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Stadt Kalkar plant Blühstreifen gegen das Insektensterben

Kalkar : Blühstreifen auf 12.000 Quadratmetern

Auch die Stadt Kalkar reiht sich ein in die Kommunen, die dem Insektensterben etwas entgegen setzen.

Vor Jahrzehnten blühten neben jedem Weizenfeld roter Klatschmohn und blaue Kornblumen. Doch im Laufe der Zeit verschwanden diese Blühstreifen. Mittlerweile hat man festgestellt, wie wichtig diese als Lebensraum für Insekten sind und sät vermehrt neue Blumenwiesen aus. Auch die Stadt Kalkar reiht sich ein in die Kommunen am Niederrhein, die dem Insektensterben etwas entgegen setzen wollen. „Auf einer Fläche von rund 12.000 Quadratmetern haben wir innerstädtisch Blumensamen ausgesät“, erzählte Bürgermeisterin Dr. Britta Schulz. Außerdem beteiligten sich rund 20 Landwirte an dem Blühstreifenprojekt, sie stellten unentgeltlich rund 1,2 Hektar Flächen dafür zur Verfügung.

Artenreiche Blühwiesen sind überlebenswichtige Biotope für eine ganze Vielzahl von Insekten. Dort finden diese Nektar in Hülle und Fülle und bei rücksichtsvoller Pflege auch Brutrefugien. Von den Insekten wiederum profitieren dann die Vögel, Amphibien, Kleinsäuger, Reptilien und weitere Kleintiere. Auf einer gut gestalteten Blühwiese kann man sozusagen das „pralle Leben“ beobachten. Oftmals ziehen diese Flächen auch andere Arten aus dem gesamten Umkreis geradezu „magnetisch“ an.

Die Beschaffung des Saatguts, die bodenvorbereitenden Maßnahmen sowie die Einsaat übernahmen die Mitarbeiter des Bau- und Betriebshofes. Die Stadt finanzierte die Kosten von etwa dreieinhalb Tausend Euro. Von Mitte April bis Mitte Mai erfolgte die Aussaat, mittlerweile stehen alle Flächen – mit Klatschmohn, Kamille, Wiesenmargarite, Kornblumen und viele andere - in bunter Blüte, umschwirrt von Insekten verschiedener Art.

Während auf den städtischen Flächen – unter anderem 300 Quadratmeter vor dem Friedhof an der Altkalkarer Straße, über 1700 Quadratmeter südlich des Spielplatzes am Stadtpark, insgesamt  2700 Quadratmeter vor der Zweifach-Turnhalle am Kalkarer Schulzentrum und angrenzend an den südlich gelegenen Teich und eine große Fläche am Parkplatz zwischen der Mühle und dem Sportplatz – mehrjährige Blumen gesät wurden, stehen auf den Flächen der Landwirte einjährige Blumen. „Wichtig war uns, dass die Flächen für die Bevölkerung auch zu sehen sind“, sagte Landwirt Michael Seegers, der auch engagiert ist in der Ortsbauernschaft Kalkar-Altkalkar. „Wir wollen zeigen, dass wir Landwirte nicht nur Landwirtschaft betreiben, sondern uns auch um Artenschutz kümmern. Bevor uns seitens der Politik von oben irgend etwas diktiert wird, wollten wir lieber im Vorfeld aktiv werden. Denn ohne Insekten läuft nichts, auch nicht in der Landwirtschaft.“ Er würde sich wünschen, dass jeder, der einen Garten hat, selber ebenfalls eine kleine Ecke als Blühwiese gestaltet.

Blühstreifen am Wiesen- und Wegrand, entlang Radwegen und Spazierwegen, teilweise in landschaftlich sehr reizvollen Gegenden, bieten jetzt einen wunderschönen Anblick. „Wir haben beispielsweise auf dem Spazierweg zum Griether Sportplatz Blühstreifen angelegt“, sagte Rainer Thoenes, Ortsbauer aus Grieth-Wissel.

 „Wir wollen mit gutem Beispiel vorangehen und ein Bewusstsein schaffen, dass jeder etwas im Sinne der Ökologie tun kann“, sagte Bürgermeisterin Britta Schulz während des Pressegesprächs. Sie freute sich, dass sich in der Bürgerschaft mittlerweile eine Interessengemeinschaft gebildet hat, die sich ein „naturnahes Kalkar“ auf die Fahne geschrieben hat.