Hilden: Politik lehnt Bauen für Karnap ab

Hilden: Politik lehnt Bauen für Karnap ab

Die FDP hatte beantragt, einen neuen Bebauungsplan für das Areal an der Hofstraße aufzustellen. Die Güterzugstrecke dort macht allerdings viel Lärm.

Das Stadtgebiet ist mit knapp 26 Quadratkilometern sehr kompakt. Hilden ist zu großen Teilen bereits dicht bebaut (aber auch von viel Grün umgeben). Es gibt "keine konfliktfreien Flächen mehr im Innenbereich des Stadtgebiets", hat Bürgermeisterin Birgit Alkenings nach eingehender Analyse festgestellt. Das zeigte sich auch für den Bereich Hofstraße/Karnaper Straße/Eisenbahn. Die FDP hatte beantragt, den Bebauungsplan 139 erneut aufzustellen. Dafür sprach sich neben der Verwaltung auch die SPD aus. Der Fachausschuss lehnte jedoch mit Mehrheit ab.

Bereits vor 20 Jahren sollte an der Hofstraße der "Wohnpark Karnap" entstehen. Direkt daneben verläuft die Güterzugstrecke Duisburg - Opladen/Köln. Dort fahren täglich rund 85 und nachts etwa 65 Güterzüge mit einer Länge von 200 bis 700 Metern und 80 bis 110 km/h vorbei. 2003 baute die Deutsche Bahn eine 300 Meter lange Lärmschutzwand vom Bahnhof in Richtung Süden im Bereich Bahnhofsallee/Neustraße. Das war eine "freiwillige Leistung". Damit ist der Lärmschutz im Hildener Süden aus Bahnsicht abgeschlossen. Zu mehr kann die Stadt die Bahn nicht zwingen. Schon vor 20 Jahren stellten Gutachter fest: Die Kosten für den nötigen Lärmschutz übersteigen die Erschließungskosten deutlich. Deshalb rechnet sich der Bau von Wohnungen dort nicht.

Die FDP schlug jetzt vor, "nicht störendes Gewerbe" für kleine und mittlere Unternehmen mit öffentlich geförderten Wohnungen zu kombinieren. "Unsere Idee ist, dass die Gewerbegebäude entlang der Bahnlinie als Lärmschutz für die angrenzenden Wohnungen fungieren", erläuterte Rudolf Joseph. Wenn ein "Wohnungs-Mix" vorgesehen sei, könne die SPD zustimmen, meinte Jürgen Scholz. Es gebe einen Investor. Und der habe "interessante Vorschläge" gemacht: "Wir wollen Gespräche mit den Eigentümern und dem Investor führen." Geld solle aber nicht zur Verfügung gestellt werden. "Ohne neue (und verhältnismäßig viele) Gutachten können wir nicht sagen, was dort gebaut werden könnte und was das kosten würde", betonte Planungsamtsleiter Peter Stuhlträger. Die alten Gutachten von vor 20 Jahren seien allesamt veraltet.

"Das Lärmproblem bleibt", begründete Claudia Schlottmann die Ablehnung der CDU. Der Bolzplatz sei wichtig für das Quartier und müsse deshalb erhalten bleiben. Die Verwaltung sei beauftragt worden, eine "kleine Lösung" nur für das städtische Grundstück Hofstraße 150 samt Hintergelände zu erarbeiten. Die Allianz wollte erst neue Fachgutachten abwarten. Die Grünen wollen dort Wohnungen sehen, erläuterte Susanne Vogel: "Vielleicht später mal Gewerbe." Die AfD unterstützte den FDP-Antrag. Es gebe keinen Gewerbeflächen-Notstand in Hilden, meinte Ludger Reffgen (BA): "Aber dafür große Probleme mit der Erschließung und dem Bahnlärm. Deshalb sind wir dagegen."

Etwa die Hälfte der Grundstücke im Plangebiet gehören der Stadt. Was die anderen Eigentümer von den Plänen halten, konnte die Verwaltung nicht sagen. Mit der Ablehnung des FDP-Antrages ist die Sache jetzt erst mal politisch vom Tisch.

(RP)