgangskrankheiten hätten, so seien doch bei allen die Schmerzen mittlerweile chronifiziert. Der Körper habe ein Schmerzgedächtnis entwickelt: „Der Schmerz selbst ist zur Krankheit geworden“, verdeutlicht Blankertz.

In der Selbsthilfegruppe gehe es neben dem Austausch, der gegenseitigen Ermutigung und Stütze, um wichtige medizinische Informationen, zu denen regelmäßig Experten zu Vorträgen eingeladen werden. „Ich habe in den Jahrzehnten meiner Krankheit zwangsläufig ein großes Netzwerk knüpfen können und kenne mittlerweile viele Ärzte und Therapeuten, die ich auch in unsere Gruppe einlade“, berichtet Blankertz, der bis zu seinem 51. Lebensjahr trotz Krankheit noch als Prokurist bei einem Versicherungskonzern gearbeitet hat.

„Das ging auch trotz der Schmerzen noch so einigermaßen bis zu meinem 40. Lebensjahr. Dann wurde es immer schwerer, und mit 51 konnte ich nicht mehr“, gibt er zu und erzählt weiter: „Das war aber genau das Alter, in dem ich für den Arbeitgeber zu teuer, zu alt und zu krank wurde.“ Dann habe ein schwerer Kampf um den Lebensunterhalt begonnen und ein zähes Ringen um die Anerkennung der Erwerbsminderung- und -unfähigkeit. „So wie es mir ergangen ist, so ergeht es eigentlich allen Schmerzpatienten“, hat Blankertz in unzähligen Gesprächen auch in seinen Rehas erfahren. In der Selbsthilfegruppe finde deshalb auch ein ganz wichtiger Informationsaustausch über diesen Themenbereich statt, betont er.

Um nicht „im freien Raum und auf völlig privater Ebene zu schweben“, hat sich die Selbsthilfegruppe für Menschen mit chronischen Schmerzen dem Paritätischen Wohlfahrtsverband angeschlossen. Der stellt auch die Räume für die Treffen, die jeden dritten Donnerstag im Monat stattfinden. Ganz wichtig ist Blankertz der Hinweis, dass in der Gruppe absolute Vertraulichkeit gewahrt werde: „Wir erzählen keine Krankheitsgeschichten auf dem Schützenfest oder sonstwo weiter“, betont er.

Und Reinhard Blankertz sagt: „Als Außenstehender kann man kaum nachempfinden, was es bedeutet, mit chronischen Schmerzen jeden Tag seine Aufgaben in Beruf und Familie zu bewältigen. Das Gespräch mit Gleichbetroffenen kann helfen. Man muss sich aber auch helfen lassen“, betont der Betroffene.