Kerken: Warten auf Antworten vom Bistum

Kerken: Warten auf Antworten vom Bistum

In einer öffentlichen Versammlung wollen sich Vertreter aus Münster dazu äußern, wie es mit Kerkens Pfarrer Theodor Prießen weitergeht. Fragen häufen sich. Die Solidaritätsbekundungen dauern an.

In die Empörung mischt sich langsam eine Spur von Spannung. Am Montag werden sich Vertreter des Bistums Münster im Nieukerker Adlersaal in einer öffentlichen Versammlung zum androhenden Weggang von Pfarrer Theodor Prießen äußern. Gestern fand dazu das letzte Donnerstagsgebet in der Pfarrkirche St. Peter und Paul Aldekerk statt. Über Wochen hatten sich Gemeindemitglieder in den verschiedenen Kirchen der Gemeinde getroffen, gebetet und Kerzen angezündet, eine Solidaritätsbekundung. Auch der Nieukerker Männergesangverein will nicht hinnehmen, dass Pfarrer Theodor Prießen ab Herbst in St. Willibrord Kleve seinen Dienst verrichten soll und hat, wie viele andere, einen Brief an das Bischöfliche Generalvikariat in Münster geschickt.

"Ich sag' es mal so, Pfarrer Prießen wollte nicht weg", ist die Überzeugung vom Vorsitzenden des Männergesangsvereins 1849, Klaus-Peter Schmitz. Schuld sei die Personalsituation. "Er ist regelrecht verschlissen worden." Prießen war nach der Fusion für drei Gemeindeteile zuständig, für Aldekerk, Nieukerk und Stenden. "Wenn man sieht, wie gut die Gemeinde personell aufgestellt ist, in die er wechseln soll, treibt es einem die Zornesfalte auf die Stirn", sagt Schmitz.

In dem Brief nach Münster zählen die Mitglieder des Nieukerker Männergesangvereins alle Vorzüge ihres Geistlichen auf. Schmitz fasst es so zusammen: "Er hat die Leute zurück in die Kirche gebracht." Die Sänger nennen in dem Brief auch einen Lösungsvorschlag. Eine ehrenamtliche Kraft oder Teilzeitkraft könnte den leitenden Pfarrer hinsichtlich der administrativen Aufgaben entlasten, damit er wieder mehr Seelsorger und weniger Verwaltungsmensch sein kann. Vergangenen Freitag kam das Antwortschreiben aus Münster. "Die von Ihnen angesprochene Einstellung einer Fachkraft für notwendige Verwaltungstätigkeiten sehen wir auch. Dies liegt jedoch in Hoheit der jeweiligen Kirchenvorstände, die einen sogenannten Verwaltungsreferenten anstellen können. Diese Anstellung wird von Seiten des Bistums nicht nur mit getragen, sondern auch in jeglicher Weise unterstützt", heißt es darin.

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Der Brief, der vom Personaldezernenten des Bistums, Karl Render, unterzeichnet ist, lässt allerdings offen, wie das Gespräch am Montag verlaufen wird. Man hoffe, es sei dem Gesangsverein möglich, als eine der größten und mitgliedsstärksten Gruppen einen möglichen Nachfolger und das zukünftige Pastoralteam bei der Einarbeitung und der Zusammenführung der unterschiedlichen Gemeindeteile zu unterstützen - so endet der Brief.

Für Wolfgang Weinem, der sich selbst als einfachen, sich Sorgen machenden Kirchgänger bezeichnet, drängen sich viele Fragen auf, die er auch an den Bischof Felix Genn geschickt hat. "Trifft es zu, dass hinsichtlich der Fusionierungsplanung im Bistum eine Seelsorgeeinheit Kerken/Rheurdt vorgesehen war?", will er wissen. Er fragt auch, ob man bewusst Pfarrer Prießen und Derrix mürbe mache und "an die Wand fahren" lasse, um den Weg für eine Fusion frei zu machen. Immerhin ist nach seiner Recherche Kerken die einzige Gemeinde im Bistum mit einer Minus-Stellenbesetzung. "Ich habe Personalkaufmann gelernt und muss mich über die bischöfliche Personalpolitik mehr als wundern", schreibt er in seinem Brief ans Bistum.

Bei der Versammlung am Montag im Adlersaal ist er als gespannter Zuhörer dabei. Auch Klaus-Peter Schmitz, der Vorsitzende des Männergesangvereins, ist gespannt auf das, was die Vertreter des Bistums sagen werden. "Ich bin ganz sicher, dass die Proteste weiter gehen und heftiger werden, wenn das Montag nichts bringt", ist er überzeugt.

(RP)