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Künstler aus Uedem hat Schutzengel gegen die Einsamkeit angefertigt.

Uedem : Schutzengel gegen Corona-Einsamkeit

Der Künstler Georg Münker aus Uedem möchte mit seinen Schutzengeln symbolische Nähe vermitteln, besonders für Menschen, die coronabedingt isoliert sind. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin Marion Brück hat er das Symbol angefertigt.

Nicht nur Schutzmasken und Abstandsregeln sind vonnöten, um die Corona-Krise zu überstehen, auch das Gefühl von Nähe brauchen die Menschen, besonders, wenn sie weitgehend auf Kontakte mit Angehörigen verzichten müssen. Das findet Georg Münker, studierter Architekt, Bühnenbildner und Künstler aus Uedem, und hat zusammen mit seiner Lebensgefährtin Marion Brück einen Schutzengel entworfen. Es ist seine Antwort auf die Lockdown-Wochen, die viele Menschen, besonders ältere Heimbewohner und Kranke, ganz ohne die Nähe ihrer Lieben bewältigen mussten.

„Der Schutzengel ist das klassische Symbol für das Behütetsein. Er schenkt das Gefühl, nicht alleine zu sein“, erklärt Münker. Auf die Idee kam er durch seine Mutter, die schwer pflegebedürftig sei und die er coronabedingt nicht besuchen kann. Der Schutzengel zeige, anders als ein gelegentlicher Anruf oder ein Video-Chat, in jedem Augenblick, dass der Mensch, der fehlt, dennoch in Gedanken da sei, sozusagen als sichtbares und greifbares Zeichen der Anwesenheit. Der aus einer Stahlplatte gefertigte Engel hat eine klare und zeitlose Form, stilisierte Flügel und einen leicht geneigten Kopf. Mit einem Stab ist er auf einem quadratischen Holzsockel befestigt, scheint dennoch zu schweben. „Die Neigung des Kopfes entspricht einer Demutshaltung“, erläutert der Künstler. Zwei Modelle gibt es, eine kleinere weibliche und eine größere männliche Form, nebeneinander bilden sie ein Paar: „Herr und Frau Engel“, sagt Münker. Die Exemplare variieren in Blankstahl, mit Blattgold verziert oder rostend. Ein ganz besonderes Stück hat er mit dem Teil einer etwa hundertjährigen Bahnschwelle von der Boxteler Bahn verbunden. Dieser Engel, ein Einzelstück, ist entsprechend viel größer und, wie Münker erklärt, als Grabengel gedacht. Das zerfurchte Schwellenstück mit dem großen Verbinderbolzen, der noch darin steckt, erzählt von einer fernen Vergangenheit und korrespondiert in eigenartigem Kontrast mit der zeitlosen Form des Engels. Georg Münker hat zu Beginn seines Schutzengelprojekts ein Exemplar Pfarrer Bertold Engels von der Uedemer Kirchengemeinde St. Franziskus geschenkt. Auch eine befreundete Familie, die ein schwer krankes Kind hat, erhielt vom Künstler einen Schutzengel als Geschenk. „Jemanden beschützen zu wollen, auch wenn man nicht bei ihm ist, ist ein Urbedürfnis des Menschen. Das kennen ja zum Beispiel alle Eltern, wenn ihr Kind ohne sie unterwegs ist“, so Münker. Mit seinem Geschenk an jene Familie wollte er auch zeigen: „Ihr seid nicht allein.“ Die Schutzengel sollen, so der Uedemer, die Abstandsregeln überwinden, ohne sie zu verletzen. In seiner Werkstatt „einzigARTig“ an der Lohstraße 4 hat er bereits eine größere Anzahl angefertigt, die er nun verkauft. Da er seine Homepage zurzeit überarbeitet, ist er am besten unter der Rufnummer 0172 5673371 erreichbar.