Grevenbroich: Sparkurs macht Denkmalpflegern Sorge

Grevenbroich : Sparkurs macht Denkmalpflegern Sorge

Wevelinghovens Pastorat wurde mit Landesgeldern saniert. Experten fürchten nun, dass sich NRW aus der Förderung zurückzieht. Die Stadt erhält bereits keine Denkmalpflege-Gelder mehr, weil sie die Eigenmittel nicht aufbringen kann.

Bei dieser Nachricht kann Helmut Coenen nur mit dem Kopf schütteln. "Ohne Zuschüsse für den Denkmalschutz hätten wir beim Pastoratsgebäude in Wevelinghoven enorme Probleme bekommen", sagt das Kirchenvorstandsmitglied von St. Martinus. Ob in Zukunft die Inhaber denkmalgeschützter Gebäude auf solche finanzielle Unterstützung noch bauen können, ist offen: Die rot-grüne Landesregierung prüft nach eigenen Angaben, wie die freiwillige Förderung der Denkmalpflege umstrukturiert werden kann. Ab 2015 könnten, so offenbar ein Modell, Mittel für den Denkmalschutz nur noch in Form von Darlehen gewährt werden. "Das wäre für viele eine mittlere Katastrophe", meint Helmut Coenen. "Wenn ein Gebäude im Sinne des Denkmalschutzes erhalten bleiben soll, kostet das eine Menge Geld – und als Bauherr hat man ja nicht unbegrenzt finanzielle Mittel zur Verfügung."

Die Situation ruft den Vorsitzender der Grevenbroicher FDP, Markus Schumacher, auf den Plan. "Die Eigentümer werden mit den hohen Folgekosten allein gelassen", mahnt er. Als Beispiel zieht er ebenfalls das Pastoratsgebäude in Wevelinghoven heran. "Im Jahr 2012 hat das Land die Gesamtinstandsetzung mit 31 000 Euro bezuschusst", sagt er. "Diese Mittel will das Land in Zukunft nur noch als Kredit zur Verfügung stellen." Schumacher befürchtet, vor allem private Denkmalbesitzer seien dann nicht mehr in der Lage, ihre Gebäude dementsprechend instand zu halten.

Der von Rot-Grün geführte Landtag hat beschlossen, die Zuschüsse für den Denkmalschutz im laufenden Jahr um zwei Millionen auf 9,3 Millionen Euro zu senken. Der Sparkurs ist eingeschlagen – inklusive Umstieg von Zuschüssen auf zinsvergünstigte Darlehen? Diese Aussicht hatte Denkmalschützer, Archäologen und Heimatvereine auf den Plan gerufen. Sie mahnen, dass viele Privatleute dann nicht mehr in den Erhalt eines alten Gebäudes investieren würden. Die Folge: Es drohe ein Verfall der Denkmäler. Laut Stadt gibt es in Grevenbroich 192 Bau- und 19 Bodendenkmäler, landesweit sind es fast 87 000.

NRW-Bauminister Michael Groschek hat jetzt vor der SPD-Landtagsfraktion versucht, die Befürchtungen zu zerstreuen. Zwar würden die Landeszuschüsse für Bau- und Bodendenkmalpflege um zwei Millionen gekürzt. Zugleich würden die Landesmittel für den städtebaulichen Denkmalschutz erhöht. Aus Landesmitteln und Zuweisungen des Bundes stünden aber 51 Millionen Euro zur Verfügung. "Das ist ein grotesker Versuch, die Kürzungen zu rechtfertigen", sagt Schumacher. "Die Privatleute werden letztlich weiter im Stich gelassen."

Die Stadt Grevenbroich profitiert schon heute nicht. "Pauschalzuweisungen des Landes haben wir seit Jahren nicht bekommen", sagt Stadtsprecher Andreas Sterken. "Die Kommune muss dabei Eigenmittel einbringen – mit Blick auf den Haushalt ist das nicht drin."

(NGZ)