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Hückeswagen: Viele Freiwillige sammeln wilden Müll

Aktion „Saubere Stadt“ in Hückeswagen : Viele Freiwillige sammeln wilden Müll

In der ersten Woche der Müllsammel-Aktion „Saubere Schloss-Stadt 2021“ waren schon viele Privatpersonen und Vereine in Kleinstgruppen unterwegs, um rund um Hückeswagen achtlos weggeworfenen Unrat einzusammeln.

Die Müllsammler sind meistens nicht die, die Abfall achtlos fallenlassen oder aus dem Auto werfen, anstatt ihn in der heimischen Mülltonne zu entsorgen. Dennoch ziehen sie freiwillig los, um die Hinterlassenschaften anderer Menschen aufzusammeln und damit das Stadtbild wieder etwas schöner zu machen. Das Engagement der Hückeswagener Bürger ist groß – und das, obwohl die Aktion „Saubere Schloss-Stadt“ in diesem Jahr coronabedingt dezentral organisiert wird und sich über einen Zeitraum von zwei Wochen erstreckt. „Wir erhalten nach wie vor jede Menge Anmeldungen“, freute sich Stadtmitarbeiterin Stefanie Heymann gegen Ende der ersten Aktionswoche.

Nicht nur Einzelpersonen, auch ganze Vereine, Organisationen und Gruppen haben sich verabredet, um im Familienverband oder Kleingruppen die Wälder, Wiesen und Straßenränder nach Unrat abzusuchen. Am Sonntag verteilten sich 28 ATV-Handballer von der Schnabelsmühle aus sternförmig auf das Stadtgebiet, nachdem sie von Mario Moritz mit den benötigten Hilfsmitteln ausgestattet wurden. Einen Tag zuvor war die Chorgemeinschaft Straßweg bei wechselhaftem Aprilwetter im Einsatz. „Trotz der zwei Hagelschauer waren alle gut gelaunt und hatten Spaß“, berichtete der Vereinsvorsitzende Ralf Schulte. Fünf Sänger zogen mit Handschuhen, Greifzangen und Müllsäcken von Straßweg bis Scheideweg sowie bis in die Purd und nach Schückhausen. „Wir haben in mehr als vier Stunden fast zwölf Müllsäcke voll bekommen und auch drei Autoreifen und einen Treckerreifen im Wald gefunden“, zählt Schulte auf. Per Lkw brachten die Straßweger Chorsänger ihre Funde zum Müllcontainer an die Grünestraße.

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Die größte Fläche suchte die Hückeswagener Jägerschaft ab. Hegeringleiter Johannes Meier-Frankenfeld berichtete von einer sehr erfolgreichen Aktion über mehrere Tage. „Von den elf Revieren haben sieben mitgemacht – das entspricht einer Fläche von 3500 Hektar, also weit über die Hälfte des Hückeswagener Stadtgebiets“, sagte Johannes Meier-Frankenfeld. Allein im Revier der Familie Hardt an der Bevertalsperre sei man mit sieben Personen im Einsatz gewesen, die insgesamt zwölf Säcke Müll einsammeln konnten. Seit 25 Jahren nehmen die Jäger an der Aktion teil, auch wenn es „richtig anstrengend“ ist, wie der Hegeringleiter auch diesmal wieder feststellen musste.

 Heike Kämmerich engagiert sich für eine saubere Stadt.
Heike Kämmerich engagiert sich für eine saubere Stadt. Foto: Heike Kämmerich/Heike Kämmerich / privat

Zu den Fundstücken zählten Radkappen, aber auch ein Kuchenblech und jede Menge Glasflaschen, die laut eines Infoflyers des Bergischen Abfallwirtschaftsverbands (BAV) rund 50.000 Jahren brauchen, bis sie verrotten. Entlang der Hauptstraße Richtung Engelshagen fanden Heike Kämmerich und ihre Nachbarin zahlreiche Masken und McDonalds-Kaffeebecher, aber auch Zigarettenkippen, Tuben, Flaschen, ein Handtuch und eine alte Baustellenabsperrlampe. Die schweren Plastiksäcke wurde das Duo schneller los, als erwartet. „Ein freundlicher Mitarbeiter des BAV hatte angehalten und gesagt, er würde die Säcke gleich schon mitnehmen“, berichtete die Hückeswagenerin. Über die Menge an Müll war sie regelrecht entsetzt: „Es ist erschreckend, was da alles zusammenkommt“, sagte Heike Kämmerich.

 Die Straßweger Sänger beladen einen Lkw mit Müllsäcken.
Die Straßweger Sänger beladen einen Lkw mit Müllsäcken. Foto: Ralf Schulte

Dieser Meinung waren auch Sandra Loh und Petra Baer, nachdem sie das Waldstück an der Grundschule Wiehagen von Unrat bereit hatten. „Nach einer Stunde hatten wir drei Säcke voll“, erzählte Sandra Loh von der großen Menge an achtlos entsorgten Trinkpäckchen, Bierflaschen und Pfanddosen. Selbst alte Kleidungsstücke, Bettlaken und gebrauchte Hygieneartikel zählten zu den Funden, die zum Glück nur mit Zange und Handschuhen angefasst werden mussten. Die Antwort auf die Fragen, warum sie bei der Aktion mitmacht, kam spontan: „Weil ich es schön finde, wenn es hinterher wieder sauber ist“, antwortete Sandra Loh, die noch ein zweites Mal zum Müllsammeln aufbrechen will. „Es gibt viele Leute, die mithelfen, aber auch viele Ignoranten“, fügte sie hinzu.

Den Standort der gefüllten Müllsäcke teilten die fleißigen Helfer per E-Mail der Stadtverwaltung mit, damit der Müll dann vom BAV abgeholt werden konnte. Noch bis zum 3. April läuft die Aktion „Saubere Schloss-Stadt 2021“. Wer sich bei der Stadtverwaltung (Tel. 02192/88320) anmeldet, erhält nicht nur die benötigte Ausrüstung, sondern wird im Anschluss auch mit Verzehrgutscheinen als kleines Dankeschön für den selbstlosen Einsatz belohnt.