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Pfarrer Hürter verlässt das Gocher Land nach 26 Jahren

Kirchenleben : Lichterspektakel zu Hürters Abschied

26 Jahre ist es her, dass Pastor Heinz-Norbert Hürter das Pfarrhaus in Kessel bezog. Nun verlässt er die Pfarrgemeinde Gocher Land. Zum Abschied gab’s einen Wortgottesdienst mit Lichtershow und Übertragung auf eine Leinwand.

So etwas hatte Kessels altehrwürdige Pfarrkirche nie zuvor erlebt: eine Lichtershow und rockige Klänge während eines Gottesdienstes, der noch dazu auf eine Leinwand nach draußen übertragen wurde. Den Anlass dazu gab der anstehende Abschied von Pfarrer Heinz-Norbert Hürter, der seine Pfarrgemeinde Gocher Land nach 26 Jahren Richtung Italien verlässt. Die Corona-Pandemie hat Hürter, wie berichtet, in den vergangenen Monaten von mancher persönlichen Begegnung, die er sich gewünscht hatte, abgehalten. Die jüngsten Lockerungen ermöglichen nun immerhin einige Wortgottesdienste, deren erster und ungewöhnlichster am Donnerstagabend in St. Stephanus Kessel stattfand.

Corona ist noch nicht vorbei, deshalb mussten die Gläubigen mit Maske kommen und sich in eine Liste eintragen.Wer sich angemeldet hatte, bekam einen von wenigen Plätzen im Kircheninneren, viele weitere Kesseler nahmen draußen Platz, zum Teil in Decken gehüllt oder unter Schirmen, denn der Frühsommer macht derzeit ja eine Pause. Dennoch harrten Hürters Wegbegleiter tapfer aus, zumal sie einen ähnlichen Gottesdienst vermutlich nicht so schnell wieder erleben können.

Küsterin Gisela Wagner und die Mitarbeiter von „Magic Sound“ hatten alles bestens vorbereitet. Scheinwerfer und Lautsprecher waren zu positionieren, die Musiker hatten ihren Platz auf der Orgelempore, hinten im Kirchenschiff war das Mischpult für die professionelle Steuerung platziert. Zu erleben war eine Liturgie des Wortes durch den Pfarrer, Diakon Lothar Elbers und die Lektoren, eingebettet in eine Licht- und Musikshow, die aus eingespielten Stücken und live gesungenen Liedern bestand. Der in Kessel beheimatete Organist und Chorleiter Daniel Verhülsdonk, seine Schwester Sara sowie Christina Verrieth sangen in beeindruckender Weise.

Auch der Inhaber von „Magic Sound“, das wie alle anderen Veranstaltungsunternehmen in der Corona-Krise sämtliche Aufträge verloren hat, der Kesseler. Dominik Loock war es, der Hürter und derGemeinde die Inszenierung schenkte. Die Heiligenskulpturen von Agnes, Stephanus und Norbert wurden ebenso einbezogen wie der Taufbrunnen oder der Altar. Knallgrüne Blitze, blaues Leuchten, Musik, die mal frisch und mal düster daher kam: Es war ein wirklich anderer Gottesdienst.  Pfarrer Hürter gab den Hirtenstab, den er vor 26 Jahren entgegen genommen hatte, zurück und bedankte sich bei den vielen Menschen, die in den Jahren zu Freunden geworden seien.

Ein Beispiel seines Redetalents lieferte der scheidende Geistliche mit seiner kurzen Predigt zum Thema Pfingsten. Das Fest, das einige Tage zurück liegt, sei ein besonderes, weil bildloses und irgendwie schwer zu fassendes Ereignis. Es biete keine Hilfestellung durch Rituale und Symbole wie Weihnachten oder Ostern, dafür aber die Chance, sich als Mensch mit seinen Fehlern, Wünschen, Sorgen selbst in den Blick zu nehmen. „Pfingsten, das sind wir“, sagte Norbert Hürter und ermutigte die Gläubigen, sich im Spiegel ins Gesicht zu sehen. Die Gewissheit, dass Gott jeden Menschen liebe, soll Hoffnung machen. Auch die „Gegangenen“, verstorben oder weggezogen, bezog er in seine Worte ein, so wie ja auch er selbst nun weggeht und nicht genau weiß, was ihn in seiner Wahlheimat erwartet Viele Kesseler sind im Laufe der Jahre mit dem Rom-Kenner Hürter nach Italien, aber auch nach Israel gereist. Unterwegs zu sein, gerne mit dem Fahrrad, ist ein wichtiger Teil seines Lebens.

Hürter verlässt bekanntlich nicht nur die Gemeinde Gocher Land, sondern gleich ganz Deutschland, um künftig in der Nähe von Rom, in Civitavecchia, zu leben. Was genau er dort beruflich machen wird, steht noch nicht fest, Corona hat alle Planungen unterbrochen. Uchenna Aba, der in Pfalzdorf lebt, wird Pfarrverwalter, zunächst sogar für ganz Goch, bis die Pfarrei Arnold Janssen nach dem Weggang von Pater Roberto Alda (Abschied am 13. und 14. Juni) einen neuen Pfarrer bekommt: den Steyler Manfred Krause.

Hürter wird in den kommenden Tagen noch in den anderen Dörfern des Pfarrverbunds Gocher Land Gottesdienste feiern, bevor ihm der Ortskirchenrat beim Packen hilft.