An Niers und Kendel: Heft 62 beschäftigt sich mit religiösen Unruhen

Goch : Bildersturm und Religionskonflikte

Das neue 34 Seiten starke Heft des Heimatvereins Goch „An Niers und Kendel“ berichtet über konfessionelle Unruhen in Goch zur Zeit der Reformation. Autor ist Hans-Joachim Koepp.

. Das Thema ist so umfangreich, dass es ein ganzes Heft füllt. Und die Lektüre macht den Leser nachdenklich, lässt erkennen, was eigentlich Glaubensfreiheit bedeutet und wie viele Menschenleben diese Freiheit gerettet hätte, wenn es sie zum Beispiel bereits im Mittelalter gegeben hätte. „Konfessionelle Unruhen in Goch“ ist der Titel des gerade erschienenen Heftes „An Niers und Kendel“. Autor Hans-Joachim Koepp beschreibt darin ausführlich die Religionskonflikte in Goch zur Zeit der Reformation und ihre Nachwirkungen bis in das 18. Jahrhundert.

Am Anfang steht ein aktuelles Foto, das die evangelische Kirche am Markt und die katholische Pfarrkirche Maria-Magdalena zeigt. Der Autor Koepp schoss es aus einer Riesenradgondel heraus bei der Herbstkirmes im Jahr 1992. Bis zu diesem friedlichen Nebeneinander gingen die Konfessionen einen stürmischen und konfliktreichen Weg. Geld und Macht habe dabei eine Rolle gespielt, schreibt Koepp. Jedoch habe die Geschichte der Stadt gezeigt, dass die Gocher gegenüber Fremden, insbesondere Glaubensflüchtlingen, tolerant waren und es bis in die heutige Zeit sind. Die ausführliche Arbeit liefert nicht nur einen Überblick über die Gocher Kirchengeschichte, sondern beschreibt auch detailreich die Bildung verschiedener Glaubensrichtungen nach Beginn der Reformation durch Martin Luther. Es gab Lutheraner und Reformierte.

Koepp schreibt: „Manchmal wurden die Reformierten toleriert, manchmal hatten sie das Sagen, ein andermal wurden sie unterdrückt.“ Auffällig ist, dass sich in dem Jahrhundert nach Luthers Thesenanschlag immer wieder Glaubensflüchtlinge, meist aus den Niederlanden und Belgien, in Goch niederließen und dort toleriert wurden. Sie hatten den lutherischen oder reformierten Glauben und wurden in ihrer Heimat deshalb verfolgt.

Interessant für die heutigen interessierten  Leser ist Koepps Hinweis, dass diese Fremden in Goch willkommen waren, weil sie als tüchtige Handwerker galten. Sie brachten, wie Koepp berichtet, zum Beispiel neue Techniken des Leinengewerbes und des Bleichwesens in die Stadt. Viele Vertreter der Gocher Oberschicht seien Anhänger des Protestantismus gewesen.

Es gab sogenannte „Simultan-Gottesdienste“ in der katholischen Pfarrkirche. Das bedeutete ein „Abendmahl in beiderlei Gestalt“ und klar gegliederte katholische wie evangelische Bestandteile des Gottesdienstes. Nur die Politik ließ solch friedliches Nebeneinander nicht zu. Während Herzog Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg dies duldete, wollte Kaiser Karl V. unbedingt am römisch-katholischen Glauben festhalten und auch seine Untertanen dazu zwingen. In Goch gab es die „heimliche Gemeinde der Reformierten“.

Wiederholt weist der Autor Koepp darauf hin, dass gerade die Glaubensflüchtlinge aus den Niederlanden das religiöse Leben in Goch prägten, und dies galt für viele niederrheinische Städte. Er schreibt: „Migration aus Glaubensgründen wurde ein Merkmal der niederrheinischen Geschichte.“ Die Migranten flohen insbesondere vor der Verfolgung durch die Spanier. Letztere sorgten sehr viel später im Jahre 1625 für den Bildersturm der Maria-Magdalenen-Kirche, einem sehr spannenden Kapitel im Heft.

Erschreckend ist außerdem der Abschnitt „Dunkles Kapitel in der Geschichte der reformierten Gemeinde Goch“, in dem der ungeliebte Prediger Creporinus eine bedeutende Rolle spielt. Mehrere Gocher Katholiken wurden seinerzeit wegen angeblicher Verschwörung mit den Spaniern verhaftet und grausam gefoltert.

Hans-Joachim Koepp liefert mit seiner Abhandlung einen umfassenden Beitrag zur Geschichte der Konfessionen in Goch und am Niederrhein. Die Abbildungen stammen zum größten Teil aus dem Gocher Stadtarchiv. Das neuerschienene Heft Nummer 62 ist im örtlichen Buchhandel zum Preis von 2,50 Euro erhältlich.

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