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Goch: Nicole Peters gewinnt Wettbewerb für Kunst am Bau

Kunst am Bau : Spezialbeton für Tiere vom Bauernhof

Nicole Peters gewann einen bundesweiten Wettbewerb für Kunst am Bau einer Kita mit einer bespielbaren Skulptur aus Pferd, Kühen und Schweinen. Die tonnenschweren Tiere werden jetzt nach Sachsen transportiert.

Das kleine Schwein hat sichtlich Spaß daran, sich zu suhlen. Man sieht es ihm an. Es scheint zu grinsen und sich wohlzufühlen, das „Schweinekind“, so wie es da auf dem Rücken liegt und mit den Beinen strampelt. Die Muttersau mit Kringelschwanz schaut zu, es gibt ein braunes Pferd und eine stoische schwarz-weiße Kuh mit Kalb. Die Tiere sind zugleich realistisch und stilisiert, sie transportieren Aussagen, auch oder gerade weil sie eigentlich kein richtiges „Gesicht haben“, so fehlt allen die Augenpartie. „Jeder findet eigene Geschichten in den Figuren“, sagt Peters.

Nicole Peters hat die Gruppe der fünf Tiere geschaffen. Zunächst als kleines Modell in Ton geformt. Jetzt, fast lebensgroß und in Farbe, stehen sie schwer und stabil in Spezialbeton modelliert auf kräftigen Stahlfüßen im Atelier der Künstlerin an der Maasstraße in Goch Asperden. Im kalten Atelier hängt noch der Schleifstaub  in der Luft und flimmert in der Sonne, die hereinscheint. Der Staub wird sich setzen, die fünf Tiere werden heute, 24. November, abgeholt: Sie kommen an ihren Bestimmungsort, der Kita Marienhof in Zwickau vor ein ein stattliches Haus mit Fachwerk-Etage.

Peters wird ebenfalls nach Zwickau fahren, wenn die Skulpturen dort auf die vorbereiteten und in der Erde versenkten Sockel gesetzt werden. Eine Gruppe heimischer Tiere, denen es sichtlich gut geht. Und die bespielt werden können. Denn Peters-Skulpturen sind interaktiv. Man darf auf sie klettern, sie besteigen  – das Kälbchen schmiegt sich wie eine Stufe an seine Mutter – man darf von ihnen herunterspringen und einfach nur Spaß haben an der Kunst am Bau.

„So ist das gedacht“, sagt Peters. Eigentlich sind ihre Werke als soziales Wirken wie zuletzt der dicke Drache in Xanten oder die Tiergruppe vor der Hochschule in Kleve, nicht nur interaktiv, sie werden in der Regel auch mit ihren künftigen „Besitzern“ und „Bekletterern“ entwickelt. Peters bindet bei diesen Skulpturen die späteren „Benutzer“ mit ein, lässt sich inspirieren, redet mit den Kindern und formt so die Idee von Skulptur. Das sei ihre Interpretation von „sozialer Plastik“, wie Beuys sie formulierte. „Wir sollten alle Menschen daran teilhaben lassen, damit ist zwar nicht jeder Mensch ein Künstler, aber jeder ist ein Plastiker“, sagt Peters.

Doch in Zeiten von Corona ist das nicht so einfach. Schon gar nicht über die Entfernung nach Ostdeutschland ins sächsische Zwickau zur Kita Marienhof. „Der direkte Kontakt war deshalb leider ausgeschlossen. Aber ich habe den Kindern der Kita vorgeschlagen, mir Bilder ihrer Lieblingstiere zu malen. Und die haben mir eben ganz viele Pferde, Kühe, Schweine geschickt“, sagt die Künstlerin. Daraus wurde dann die Skulptur mit den fünf  Tieren vom Bauernhof.

Gebaut sind die fünf Tiere um ein Gerüst aus stabilen Stahlrohren. „Die müssen vier Millimeter Wandstärke haben, sagt der Statiker“, sagt Peters. Denn weil die Figuren nicht nur Kunst am Bau sind, sondern bespielbare Kunst am Bau, werden sie diversen Tests unterzogen. So dürfen sie eine Abstürzhöhe von 1,5 Meter nicht überschreiten. „Deshalb sind die Tiere auch etwas kleiner als lebensgroß gemacht“, sagt Peters – das macht aber nichts, weil’s um das Wesen der Tiere, nicht um ein exaktes Äußeres geht.

Abstehende Beinchen oder Hörner dürfen bei Belastung nicht abbrechen und wenn etwas Hartes aus der Höhe auf die Skulptur fällt, darf auch nichts absplittern. Es gibt also einen Statiker, der das alles ausrechnet, was Peters als Bewehrung in ihren Tieren unterbringen muss. Die Stahlrohre schneidet Peters selbst, geschweißt werden sie vom Profi, der Statiker weiß, wo die Monier-Eisen hinkommen müssen. Damit der Beton die richtige Form behält, verbergen sich in den Tieren so genannte „Rippenstreckmetall-Matten“. Dann kommt ein Spezialbeton drauf, es wird eingefärbt und geschliffen. „Seit Juli arbeite ich an der Skulptur“, sagt Peters. Die fertigen Skulpturen wiegen jetzt fast eine Tonne und müssen mit dem Lkw abtransportiert werden. Die Skulptur in Zwickau war bundesweit als Kunst am Bau ausgeschrieben und erfolgte in einem einstufigen Wettbewerb. Peters setzte sich gegen 36 andere Bewerber durch – mit einem eindeutigen Ergebnis.

Dass die Kinder lange Spaß an ihren Tieren haben, erfährt Peters oft auch noch im Nachhinein: Ihr großer Drache Gordo, der mit Mosaik belegt ebenfalls eine bespielbare Großskulptur ist, begeistert seit der Aufstellung in Xanten. Zu ihrem Geburtstag bekam Peters vor wenigen Wochen ein Video von einer Kindergruppe, die Gordo beklettert hatte und ihr ein Ständchen hielt.