1962 schloss Bremshey sein Werk in Hilden

HIlden : 1982 schließt Bremshey sein Werk in Hilden

Fritz Bremshey baute ein Wirtschaftsimperium auf. Jeder kannte seinen legendären Taschenschirm „Knirps“. Oder den Servierwagen „Dinett“. 1982 machte einer der größten Arbeitgeber Hildens zu. Ein harter Schlag für die Stadt.

Fritz Bremshey (1902 - um 1975) hat den „Knirps“ nicht erfunden, aber zu einem Welterfolg gemacht. Der Solinger Unternehmer besaß zahlreiche Fabriken. 1905 wurde der Grundstein für sein HIldener Werk in Trotzhilden gelegt. Es wurde mit der Entwicklung neuer Produkte häufig erweitert.

Dazu zählte ab Mitte der 1950er Jahre auch der Servierwagen „Dinett“. Er ließ sich zusammenklappen, war ungemein praktisch und hochwertig verarbeitet. Die beiden Tabletts waren nicht aus Plastik, sondern schön gemastertem Palisanderholz. Die Räder liefen leicht und waren kugelgelagert. Der schöne „Dinett“ lief so gut, dass er bald billig nachgemacht wurde. Was den Ruf des Originals schädigte. Bremshey hatte vergessen, sein Original mit einem markanten Markenlogo zu versehen.

Auch der Universaltisch „Variett“ war ein Clou. „Einfach umwerfend vielseitig“ wurde der mobile Beistelltisch beworben. An den leichtläufigen, zierlichen Rollen (Made in England) konnte man den „Variett“ von seinen billigen Nachahmern unterscheiden. Und am diesmal eingeprägten Markenzeichen vom Bremshey & Co. mit galoppierendem Reiter & Pferd. Bremshey produzierte auch Haushaltgeräte, Ladeneinrichtungen, Sportgeräte, Stahlrohrmöbel und Krankenhausbetten.

1969 wandelte sich die Firma zu einer Aktiengesellschaft. Die Mannesmann AG erwarb 1977 einen Aktienanteil von 25,01 Prozent. Doch Bremshey produzierte einfach zu vieles und längst nicht alles mit Gewinn. 1981 wurde das Nördlinger Zweigwerk stillgelegt und Geschäftsbereiche verlegt. Verluste der Bremshey AG zehrten am Eigenkapital, sodass das Unternehmen mit 1800 Mitarbeitern am 23. Dezember 1982 geschlossen werden musste.

Anfang Juni 1982 schloss das Bremshey-Werk in Hilden, mit 1400 Mitarbeitern einer der größte Arbeitgeber der Stadt. „Da ist ein furchtbar harter Schlag für unsere Stadt“, sagte Bürgermeisterin Dr. Ellen Wiederhold. Zuvor hatten bereits Mannesmann, Thyssen und Bauermann ihre Werke geschlossen. Hilden verlor rund 5000 industrielle Arbeitsplätze. Die Arbeitslosenquote schnellte auf über neun Prozent, weit über dem Landes- und Bundesdurchschnitt.

Etwa die Hälfte der Bremshey-Mitarbeiter waren „Ausländer“, also Gastarbeiter, etwa ein Viertel Frauen, berichtete damals die Hildener Zeitung. Sie waren wütend, enttäuscht und bestürzt. Das Werk Hilden sei mit Aufträgen aus der Autoindustrie und der Bundesbahn „100-prozentig“ ausgelastet, konnte der Betriebsratsvorsitzende damals die Welt nicht verstehen.

Noch 1981 hatte die Bremshey AG mit 1800 Mitarbeitern rund 235 Millionen Mark Umsatz gemacht, berichtete der Spiegel 1982. Die drei Eigentümer-Familien seien nicht mehr bereit gewesen, weitere Verluste abzudecken. Wie bei anderen bekannten deutschen Familienunternehmen wie Bauknecht, Dual, Pelikan oder Wienerwald sei Bremshey durch Führungsfehler in die Schieflage geraten, schrieb das Nachrichtenmagazin aus Hamburg. Die Produktion von Krankenhausbetten, Elektrorasiern oder Küchenmaschinen habe nur Verluste gebracht.

Das Bremshey-Werk in Hilden wurde abgerissen, die Brachen wieder neu belebt. Im Gewerbegebiet Ost haben sich unter anderem der Automobil-Zulieferer Wielpütz und Qiagen angesiedelt. Qiagen ist eine Erfolgsstory – wie einst der „Knirps“ – und inzwischen zum größten Biotech-Unternehmen Deutschlands und eines der größten Europas gewachsen. Aber möglicherweise wird Qiagen auch übernommen. Und dann weiß niemand, was aus dem Standort Hilden wird.

Nach der großen Wirtschaftskrise in Hilden, deren Höhepunkt 1982 die Schließung des Bremshey-Werkes markiert. kaufte die Stadt Hilden mit Unterstützung der WestLB die Industriebrachen auf und richteten sie für neue Ansiedlungen wieder her. Das brauchte Jahre, hat aber am Ende funktioniert. Heute hat die Hildener Wirtschaft einen sehr viel stärkeren Mix von Branchen und größeren und kleineren Firmen als 1982. Und das hilft der Stadt, wirtschaftlich schwierige Zeiten besser zu überstehen.

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