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Hilden: Kitas stehen vor Umbruch

Hilden : Kitas stehen vor Umbruch

Jugenddezernent Reinhard Gatzke befürchtet erhebliche finanzielle Mehrbelastungen für die Stadt durch das neue geplante Kinderbildungsgesetz, das ab August 2008 in Kraft treten soll.

Kommt das "Gesetz zur frühen Bildung und Förderung von Kindern" (KiBiz) wie geplant, wird es die heutige Kindergartenlandschaft radikal verändern, ist sich Gatzke sicher. Denn die Eltern können künftig in der Tagesstätte ihrer Wahl Betreuungszeit-Kontingente von 25, 35 oder 45 Wochenstunden "buchen". Das hat weitreichende Konsequenzen für die Stadt und die Träger. Denn das hehre Ziel, den Elternwillen zu berücksichtigen, lasse sich mit Planungssicherheit für Stadt und Träger nicht in Einklang bringen, so der Jugenddezernent.

Wie viele Kinder in einer Gruppe betreut werden, kann jede Einrichtung künftig selbst bestimmen. Je mehr Kinder pro Gruppe um so lukrativer für den Träger. Denn das Land zahlt künftig Pauschalen pro Kind. Das könnte auf Kosten der pädagogischen Qualitätsstandards gehen, fürchtet Gatzke.

Schließung möglich

Erst bei der Anmeldung der Eltern wird klar, wie viele Kinder wie lange betreut werden. Werden zu wenig Kinder angemeldet, müssen gegebenenfalls Mitarbeiter entlassen oder können nur noch mit Zeitverträgen angestellt werden. Bei zu wenig Anmeldungen müssten kleine Einrichtung in letzter Konsequenz schließen. "Wenn unsere Eltern ihre Kinder nicht mehr alle 45 Stunden die Woche betreuen lassen wollen, sind unsere Betriebskosten nicht mehr gedeckt", rechnet Adrienne Schultze, Leiterin des Kindergartens im Park, vor.

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Die Stadt kann als Ausfallbürge nicht einspringen, machte Gatzke deutlich. Die Eltern sollen sich mit 19 Prozent an den gesamten Betriebskosten beteiligen. Diese Quote wurde aber landesweit nie erreicht. Im wohlhabenden Hilden zahlen die Eltern immerhin 16 Prozent der Betriebskosten. Die Differenz übernahm bislang das Land. Diese Last sollen jetzt die Städte und Gemeinden schultern. Für Hilden macht das zusätzlich 130.000 Euro pro Jahr aus, schätzt der Dezernent. Die Kommunen können ihre Elternbeiträge künftig selbst festlegen. "Egal, was wir tun, es wird falsch sein und es wird immer unzufriedene Eltern geben", fürchtet Gatzke. Er fordert deshalb landesweit einheitliche Elternbeiträge. Klar ist bereits heute: KiBiz wird die Städte und Gemeinden mehr Geld kosten. Wie viel lasse sich zurzeit seriös noch nicht abschätzen, sagt Gatzke. Bislang gibt die Stadt Hilden pro Jahr sechs Millionen Euro netto für die Kinderbetreuung aus. KiBiz könnte das um bis zu zehn Prozent verteuern, so die ganz persönliche Einschätzung des Jugenddezernenten. Das neue Gesetz biete aber auch Chancen. Das Land beteilige sich etwa erstmals an der Betreuungskosten für Kinder unter drei Jahren. Doch die Gesetzgebung verteile die Risiken sehr einseitig zu Lasten der Kommunen und der Träger.

Bedarf ermitteln

Nach den Sommerferien will sich die Stadt mit den Kitas zusammensetzen und versuchen, den Betreuungsbedarf möglichst genau zu ermitteln. Gatzke: "Wir können nur hoffen, dass sich die Nachfrage der Eltern nicht dramatisch verändert."

(RP)