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Kreis Kleve: Tag der Ausbildung 2021 digital im Internet

Kreis Kleve : Begeisterung wecken – auch ohne Messe

Beim Tag der Ausbildung informieren sich jährlich bis zu 2500 Jugendliche über Chancen und Perspektiven bei Betrieben. Weil er kommendes Jahr ausfallen muss, gibt es eine digitale Alternative.

Bei Amilton Paulino ist die Begeisterung am Job spürbar. Der 24-Jährige arbeitet bei Malermeister Ralf Kersten, hat dort erst ein Praktikum und eine Ausbildung absolviert, vor Kurzem wurde er übernommen. „Wir machen alles: Fassaden, streichen, tapezieren, lackieren – und auch schleifen“, sagt Paulino, der dann lachend einräumt: Schleifen sei aber nicht seine Lieblingsbeschäftigung. 2014 ist Paulino aus Angola nach Deutschland gekommen, über einen Praktikumsplatz hat er zu Ralf Kersten gefunden. „Er bringt einfach mit, was man braucht“, sagt der Chef. „Amilton lernt sehr schnell. Zum einen das Deutsche, was wichtig ist, weil wir auch viel für Privatkunden arbeiten“, sagt Kersten. „Aber wirklich erstaunlich ist, dass man ihm die Dinge nur einmal zeigen muss, dann funktioniert es.“ Zunächst ist er noch mit Bus, Bahn und zu Fuß von Hüthum nach Bedburg-Hau gekommen. Mittlerweile hat er dort eine Wohnung gefunden. Auch in Zukunft sieht sich Paulino mit Pinsel und Eimer in der Hand – jetzt ist er aber erst einmal Ausbildungsbotschafter.

Jedes Jahr findet im Berufskolleg Geldern der Tag der Ausbildung statt. Bis zu 2500 Jugendliche kommen dann, um sich über Chancen und Perspektiven zu informieren. An die 130 Unternehmen stellen sich dort vor. Wie so vieles andere in Corona-Zeiten auch, kann die Messe, die Ende Januar wieder angestanden hätte, dieses Mal nicht stattfinden. Stattdessen hat sich die Kreiswirtschaftsförderung etwas anders einfallen lassen. „Wir haben uns mit dem Handwerk zusammengetan, um möglichst viele Zielgruppen zu erreichen“, sagt Kreiswirtschaftsförderer Hans-Josef Kuypers. Alle zwölf im Kreis Kleve vertretenen Innungen haben ihren Obermeister, einen Ausbilder und einen Auszubildenden vorbei geschickt. Von Friseuren und Goldschmieden bis zu den Malern und Lackierern, zu denen sich jetzt auch Amilton Paulino zählen kann. Sie alle sind Teil einer Informationskampagne, die Jugendlichen die Berufs- und Karrierechancen im Handwerk näher bringen und somit Nachwuchskräfte sichern soll. Gedreht werden prägnante Kurzvideos im Interview-Format, zu sehen sind die unter anderem im Internet. Auch Radiosendungen und Kinospots sind geplant – wenn die Kinos denn dann auch wieder öffnen dürfen.

Gute Auszubildende könne es jedenfalls nicht genug geben, sagt Malermeister Ralf Kersten. Genauso wie gute Mitarbeiter im Anschluss. Die Auftragsbücher seien auch in Corona-Zeiten voll. „Wir könnten sogar noch mehr machen“, sagt Kersten. Die Fachkräfte sind es, die fehlen. „Natürlich ist der Beruf viel Arbeit, wir bekommen auch zu hören, dass sich viele nicht mehr schmutzig machen wollen“, sagt er. Dafür sind die Maler längst keine reine Männerdomäne mehr. Bis zu einem Viertel der Auszubildenden sind mittlerweile Frauen. „Weil es auch ein kreativer Beruf ist“, sagt Kersten. Amilton Paulino möchte jedenfalls nicht tauschen, hat für sich das passende Handwerk gefunden. „Gott sei Dank ist es bei mir gut gelaufen und ich wurde auch direkt übernommen“, sagt er. Orte, an denen er und seine Kollegen arbeiten, sähen am Ende häufig wie verwandelt aus. „Das macht einen dann schon ziemlich stolz.“